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Gabriel Felbermayr IfW-Präsident betont: „Die deutsche Industrie ist nicht krank“

IfW-Präsident Felbermayr sagt im Interview, dass sich die Industrie neu orientieren muss. Dann werde sie sich auch schnell von ihrer Schwäche erholen.
18.07.2019 - 19:16 Uhr Kommentieren
Die Lohnsteigerungen werden sich abschwächen und in der Industrie werden Arbeitsplätze wegfallen, glaubt der IfW-Chef. Dennoch glaubt er an die langfristige Stärke der deutschen Industrie. Quelle: dpa
Gabriel Felbermayr

Die Lohnsteigerungen werden sich abschwächen und in der Industrie werden Arbeitsplätze wegfallen, glaubt der IfW-Chef. Dennoch glaubt er an die langfristige Stärke der deutschen Industrie.

(Foto: dpa)

Herr Felbermayr, wie schwach ist die deutsche Wirtschaft wirklich? Wird aus der Industrieschwäche eine Rezession?
Die Industrieschwäche wird Auswirkungen haben auf die Gesamtwirtschaft. Die Lohnsteigerungen werden sich abschwächen, in der Industrie werden Arbeitsplätze wegfallen. Das wird auf den Konsum zurückwirken, der sich ebenfalls abschwächen wird.

Wie schlecht geht es denn der Industrie?
Die deutsche Industrie ist nicht krank. Sie muss sich teilweise neu orientieren, vor allem die Autoindustrie. Aber wenn das abgearbeitet ist, wird sie sich auch schnell erholen. Sie hat starke Marken, ist Weltmarktführer in vielen Nischen. Sie agiert aus einer grundsätzlichen Position der Stärke. Ich würde nicht defätistisch sein, nur weil die Industrie kurzfristig schwächelt.

Wie stark trifft uns die Abschwächung der Konjunktur in China?
Wir müssen uns ganz grundsätzlich darauf einstellen, dass die dominante Rolle, die China in den letzten 15 Jahren als Treiber der Weltwirtschaft hatte, auslaufen wird. Auch dort altert die Bevölkerung. Und viele große Infrastruktur-Investitionen – in Flughäfen, in die Bahn, in Straßen – laufen aus. Gelichzeitig ist die Verschuldung in China immens, und die Regierung will sich auf den Binnenmarkt fokussieren und Hightech selbst entwickeln. Die Wachstumsraten werden also von 6,5 Prozent im letzten Jahr über 6,2 Prozent auf unter sechs Prozent zurückgehen.

Wird das unsere Wirtschaft nachhaltig schwächen?
Die größten Leidtragenden ins die Nachbarn in Asien, deren Wirtschaft viel stärker mit der Chinas verflochten ist als unsere. Südkorea und Japan können weniger nach China liefern. Und vor allem Rohstofflieferländer werden die Abkühlung in China zu spüren bekommen. Gleichzeitig sind Schwellenländer wie Indonesien stärker aufgestellt als früher. Mit einer Zahlungsbilanzkrise in Asien müssen wir daher nicht rechnen.

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    Wie stark werden uns denn die Handelskonflikte treffen?
    Die Gefahr ist abgemildert durch die jüngsten Entscheidungen der Notenbanken. Niedrige Zinsen in den USA und Europa helfen auch den Schwellenländern und damit der Weltkonjunktur. Langfristig könnte die Politik des billigen Geldes natürlich notwendigen Strukturwandel bremsen und damit dauerhaft die Wachstumsdynamik. Ein wenig sehen wir diesen Effekt in Europa.

    In den USA läuft die Konjunktur ja besser als erwartet. Sind die Wachstumsraten dort nachhaltig?
    Wir reden uns in Europa ja gerne ein, dass die Trumponomics nur ein Strohfeuer sind. Das stimmt nicht. Wir übersehen, dass der Dollar die Welt-Leitwährung ist. Die USA können sich deshalb fast beliebig verschulden, was für keine andere Volkswirtschaft der Welt jemals möglich wäre. Und Trump wird alles tun, damit die Konjunktur bis zum Wahltag im November 2020 nicht schwächelt.

    Bleiben die USA denn eine Konjunkturlokomotive?
    Die USA sind für Deutschland immer noch der wichtigste Exportmarkt. Allerdings tut Trump viel, dass seine Ankurbelungseffekte möglichst wenig anderen Staaten nutzen. Der Nachfrageeffekt der finanziellen Stimuli auf China und Deutschland ist daher kleiner als früher. Allerdings: Solange es gegenüber Europa bei Zöllen auf wenige Produkte bleibt, kann die deutsche Wirtschaft das verkraften.

    Sogar Autozölle?
    Es wäre natürlich besser, wenn es keine Autozölle gäbe. Aber auch, wenn es sie gäbe, dann würden BMW und VW mehr in den USA produzieren. Für die Erweiterungen der Fabriken würden sie aber wiederum Maschinen in Deutschland kaufen. Deutsche Firmen sind also immer beteiligt.

    Und wie entwickelt sich Europa?
    Momentan schwächelt die europäische Konjunktur wegen der Wachstumsschwäche in Deutschland und Italien. In Frankreich läuft es gar nicht so schlecht, sogar die britische Konjunktur läuft besser als wegen der Brexit-Gefahr zu erwarten wäre. Das Bild ist halt gemischt.

    Herr Felbermayr, vielen Dank für das Gespräch.

    Mehr: Schwellenländer leiden unter Handelskonflikten mehr als Industriestaaten. In Deutschland schwächelt aber die Industrie. Die Rezessionsgefahr steigt.

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