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Gemeinschaftsdiagnose Konjunkturinstitute erwarten Einbruch der Wirtschaft – aber schwächer als zuletzt befürchtet

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gehen in ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom stärksten Wachstumseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Sie sehen weitere Risiken.
08.04.2020 Update: 08.04.2020 - 12:22 Uhr 2 Kommentare
Corona: Wirtschaftsweise rechnen mit Rückgang des BIP Quelle: dapd
Hamburger Hafen

Die Auswirkungen der Coronakrise treffen die Wirtschaft hart.

(Foto: dapd)

Berlin Als Folge der Corona-Pandemie bricht die Konjunktur in Deutschland ein. Das haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute jetzt in ihrer Gemeinschaftsdiagnose auch offiziell festgestellt. Die Zahl der Kurzarbeiter werde auf 2,4 Millionen hochschnellen und die Arbeitslosenquote von fünf Prozent 2019 zeitweilig auf 5,9 Prozent steigen. Die Wirtschaftsleistung wird demnach 2020 um 4,2 Prozent einbrechen.

Die Rezession hat bereits im März begonnen: Im 1. Quartal verlor das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 1,9 Prozent. Im 2. Quartal erwarten die Forscher jetzt den großen Corona-Einbruch: 9,8 Prozent soll das BIP zwischen April und Juni verlieren.

Das ist der stärkste jemals gemessene  Quartalswachstumseinbruch, seit Quartalswerte ab 1970 gemessen werden. Und er ist doppelt so groß wie der Einbruch während der Weltfinanzkrise im 1. Quartal 2009. 

Die gute Nachricht in der schlechten Lage: Die massiven Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung werden eine kräftige Erholung ermöglichen. „Wir erwarten, dass die Hilfen eine Insolvenzwelle verhindern werden und der Aufschwung deshalb schnell wieder einsetzen kann“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser in einer Video-Pressekonferenz am Mittwoch. 

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    Für 2021 rechnen die Institute deshalb mit einem kräftigen Wiederaufschwung und einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um dann 5,8 Prozent. Sie gehen davon aus, dass die Infizierten-Zahlen weiter sinken und ab Mitte April die Eindämmung der Pandemie mit Tests und schneller Quarantäne möglich sein wird. Nur dann, betonten sie, könne es zu Lockerungen der Kontaktverbote kommen.

    Grafik

    Das Gutachten der Institute dient der Bundesregierung als Basis für die eigene Konjunkturprognose, auf der wiederum die Steuerschätzung als Basis für die Haushaltsaufstellung beruht. Die Erwartung eines Einbruchs um „nur“ 4,2 Prozent wirkt vor dem Hintergrund etlicher Szenarien-Rechnungen von einigen an der Prognose beteiligten Institute noch äußerst optimistisch.

    Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) etwa hatte in seiner aktualisierten Frühjahrsprognose mit einem Rückgang zwischen 4,5 und neun Prozent gerechnet. Das Ifo-Institut hatte 18 Szenarien der Wirtschaftsentwicklung vorgelegt, die einen Einbruch in diesem Jahr zwischen 5,7 und 20,6 Prozent skizzierten.

    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte vergangene Woche gesagt, dass er einen tieferen Einbruch als während der Finanzkrise 2009 für möglich halte. Damals betrug der Rückgang 5,7 Prozent.

    Große Unsicherheit

    Der Rat der Wirtschaftsweisen allerdings war vergangene Woche in drei Szenarien zur Konjunkturentwicklung zu ähnlichen Rezessionserwartungen wie die Institutsprognose gekommen: Er rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung zwischen 2,8 und 5,4 Prozent in diesem Jahr.

    Das breite Spektrum der Prognosen zeigt dabei eines: Die große Unsicherheit auch der besten Experten darüber, welche Auswirkungen der verordnete Stillstand weiter Teile der Wirtschaft zur Bekämpfung des Coronavirus tatsächlich haben wird. Die Wirtschaftsforscher der Institute Ifo, IfW, DIW, RWI und IWH-Halle haben den gesetzlichen Auftrag, sich auf eine Prognose festzulegen – auch wenn dies aktuell sehr schwierig ist.

