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Finanzierungslücken Bundesbank empfiehlt, Renteneintrittsalter an Lebenserwartung zu koppeln

Der demografische Wandel reißt Löcher in die Rentenkassen. Der Vorschlag der Bundesbank: Wer länger Rente bezieht, sollte auch länger arbeiten.
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Rente: Bundesbank empfiehlt Rentenalter von 69,4 Jahren Quelle: imago images / photothek
Rente

Die Bundesbank rechnet mit steigendem Kostendruck in der Rentenversicherung.

(Foto: imago images / photothek)

Frankfurt Die Bundesbank geht von wachsenden Belastungen für die Rentenversicherung und einem steigenden Rentenalter in Deutschland aus. Das geht aus Simulationen in ihrem aktuellen Monatsbericht für Oktober hervor. Als wesentliche Gründe verweist die Bundesbank auf die geringeren Geburtenraten und die steigende Lebenserwartung, die das Rentensystem stark belasten würden.

„Künftig setzt die demografische Entwicklung die Rentenfinanzen unter Druck“, heißt es dazu in dem Bericht. Es werde erwartet, „dass die Lebenserwartung weiter steigt, und es treten die großen Baby-Boom-Kohorten ab Mitte der 2020er Jahre in den Ruhestand“. Um die Lasten aufzufangen, sei mit steigenden Beitragssätzen, einem höheren Bundeszuschuss und einem geringeren Versorgungsniveau zu rechnen.

Die Berechnungen der Bundesbank reichen bis zum Jahr 2070 und basieren auf der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes. Ihre Ökonomen analysieren, wie sich die wachsenden Belastungen für die Rentenversicherung auffangen lassen.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten. So können der Beitragssatz, die Bundeszuschüsse zur Rentenversicherung und das Rentenalter steigen. Aktuell liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent. Das gesetzliche Rentenalter steigt bis zum Jahr 2031 auf 67 Jahre.

Außerdem zahlt die Regierung aus dem Bundeshaushalt einen Zuschuss für die Rentenversicherung, der 2018 bei über drei Prozent der Wertschöpfung lag. Eine weitere Stellschraube ist das Versorgungsniveau. Dieses beschreibt, wie viel eine Standardrente wert ist im Vergleich zu einem Durchschnittseinkommen. Aktuell liegt das Versorgungsniveau bei etwa 48 Prozent und soll mindestens bis 2025 über dieser Marke bleiben.

Die Bundesbank kommt zu dem Fazit, „dass sich die demografischen Lasten kaum überzeugend über einzelne Stellgrößen auffangen lassen.“ Würde beispielsweise das Versorgungsniveau bei 48 Prozent und das Rentenalter bei 67 Jahren bleiben, müsste der Beitragssatz bis 2070 auf 31 Prozent steigen. Außerdem wären deutlich höhere Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt nötig. Nach den Berechnungen der Bundesbank würde der Mehrbedarf für den Etat aus heutiger Sicht etwa sieben Prozentpunkten des regulären Mehrwertsteuersatzes entsprechen.

Wichtig ist aus Sicht der Bundesbank daher, die Lasten breiter zu verteilen. Sie empfiehlt, das Rentenalter durch eine Indexierung mit der Lebenserwartung zu verknüpfen. Die Logik dahinter: Wenn die Menschen älter werden und länger Rente beziehen, müssen sie auch länger arbeiten. Denn auch nach der Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre sei davon auszugehen, dass die Lebenserwartung weiter zunimmt.

Konkret schlägt die Bundesbank vor, das Rentenalter so anzupassen, dass das Verhältnis zwischen Rentenbezugs- und Beitragsjahren stabil bleibt. Die höhere Lebenserwartung führt dann dazu, dass die Menschen länger arbeiten, aber auch länger Rente beziehen.

