Gefühlte Inflation Preise in Deutschland fallen wie noch nie

Menschen nehmen Preisveränderungen bei Gütern, die sie häufig kaufen, stärker wahr als bei Gütern, die selten gekauft werden. Die gefühlte Inflation in Deutschland weist nun den niedrigsten Wert seit Messungsbeginn auf.
Benzin und Diesel werden von vielen Verbrauchern regelmäßig gekauft. Ihnen fallen Preisveränderungen daher viel stärker auf als bei selten gekauften Waren wie Möbeln und Computern. Quelle: dpa
Ölpreisverfalls

Benzin und Diesel werden von vielen Verbrauchern regelmäßig gekauft. Ihnen fallen Preisveränderungen daher viel stärker auf als bei selten gekauften Waren wie Möbeln und Computern.

(Foto: dpa)

BerlinDie Preise fallen in der Wahrnehmung der deutschen Verbraucher wegen des billigen Öls im Rekordtempo. Die von der Großbank UniCredit ermittelte gefühlte Inflation weist für 2015 ein Minus von durchschnittlich 1,0 Prozent aus, während die offizielle Teuerungsrate bei plus 0,3 Prozent liegt. „Seit Beginn der Berechnungen Mitte der neunziger Jahre gab es noch nie einen schwächeren Wert“, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. „Zudem lag die Rate für die gefühlte Inflation in allen zwölf Monaten im negativen Bereich – auch das gab es noch nie.“ Das bisherige Rekordtief von 0,9 Prozent aus dem Rezessionsjahr 2009 wurde damit unterschritten.

„Grund dafür sind die kräftig gefallenen Kraftstoffpreise“, erläuterte Rees. Benzin und Diesel werden von vielen Verbrauchern regelmäßig gekauft. Ihnen fallen Preisveränderungen daher viel stärker auf als bei selten gekauften Waren wie Möbeln und Computern. Die UniCredit-Experten geben ihnen daher ein stärkeres Gewicht: In die Berechnung für die gefühlte Inflation fließen die Kraftstoffpreise mit zehn Prozent, im amtlichen Warenkorb hingegen nur mit rund vier Prozent ein. Superbenzin verbilligte sich 2015 um zehn Prozent, Diesel sogar um mehr als 13 Prozent. Auch Heizöl, Strom und Gas wurden billiger.

Gute Aussichten für die deutsche Wirtschaft
Wettbewerbsvorteil durch schwachen Euro
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Die Gemeinschaftswährung hat zum Dollar deutlich an Wert verloren. Ökonomen erwarten, dass Euro und Dollar sich weiter annähern werden. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürfte „im Jahresverlauf 2016 zumindest ein Kurs von 1:1 erreicht werden“.

Deutsche Exporteure stehen besser da
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Containerterminal in Hamburg: Von der Euroschwäche profitieren deutsche Exporteure, denn ihre Waren werden auf dem Weltmarkt tendenziell günstiger. Das fängt die schwächere Nachfrage nach „Made in Germany“ etwa aus China teils auf.

Verbraucher haben mehr Geld
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Die niedrige Inflationsrate stärkt die Kaufkraft der deutschen Verbraucher. Denn wer weniger Geld fürs Tanken und Heizen ausgeben muss, hat mehr für den Konsum übrig.

Sparen lohnt sich nicht
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen quasi abgeschafft. Geldanlagen wie Tages- und Festgeld oder Sparbuch werfen kaum noch Rendite ab. Wer weniger spart, gibt tendenziell mehr Geld aus. Das kurbelt den Konsum an.

Der Hausbau ist günstig
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Baukredite sind historisch billig, auch wenn Hypothekenzinsen im Frühjahr noch günstiger waren als zuletzt. Experten sind überzeugt: Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt 2016 hoch. Es wird wohl weiter kräftig in Bauen und Renovieren investiert.

Ölpreis ist niedrig
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Ölfeld in den USA: Der Schmierstoff der Weltwirtschaft hat sich seit Sommer 2015 stark verbilligt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sackte unter die 50-Dollar-Marke. „Die Chancen stehen recht gut, dass der durchschnittliche reale Rohölpreis in den kommenden zehn Jahren bei etwa 60 US-Dollar je Barrel liegen wird“, prognostiziert die Landesbank Hessen-Thüringen.

Dynamik am Arbeitsmarkt
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Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zu früheren Jahren niedrig. Zwar wird wegen der Flüchtlinge absehbar mit steigenden Zahlen gerechnet. Der Arbeitsmarkt sei jedoch „für die anstehenden Herausforderungen gerüstet“, heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit.

Da die Ölpreise seit Jahresbeginn wegen des weltweiten Überangebots zeitweise auf den tiefsten Stand seit 2003 abstürzten, erwartet UniCredit auch für dieses Jahr eine Entlastung der Verbraucher. „Für den Konsum sind das positive Nachrichten“, sagte Rees. „Er bleibt der Wachstumstreiber schlechthin.“ Der Ökonom hält deshalb ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent im laufenden Jahr für möglich. 2015 waren es 1,7 Prozent.

  • rtr
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