EU-Sanktionen Deutsche trotzen der russischen Rezession

Russlands Wirtschaft weiter im freien Fall: Die Rezession des ersten Quartals hat sich im zweiten noch weiter verschärft. Doch deutsche Unternehmer haben den Glauben an das Riesenreich noch nicht verloren.
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Sank die Wirtschaftsleistung Russlands im ersten Quartal 2015 nur um 2,2 Prozent, waren es im zweiten Quartal schon 4,4 Prozent. Quelle: dpa
Talfahrt

Sank die Wirtschaftsleistung Russlands im ersten Quartal 2015 nur um 2,2 Prozent, waren es im zweiten Quartal schon 4,4 Prozent.

(Foto: dpa)

MoskauLicht am Ende des Tunnels: Trotz eines weiter „schwierigen Umfelds“ haben laut einer Umfrage der Auslandshandelskammer (AHK) deutsche Unternehmer wieder mehr Vertrauen in den russischen Markt. Die Talfahrt der russischen Wirtschaft hat sich gerade beschleunigt: Nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew hat sich der BIP-Absturz von minus 2,2 Prozent im ersten Quartal auf minus 4,4 Prozent im zweiten Vierteljahr forciert. Die Zentralbank, die am Freitag den Leitzinssatz auf elf Prozent senkte, warnte zugleich vor einer möglichen Herabsetzung ihrer ohnehin negativen Jahresprognose (minus 3,2 Prozent).

Die Flaute spüren auch die in Russland tätigen deutschen Unternehmer. Die überwältigende Mehrheit (85 Prozent) der von der AHK Befragten spricht von einer negativen oder leicht negativen Wirtschaftsentwicklung im Land. Die Zahlen bestätigen das: Der deutsche Außenhandel nach Russland ging im ersten Halbjahr um immerhin 34 Prozent zurück.

Wichtigster Grund dafür ist der schwache Rubelkurs, der stark vom Ölpreis abhängig ist. „Die Sanktionen verstärken diesen Trend nur, sie sind nicht der Auslöser“, erklärte AHK-Präsident Rainer Seele die Wirtschaftsschwäche.

Aber es gibt auch positive Anzeichen: Viele Wirtschaftsexperten sehen die Talsohle erreicht, mehrere Institute haben die Gesamtprognose für das Gesamtjahr zuletzt angehoben. Für das kommende Jahr sagen einige Ökonomen sogar wieder bereits ein schwaches Wachstum voraus. Die zu Jahresbeginn galoppierende Inflation hat zuletzt an Tempo verloren und soll 2016 wieder im einstelligen Bereich sein.

Damit steigt auch das Vertrauen der deutschen Wirtschaft wieder: Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro sind in den nächsten Jahren in Russland geplant. Damit soll die Lokalisierung vorangetrieben werden, um russischen Protektionsmaßnahmen zu begegnen.

Immerhin jeder fünfte Unternehmer rechnet bereits für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus. Vor allem hochwertige Konsumgüter, Hochtechnologie, chemische Produkte, Haushaltswaren, Elektrotechnik, Arzneimittel, Medizintechnik und auch Luxusgüter, darunter teure Autos, seien weiter gefragt, erläutert AHK-Sprecher Jens Böhlmann.

Einen signifikanten Rückzug deutscher Unternehmen aus Russland hat es nicht gegeben. Obwohl etwa ein Drittel der Firmen wegen der Krise Personal entlassen hat, bleibt die Gesamtzahl der Unternehmen in Russland mit etwa 6000 konstant.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

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1 Kommentar zu "EU-Sanktionen: Deutsche trotzen der russischen Rezession"

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  • Die für Deutschland schmerhaften Sanktionen gegen Russland sollen Europa von Amerika weiter abhängig machen.

    Wir "kleben" dann Amerika. Super Scheisse ist das !! Weil nur ein unabhängiges Deutschland und Europa ein "freies Deutschland und Europa" ist.

    Die deutschen Lobbyisten in der "Atlantik-Brücke" machen Deutschland zum willenlosen "Arsch-Kriecher" Amerikas.

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