Europäische Zentralbank EZB-Direktorin zweifelt an Anleihekäufen

Die Risiken der Geldschwemme bereiten EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger Sorgen: Es bestehe die Gefahr von Preisblasen, zudem bezweifle sie einen Konjunkturaufschwung durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.
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Die EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger warnt, die Folgen der ultralockeren Geldpolitik könnten zur Bildung von Preisblasen führen. Quelle: Reuters
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Die EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger warnt, die Folgen der ultralockeren Geldpolitik könnten zur Bildung von Preisblasen führen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtWenige Wochen nach dem Start des mehr als eine Billion Euro schweren Anleihe-Kaufprogramms der EZB warnt die deutsche Direktorin Sabine Lautenschläger vor Risiken der Geldschwemme. „Bei den niedrigen Zinsen in der Euro-Zone habe ich Zweifel, ob die konjunkturellen Effekte des Kaufprogramms die gewünschte Größenordnung erreichen können“, sagte Lautenschläger in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der „WirtschaftsWoche“. Zugleich bestehe die Gefahr von Preisblasen und Problemen für Banken als Folge der ultralockeren Geldpolitik und der niedrigen Zinsen.

Nachdem zuletzt führende EZB-Vertreter wie etwa das finnische Ratsmitglied Erkki Liikanen von einem gelungenen Auftakt des Programms gesprochen hatten, stellte Lautenschläger die Wirksamkeit infrage. Die langfristigen Renditen auf dem Anleihemarkt seien im Euro-Raum schon vor dem Programmstart auf einem sehr niedrigen Niveau gewesen. „Die Erfahrungen der USA zeigen aber, dass Käufe von Staatsanleihen umso stärker wirken, je höher die betreffenden Renditen sind“, sagte Lautenschläger.

Die Europäische Zentralbank hatte Anfang März ihr Kaufprogramm gestartet. Die Währungshüter wollen bis September 2016 monatlich Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro erwerben. Mit den Käufen – im Fachjargon „QE“ (Quantitative Easing) genannt – soll die Kreditvergabe der Banken angeheizt und damit die Konjunktur beflügelt werden. Die zuletzt sogar negative Teuerung in der Euro-Zone will die EZB auf diesem Weg wieder in Richtung ihrer Inflationszielmarke von knapp unter zwei Prozent nach oben hieven.

Lautenschläger warnte zudem, die Folgen der ultralockeren Geldpolitik könnten zur Bildung von Preisblasen führen. „Bei niedrigen Zinsen steigt die Gefahr von zu riskantem Anlageverhalten, es können sich leicht Überhitzungen oder Preisblasen in anderen Vermögensklassen bilden“, sagte das EZB-Direktoriumsmitglied. Zudem drohten die niedrigen Zinsen die Reformanstrengungen der Euro-Länder erlahmen zu lassen. Eine expansive Geldpolitik könne aber nur einen Anstoß für mehr Wachstum geben. „Die entscheidenden Impulse müssen von der Wirtschaftspolitik kommen,“ sagte sie.

Im Zuge der aktuell sehr niedrigen Zinsen nehmen Lautenschläger zufolge die Schwierigkeiten mancher Banken in Deutschland zu. Dazu komme, dass hierzulande der Konkurrenz- und Preisdruck zwischen Geldhäusern besonders stark sei. Mittel- und langfristig würden manche Geschäftsmodelle daher in eine kritische Situation geraten. „Wir müssen verhindern, dass Banken allein mit riskanteren Geschäften oder Einsparungen wie etwa mit Stellenabbau im Risikomanagement auf die niedrigen Zinsen reagieren.“ Die Bankenaufsicht reagiere auf gestiegene Risiken in den Bankbilanzen, indem sie zusätzliche Wertberichtigungen oder mehr Eigenkapital fordere. „Außerdem fordern wir, dass Banken ihre internen Kontrollen und das Risikomanagement verbessern, etwa indem sie mehr Personal für diese Aufgaben beschäftigen“, so die EZB-Direktorin.

Lautenschläger, die in der EZB sowohl für die Geldpolitik als auch für die Bankenaufsicht mitverantwortlich ist, plädiert für eine Trennung dieser Bereiche. Sie sei sich bewusst, dass sie in ihrer Brückenfunktion zwischen beiden Bereichen vermitteln müsse. „Langfristig halte ich aber eine Trennung der beiden Aufgaben für die bessere Wahl“, sagte Lautenschläger.

Anleihekäufe: Der Euro wird strapaziert

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7 Kommentare zu "Europäische Zentralbank: EZB-Direktorin zweifelt an Anleihekäufen"

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  • @Herr Metz,
    sie treffen bei mir mit ihrer berechtigten Kritik vollends in`s Schwarze. Was der schlecht Club Med macht ist eine Vergesellschaftung der Schulden. Es sind durch die Hintertür die berüchtigten Euro Bond. Deswegen auch das breite Grinsen in Italien und anders wo.
    Deflation -ein Club Med Hirngespinst. Wenn ich das schon lese - die Banken zu Vergabe von Krediten zu zwingen. Nebenbei, die Kreditvergabe der DB lag 2013 in der Bilanzsumme, und all die Jahre vorher auch, bei ca. 5%.

