Geldpolitik Bundesbank erwartet wieder mehr Wachstum und will am Inflationsziel nicht rütteln

Die Bundesbank prognostiziert in den nächsten Monaten eine Belebung der deutschen Konjunktur. Bestrebungen, das Inflationsziel von etwa zwei Prozent zu ändern, sieht sie skeptisch.
Kommentieren
Die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten könnten aus dem Ruder laufen, meint die deutsche Zentralbank. Quelle: dpa
Bundesbank

Die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten könnten aus dem Ruder laufen, meint die deutsche Zentralbank.

(Foto: dpa)

BerlinDie deutsche Wirtschaft wird der Bundesbank zufolge nach einem schwachen Start ins Jahr voraussichtlich wieder kräftiger wachsen. Ausschlaggebend dafür sei, dass dämpfende Faktoren wie die ungewöhnlich starke Grippewelle im Frühjahr nachließen, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank.

Das Bruttoinlandsprodukt hatte in den ersten drei Monaten nur um 0,3 Prozent zugelegt. Damit halbierte sich das Wachstumstempo gegenüber Ende 2017.

Trotz der erwarteten Belebung der Konjunktur werde das Wachstumstempo „voraussichtlich weiter nicht an die hohen Steigerungsraten des vergangenen Jahres heranreichen“, so die Volkswirte der Bundesbank.

Dies liege vor allem an der zuletzt eher schwunglosen Entwicklung in der Industrie. Der private Konsum dürfte demnach hingegen als wichtige Wachstumsstütze dienen – ebenso wie der boomende Bausektor.

Die Bundesbank hatte am Freitag ihre Prognose für das Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2018 auf 2,0 von 2,5 Prozent nach unten revidiert. Ihre Vorhersage für 2019 und 2020 hob sie dagegen leicht an. Für nächstes Jahr erwartet sie nun ein Wachstum von 1,9 (bisher: 1,7) Prozent und für 2020 von 1,6 (1,5) Prozent.

Die Bundesbank sieht Überlegungen skeptisch, das von vielen Notenbanken angestrebte Inflationsziel von etwa zwei Prozent zugunsten einer höheren Marke aufzugeben. Inflationserwartungen an den Finanzmärkten könnten aus dem Ruder laufen, warnten die Experten der deutschen Notenbank in ihrem Monatsbericht für Juni am Montag.

Im Extremfall würden Erwartungen an den Börsen auch langfristig nicht mit der neuen Zielmarke der Währungshüter übereinstimmen. Der Zentralbank drohe dann ein Glaubwürdigkeitsverlust.

Seit einiger Zeit peilen Zentralbanken weltweit eine Teuerung um die zwei Prozent als optimales Niveau für die Wirtschaft an. So soll ein ausreichender Sicherheitsabstand zu einer gefährlichen Abwärtsspirale bei den Preisen gewährleistet werden – in der Fachsprache „Deflation“ genannt.

Nach der weltweiten Finanzkrise ist aber eine Diskussion entbrannt, ob dieses Ziel noch angemessen ist. So hatten im vergangenen Jahr Volkswirte die US-Notenbank dazu aufgerufen, ein höheres Ziel zu prüfen. Die Federal Reserve bekäme dadurch einen größeren Handlungsspielraum in der Geldpolitik, lauteten ihre Argumente.

„Derzeit spricht vieles dafür, den geldpolitischen Konsens innerhalb der entwickelten Volkswirtschaften in Form einer angestrebten mittelfristigen Teuerungsrate von etwa zwei Prozent pro Jahr nicht zugunsten einer höheren Zielinflation aufzukündigen,“ schreibt die Bundesbank. Sie argumentiert unter anderem damit, dass zum Beispiel Umfragen eine grundsätzliche Abneigung der Öffentlichkeit gegen zu hohe Inflationsraten nahelegen,“ schreiben die Experten der Notenbank.

In Deutschland ist diese Furcht vor einer zu hohen Teuerung nach den Erfahrungen der Hyperinflation von 1923 in Zeiten der Weimarer Republik besonders stark ausgeprägt. Die Geldentwertung hatte damals gigantische Ausmaße angenommen. Die Mark besaß 1923 nur noch ein Billionstel ihres Werts von 1913.

Mit Material von Reuters.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Geldpolitik - Bundesbank erwartet wieder mehr Wachstum und will am Inflationsziel nicht rütteln

0 Kommentare zu "Geldpolitik: Bundesbank erwartet wieder mehr Wachstum und will am Inflationsziel nicht rütteln"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%