    Normalerweise betrachten sie dafür die jüngsten Daten zur Wirtschaftsentwicklung. Nur: Die zeigten für Januar und Februar noch eine Erholung für die zuvor schwächelnde Industrie. Für den Einbruch im März waren die Forscher dann vor allem auf den Ifo-Geschäftsklima-Index angewiesen, einer laufenden Umfrage unter Managern und Unternehmern.

    Der ist laut einem Insider in der zweiten März-Hälfte, nach Veröffentlichung des Monatsindexes, weiter eingebrochen. Hinzu kamen Branchendaten und die Analyse von Medienberichten.

    Die Institute schreiben denn auch selbst, dass mit ihrer Prognose „erhebliche Abwärtsrisiken verbunden sind“. Auf deutsch: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rezession tiefer wird, ist hoch. Wollmershäuser kündigte bereits an, dass in diesem Jahr die Prognosen wohl häufiger korrigiert werden müssten. 

    Längere Ausgangssperren könnten Rezession vertiefen

    Sollten beispielsweise die strengen Ausgangsbeschränkungen auch nach dem 19. April nicht gelockert werden, wird die Rezession wohl tiefer ausfallen. Bei einem Monat Shutdown länger gingen weitere anderthalb Prozentpunkte Wachstum in diesem Jahr verloren, so Wollmershäuser.

    Und auch wenn das Wiederanfahren nicht schnell gelingt, etwa weil in Handelspartnerländern Ausgangssperren bestehen bleiben und Lieferketten reißen, kann die Rezession tiefer werden als in der Finanzkrise.

    Für Deutschland ist es wichtig, dass die Erholung auch in der gesamten EU wieder in Gang kommt: 60 Prozent der Exporte gehen in andere EU-Staaten – die teilweise härter von der Corona-Pandemie getroffen werden als Deutschland.

    Für die Euro-Zone rechnen die Forscher mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,3 Prozent – weil die Rezession besonders stark Italien mit einem Minus von 9,8 Prozent und Spanien mit einem Minus von 7,9 Prozent treffen dürfte. 

    Altmaier will ausländischen Investoren Übernahmen von Unternehmen erschweren

    Deutschland werde trotz des tiefen Einbruchs vergleichsweise gut durch die Krise kommen. Auch die milliardenschweren Hilfsprogramme werden nach Auffassung der Forscher die Stabilität der Staatsfinanzen nicht gefährden – auch wenn der Schuldenstand jetzt von knapp unter 60 Prozent kurzfristig auf 70 Prozent des BIP hochschnellen werde. Wenn aber der Aufschwung einsetzt, werde er 2021 wieder auf 64 Prozent sinken. 

    Harte Sparprogramme halten die Wissenschaftler daher nicht für nötig – einen sanften Konsolidierungskurs allerdings schon: Die Lasten der Krise müssten über das Steuersystem so verteilt werden, dass die starken Schultern mehr tragen als die schwachen, so die Forscher.

    Mehr: Der ehemalige IWF-Chefökonom spricht über die Folgen der Corona-Pandemie. Für die Schwellenländer fordert Kenneth Rogoff einen Schuldenaufschub.

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    2 Kommentare zu "Gemeinschaftsdiagnose: Konjunkturinstitute erwarten Einbruch der Wirtschaft – aber schwächer als zuletzt befürchtet"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Derzeit kochen alle mit Wasser auch Ifo-Institut und Co., weil diese Situation noch nie da war, daher ist es für die allgemeinen Stimmung wenig förderlich immer und immer wieder die Jammersuppe neu aufzukochen.

      Die Menschen möchten Perspektiven, Hilfestellungen und Lösungen, wie sie mit der Krise umgehen sollen.
      Das Schlechtreden der aktuellen Situation verstärkt im Zweifel nur eine rezessive Phase, auch wenn Corona-Artikel derzeit am besten geklickt werden.

      Tages- und Wirtschaftspresse haben auch eine gesellschaftliche Verantwortung.

    • mal überlegen........
      Am Ende des 2. Weltkrieges war die deutsche Wirtschaft dem. Erdboden gleich gemacht.
      Wieso soll der zu erwartende Einbruch noch stärker sein?

      Wollen einige Ökonomen bereits jetzt schon das mögliche spätere Versagen einiger Vorstände entschuldigen?
      Zitat: Glück ist eine Oase, die zu erreichen
      nur träumenden Kamelen gelingt. Beduinenweisheit

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