Längeres Arbeiten nicht für alle möglich

In diesem Szenario würde das Rentenalter bis zum Jahr 2070 auf 69 Jahre und vier Monate steigen – also ab 2032 jedes Jahr durchschnittlich um einen dreiviertel Monat. Auch in diesem Szenario würden der Beitragssatz und die Bundeszuschüsse bis etwa 2040 relativ stark steigen und das Versorgungsniveau sinken. „Der Anpassungsbedarf wäre aber jeweils deutlich geringer als ohne indexiertes Rentenalter“, schreibt die Bundesbank.

„Diese Anpassung des gesetzlichen Rentenalters würde nicht nur die Rentenversicherung entlasten. Sie würde über eine höhere Erwerbstätigkeit auch das gesamtwirtschaftliche Potenzial starken und damit die Bemessungsgrundlagen für Steuern und Sozialbeitrage stützen.“

Ein Problem wäre, dass es nicht für jeden ohne weiteres möglich wäre, länger zu arbeiten. Gerade in in Berufen, die mit hoher körperlicher Anstrengung verbunden sind, wie zum Beispiel bei Dachdeckern, ist dies kaum möglich. Dies sehen die Ökonomen der Bundesbank allerdings nicht grundsätzlich als Hindernis. Vielmehr sei ein angemessener Schutz durch die Erwerbsminderungsrente nötig. Zuletzt sei die Absicherung hier aber spürbar ausgeweitet worden.

Mehr: Ein Journalist erzählt, warum ein längeres Arbeitsleben nötig ist und keine Qual sein muss: ein Sieben-Punkte-Plan für eine faire Rentenreform.

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12 Kommentare zu "Finanzierungslücken: Bundesbank empfiehlt, Renteneintrittsalter an Lebenserwartung zu koppeln"

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  • There is no free lunch. Irgendwo muss das Geld herkommen - entweder man erhoeht die
    Steuern (andere staatl Ausgaben kuerzen waere gut, wird aber nicht passieren) oder
    man erhoeht die Beitraege zur Sozialversicherung. Unabhaengig von dieser Frage muss
    man die Freiberufler in das System einbeziehen. Es geht nicht an, dass ein Freiberufler,
    der nicht vorgesorgt oder der Konkurs geht, dann vom Staat versorgt wird ohne je eine
    Gegenleistung dafuer erbracht zu haben. Meinetwegen kann das auch ueber eine
    obligatorische Privatversicherung erfolgen.

  • Das umlagefinanzierte Rentensystem mss umgestellt werden. Darüberhinaus müssen versicherungsfremde Leistungen, wie z.B. die Mütterrente aus Steuergeldern gezahlt werden. Nur weil man es Rente nennt, ist es keine. Es ist und bleibt eine anderweitige Sozialleistung. Mit anderen Worten, der Staat darf sich nciht willkürlich aus der Rentenkasse bedienen. Es sollte mal ein Blick auf die Versrogungswerke gerichtet werden, die es schaffen, anständige Renten zu zahlen, auch wenn nicht der Höchstsatz an Beiträgen eingezahlt wurde.
    Man könnte auch die staatliche Rente über ein solches Modell finanzieren.
    Der Ruf danach, dass alle in die gesetzliche Rente einzahlen sollen, führt dazu, dass alle im Alter verarmen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Alle zahlen in Versorgungswerke ein, oder wie man es auch immer nennen mag, und erhalten im Alter eine Rente, von der sie leben können.
    Das marode Rentensystem um jeden Preis aufrechtzuerhalten, führt zu kollektiver Altersarmut und dient einzig und allein dazu, Geld zu verbrennen.