  • Frau Lautenschläger, eigentlich müssten sie das wissen. Draghi und Co. wie sie immer gehandelt haben, im Dienste ihrer National Staaten. Was meinen sie wohin ein Großteil Geldes fließt? Oder sind sie etwa so naiv zu Glauben, das die Italiener, Franzosen usw jemals einen Cent zurückkaufen?
    Aber wir haben unsere DDR Mutti, die weiß was Sache ist, zumindest in der DDR. Oder war das der Marxismus - Leninimus von dem sie durchdrungen war und deren Freiheit sie predigte.

  • Hallo Herr Schwarz,

    Sie haben sicher recht mit Ihren Ausführungen und das HB hat ja in den letzten Tagen über die Rentenproblematik berichtet. Zuletzt gestern mit dem Interview mit Bernd Rürup.

    Aber das geht ein bisschen am eigentlichen Thema vorbei, denn es geht ja im Kern um die Frage, welche Auswirkungen die Geldschwemme der EZB auf die Realwirtschaft hat. Und da kommen Frau Lautenschläger so einige Bedenken, die ich durchaus teile. Wenn die Institutionen keine klaren Regeln für den Kauf der Bonds machen, werden Banken frei handeln wie sie wollen. Das haben sie bilang immer so gemacht. Nur das führt ins Verderben und deshalb muss es eine Bindung der Zusagen der EZB in Bezug auf den Anleihenaufkauf und der Kreditvergabe der Universalbanken an die Realwirtschaft zwecks Schaffung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums geben. LEISTUNG NUR BEI GEGENLEISTUNG !!!

  • @ Werner Wilhelm
    Nee, ist sie noch nicht. Die sollten endlich auf "Heli" Ben Bernanke hören und die bunten Scheinchen breitflächig für die Masse der Menschen mit dem Hubschrauber verteilen. Der Konsum und die Geldumlaufgeschwindigkeit würden regelrecht explodieren. Reichsbankpräsident Rudolf Havenstein z.B. hat es doch 1922 / 23 schon vorgemacht. Und schwupps, waren auch schnell die "Deflationsängste" verschwunden damals. ;-))
    Sie bezeichen die Alternative dazu "Fiskalpolitik"; man sollte ehrlicher sein und es "Death" nennen (siehe mein früherer Nickname "Inflate or Die") - denn was bedeutet das letztendlich?
    "Es bleibt dem Staat dann nur noch der Ausweg über Bankrott oder Währungsreform. Das aber stellt nichts anderes dar als eine staatlich erzwungene Totalenteignung - also ein Generalbankrott - aller Bürger. Kaum jemand kann sich dem entziehen, weil die Herrschaftseliten die Menschen vermittels des Bestechungssystems Sozialstaat unentrinnbar an den Bankrottanwärter Staat gekettet und in fast vollständige Abhängigkeit gebracht haben. Wer ein Leben lang mit Steuern, Sozialabgaben, Inflation und Währungszerfall geschröpft worden ist, sieht sich nicht mehr in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Fast die gesamte Bevölkerung ist dann von einem Bankrotteur abhängig, der mit Sicherheit scheitern und sie mit in den Abgrund reißen wird."
    http://forum.finanzen.net/forum/Staatsbankrott_und_Konkursverschleppung-t250965?page=0

  • Herr Behrends,

    die Politiker brauchen weder Zinsen noch Kapital. Sie erhalten ja später eine üppige Pension. Jedenfalls interessiert es sich nicht, dass es keine Zinsen für Sparer gibt (sind ja auch nur Renter ohne dicke Pensionen) und immer weiter rückläufige Auszahlungen aus Altersversorgungsprodukten, die schon keine mehr sind. Die Branche hat und wird weiterhin ein massives Problem haben. Verschärft wird dies in der Versicherungsbranche nicht nur durch die niedrigen Zinsen, sondern auch durch die zukünftige demographische Entwicklung und dem LVGR, das dann auch die Vermittler treffen wird, wobei es schon rund 23.000 weniger gibt als noch vor einigen Jahren.
    Aktivitäten im Neugeschäft bei Altersversorgungsprodukten wurden schon bei einigen Versicherern eingestellt. Aber was juckt das die Ägide Politiker und Pensionäre. Und wenn es ein Crash gibt, interessiert es nur marginal.

    Blüm hätte sagen müssen und dann hätte ich ihm geglaubt, eines ist sicher, das ist meine Pension.


  • Solange die EURO-Staaten und die EZB den Aufkauf von Staatsanleihen der Banken nicht davon abhängig machen in welchem Volumen diese (die Banken) Kreditvergaben getätigt haben, solange verpufft die Wirkung in der Realwirtschaft und führt nur zu gigantischen Spekulationen sowie Blasenbildungen an den Börsen.

    Es wäre, politischer Wille vorausgesetzt, denkbar einfach durchzuführen: Du, Bank XYZ, zeigst mir Deine ab Ende Januar 2015 erteilten Kredite an (durch Kopien der unterzeichneten Kreditverträge) und erhältst im Austausch dafür von uns, der EZB, die Möglichkeit Deine Staatsanleihen (Schrottanleihen = junk bonds) an uns zu verkaufen.

    Nur so wird ein Schuh draus! Ansonsten ist es wie jetzt üblich ein Freifahrtsschein mit ungewissem Ausgang. Die Auswirkungen der Finanz- und Schuldenkrise, die ja nicht erst 2008 begann, müssten doch alle hellhörig gemacht haben. Oder muss ich aus der Geldschwemme der EZB folgern, dass inkompetente Politiker weiterhin nichts begreifen ?

  • Sehr gut erkannt von Frau Lautenschläger: Die Geldpolitik ist am Ende und nun ist die hohe Zeit der Fiskalpolitik gekommen. ;-)

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