Exportüberschuss IWF-Chefvolkswirt nimmt Berlin angesichts drohender Handelskonflikte in die Pflicht

Maurice Obstfeld hält die Handelsüberschüsse in Deutschland für höher als das der Weltwirtschaft eigentlich guttäte. Er fordert ein Umdenken.
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Der IWF-Chefvolkswirt befürchtet weitere protektionistische Maßnahmen deutscher Handelspartner. Quelle: AP
Maurice Obstfeld

Der IWF-Chefvolkswirt befürchtet weitere protektionistische Maßnahmen deutscher Handelspartner.

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BerlinIWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld sieht Deutschland mit seinen anhaltend großen Handelsüberschüssen in einer Mitschuld für wachsende Krisengefahren und Handelskonflikte in der Welt.

„Während von der gegenwärtigen Konfiguration übermäßiger Ungleichgewichte keine unmittelbare Gefahr ausgeht, stehen die Weichen auf eine weitere Ausdehnung – und damit auf eine mittelfristige Bedrohung der globalen Finanzstabilität“, schrieb Obstfeld in einem Namensbeitrag für die „Welt“ vom Montag.

Zudem schüre die Hartnäckigkeit der globalen Ungleichgewichte protektionistische Stimmungen. Zu den Ländern mit dauerhaft unerwünscht hohen Überschüssen zählte Obstfeld Deutschland.

Ein hoher Exportüberschuss sei „nicht unbedingt ein Zeichen von Stärke, sondern ein Beleg heimischer Investitionsschwäche und einer Sparquote, die über das hinausgeht, was wirklich notwendig ist“, schrieb der IWF-Chefökonom mit Blick auf die Deutschen.

Zudem riskierten Länder wie Deutschland, mit ihrem hohen Ausfuhrüberschuss „leicht zur Zielscheibe protektionistischer Maßnahmen ihrer Handelspartner zu werden“. US-Präsident Donald Trump hat Deutschland wiederholt massiv wegen der hohen Überschüsse im Handel mit seinem Land kritisiert, dem größten Exportmarkt deutscher Produkte.

Nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder mit anhaltend hohen Defiziten oder Überschüssen im Handel mit Waren- und Dienstleistungen sind nach Obstfelds Analyse das Problem. Er bemängelte, dass die globalen Leistungsbilanzsalden mit rund 3,25 Prozent in den letzten fünf Jahren unverändert hoch ausfielen.

Nach IWF-Analysen seien rund 40 bis 50 Prozent davon „unverhältnismäßig“. Sie konzentrierten sich auf entwickelte Volkswirtschaften. Es gebe Länder mit dauerhaft hohen Überschüssen, wie Deutschland, aber auch mit unverhältnismäßig hohen Defiziten wie die USA und Großbritannien.

Obstfeld kritisierte, dass Länder wie Deutschland „allenfalls zaghafte Maßnahmen“ ergriffen, um ihre Überschüsse zurückzuführen. Deswegen gehe die Entwicklung immer weiter auseinander. „Damit steigt das Risiko von Störungen durch Währungs- und Vermögenspreisanpassungen in verschuldeten Ländern zum Schaden aller,“ warnte er.

Deshalb müssten Überschuss- und Defizitländer gemeinsam am Abbau ihrer unverhältnismäßigen Zahlungsbilanzsalden arbeiten und somit Wachstum und Stabilität in der Welt unterstützen. Deutschland etwa solle seine finanziellen Spielräume nutzen, um mit sinnvollen staatlichen Ausgaben die heimische Nachfrage anzuschieben. Auch höhere Lohnabschlüsse seien wünschenswert.

  • rtr
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1 Kommentar zu "Exportüberschuss: IWF-Chefvolkswirt nimmt Berlin angesichts drohender Handelskonflikte in die Pflicht"

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  • Danke fuer die Empfehlungen, Herr Obstfeld, aber vielleicht sollten Sie sich doch mehr
    auf Empfehlungen fuer Obstfelder spezialisieren. Der Euro ist angeblich fuer die Suedlaender zu teuer und fuer die Nordlaender zu billig. Das heisst fuer mich, er ist genau
    richtig angesiedelt. Der Markt funktioniert. Betr die Suedlaender, entgegen der Behauptungen von Prof (Un)Sinn sind die suedeuropaeischen Laender preislich durchaus
    konkurrenzfaehig. Man nenne mir ein Produkt, das die Italiener nicht verkaufen koennen,
    weil es zu teuer ist? Warum dann Handelsbilanz-Defizit? Es fehlen schlicht die Produkte,
    die das Ausland kaufen moechte. Unsere Autos sind teurer als Fiat, Renault, Citroen, aber
    die Kunden moechten sie haben und zahlen entsprechend dafuer. Das Rezept weniger
    zu exportieren ist also ganz einfach keine Produkte mehr zu entwickeln und herzustellen
    die der Kaeufer gerne haette.

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