  • Das Bild zeigt es überdeutlich, die Frage ist nur wer da wen zur Arbeit begleitet

  • Mit NULLZINSEN und Strafzinsen der EZB, mitverantwortet von der Bundesbank, ist jedes Renten-System zum Scheitern verurteilt, da die Inflation ja nicht bei Null, sondern bei 1,6% liegt, ist der reale Kaufkraftverlust in 20J von 37,4% gegeben.
    Also die Geldentwerter bzw Sparkontenvernichter empfehlen dem normalen Bürger, nachdem sie die Geldentwertung skrupellos hochgetrieben haben süffisant, er soll doch gefälligst länger arbeiten.
    Die RV muß für ihre Rücklagen für 2018 einen Betrag von 54,4 Millionen Euro der Beitragszahler an die Bundesbank, respektive EZB zahlen und dafür sollen die Bürger länger arbeiten. Frecher gehts nimmer.
    EU-weit hat Deutschland das schlechteste Rentensystem mit den niedrigsten Renten und dem höchsten Renteneintritsalter. Gegenüber dem Österischischen Rentner mit 14 Jahresrenten, bei gleichem Beruf(Verdienst) u. Beitragszeit ist der deutsche Rentner dem gegenüber ein Bettler.
    Hinzu kommt die immense Zweckentfremdung der Rentenbeiträge für soziale Wohltaten der Politiker nichts mit der RV zu tun haben. Längere Arbeitszeit bedeutet weniger Rente und mehr Verschwendung/Mißbrauch durch die Politiker.

  • Geld kann man nicht essen, Geld pflegt auch keine Alten und Kranken. Die Alten koennen
    nur in Wuerde alt werden, wenn es genug Juengere gibt, die fuer sie sorgen. Angespartes
    Kapital sei es privat oder in den Versicherungen loest das Problem nicht. Wir muessen, wie auch vorgeschlagen, die Grenze der Arbeitenden nach oben verschieben um eine Versorgung zu gewaehrleisten, und das ist auch moeglich, weil die Aeltern wesentlich besser fit sind als frueher. Ich bin 76, arbeite Vollzeit und sehe mich nicht als "Opfer".


  • Lieber Herr Metz, niedrige Zinsen sind nun einmal Fakt und bleiben Fakt. Daran werden auch Ihre akademisch schwurbeligen Erläuterungen nichts, aber auch gar nichts ändern. Ich lebe lieber in der Realität und verdiene daran. Die Überschüsse werden in Immobilien, Edelmetalle und Fonds investiert. Ist Ihnen das "Wertaufbewahrungsfunktion" genug? Dabei fallen dann auch keine Negativzinsen an. Und äh, Herr Metz, Risterverträge, wer macht denn sowas Bescheuertes? Das war doch damals nur ein Förderprogramm für die Vertriebsbranche. Hat das Zeug tatsächlich jemand gekauft? Also, weniger grübeln und theoretisieren einfach mal gut und gewinnbringend investieren.

  • - Nachtrag -

    Die allererste Voraussetzung, damit eine kapitalgedeckte Rente funktionieren kann, ist ein EHRLICHES Geldsystem - womit wir wieder bei meinem "Steckenpferd" wären.
    Schon immer haben Menschen nämlich auf die denkbar einfachste Art und Weise RÜCKLAGEN - sei es für größere Anschaffungen, sei es für Krankeit und "schlechte Zeiten" oder sei es eben für das Alter - gebildet: nämlich durch das Ansparen von GUTEM Geld. Es wurde eben nicht in durch die Blasenökonomie unserer Gegenwart aufgeblähten Assets oder in hochkomplexen Riesterverträgen, bei denen erst einmal ein Teil der Beiträge als Provision an den Anbieter fließt, gespart.
    Und hier irren selbst einige (Pseudo-)Anhänger meiner Schule, der Austrian Economics, fatal, die nämlich die Wertaufbewahrungsfunktion von (gutem) Geld abstreiten. Sie sehen in Geld einzig und alleine das "allgemein anerkannte Tauschmittel".
    Ja, genau das ist es auch, aber diese (Pseudo-)Anhänger sind zu beschränkt um zu erkennen, dass die "Wertaufbewahrungsfunktion" einzig und alleine eine Unterfunktion der Tauschfunktion ist - nämlich der TAUSCH IN DER ZEIT (im Gegensatz zum Tausch im Raum)!!!
    Richtig ist allerdings, dass mit dem heutigen Fiat Money nicht gespart werden kann, und es daher auch nicht als Fundament für eine kaptalgedeckte Rentenversicherung taugt.

  • Ich finde es im Übrigen bemerkenswert, daß ein Großteil der Deutschen überhaupt kein Problem damit hat, im Alter Sozialhilfeempfänger zu sein. Denn genau das ist der Fall. Die Deutschen: Keine Ahnung von Geldanlage, überlassen alles dem Staat und kaufen Lebensversicherungen an denen nur der Vertrieb und die Versicherungen verdienen. Am Ende stehen sie dann als Habenichtse da. Wow! Dieses Volk ist im Alter echt nicht zu beneiden.

  • Als die damals regierenden Politiker im Zuge der Rentenreform 1957 (Umstellung vom Kapitaldeckungsverfahren auf das Umlageverfahren) bei Ökonomen nachfragten, wie lange denn dieses System halten würde, bekamen sie zur Antwort: "So dreißig bis vierzig Jahre".
    Das genügte den deutschen Nachkriegspolitikern für diesen verheerenden Stimmenkauf zwecks Machterhalt, da sie das Ende entweder gar nicht mehr miterleben würden oder zumindest nicht mehr in der politischen Verantwortung stehen würden.
    Damit kalkulierten sie auch richtig, da selbst der bekannteste deutsche Rentenpolitiker der folgenden Generation Norbert ("Die Rente ist sicher!") Blüm heute nicht mehr in der politischen Verantwortung steht.
    Worum nun handelt es sich bei der Gesetzlichen Rentenversicherung TATSÄCHLICH??
    "... das Umlageverfahren der Gesetzlichen Rentenversicherung ist weder eine "Versicherung" noch ist es "sicher". Es ist ein Kettenbriefsystem - und wie dieses geradezu verbrecherisch. Hier wie dort gehen die Letzten - und das sind stets auch die meisten - leer aus und werden um ihre Beiträge betrogen. Wenn die Zahl der Mitspieler (Beitragszahler) nicht mehr steigt, sondern stagniert oder sogar schrumpft (wovon man in Deutschland mit Gewißheit ausgehen kann), implodiert das System. Dann ist das Spiel vorbei. Am Ende werden unerträglich hohe Beiträge und aberwitzige Steuerzuschüsse zur Rentenversicherung unerträglich niedrigen Hungerrenten gegenüberstehen. Ein verantwortungsloses, aberwitziges und selbstzerstörerisches System." (Roland Baader: Fauler Zauber. Schein und Wirklichkeit des Sozialstaates, Gräfelfing 1997, S. 176)

  • Ich möchte hier ein Beispiel aus den USA heranziehen, dort helfen zumeist ältere Menschen beim Packen der Einkaufstüten und sie machen das, als kleinen Hinzuverdienst, mit sehr viel Würde und ausgesuchter Höflichkeit.
    Die Einschätzung von Herrn Schenk teile ich nicht. Deutschlands Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 4,9% . Hätten es sich im Ruhrgebiet aktuell nicht soviele Langzeitarbeitslose und Frührentner gemütlich gemacht, läge diese Quote sogar niedriger.
    Als Unternehmer findet man in der Realität doch heute schon kaum neue Kräfte und muß die älteren Mitarbeiter bitten, mit der Rente noch zu warten. Immer mehr Menschen werden bei geistiger und körperlicher Fitness immer älter, im Durchschnitt 82 Jahre. Das bedeutet bei einem Eintritt ins Rentenalter mit 62 erhalten diese Menschen 20 Jahre lang eine Altersversorgung. Das ist doch pervers und so hatten sich die Erfinder dieses Systems das auch nicht vorgestellt. Damals ging man nämlich von maximal 10 Jahren Rentenbezug aus.
    Das Rentensystem muß dringend an die demographischen Gegebenheiten angepasst werden. Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre wird schon bald notwendig sein. Den zukünftigen Rentnern kann ich haute schon mitteilen: " Eure Rente ist wahrscheinlich nicht sicher. Sicher ist aber, eure Rente wird nicht reichen.

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