Geschäftsklima Der Abschwung ist abgesagt – vorerst

Die Wirtschaftsaussichten in Deutschland haben sich laut Ifo-Umfrage in der Hitze des Sommers aufgehellt, weil der Handelskrieg mit den USA ausgeblieben ist.
Update: 27.08.2018 - 13:15 Uhr Kommentieren

Stabilisierung in Sicht? – Deutsche Wirtschaft steigt auf Sommerhoch

BerlinNeun lange Monate prägte Zukunftsangst den Blick von Unternehmern und Managern auf die Wirtschaftsentwicklung. Ja, aktuell ist unsere Lage sogar hervorragend, antworteten die Führungskräfte von 9000 Firmen Monat für Monat den Konjunkturexperten des Ifo-Instituts. Um dann ein großes Aber nachzuschieben: Ihre Zukunftsaussichten malten die Befragten in ziemlich düsteren Farben.

Jetzt, im Hochsommer, hellt sich die Stimmung spürbar auf. Der Ifo-Index stieg von 101,7 auf 103,8 Punkte und damit stärker erwartet. „Die Wirtschaft erlebt ein Sommerhoch“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Nicht nur die aktuelle Lage beurteilen die Firmenlenker noch positiver als zuvor, sie blicken endlich auch wieder optimistisch in die Zukunft.

Das hat eine Ursache: Der von US-Präsident Donald Trump angedrohte Handelskrieg mit Zöllen womöglich auch auf Autos ist abgesagt, seit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Juli Trump besuchte. Vor allem die Automobilbranche fasste im August neuen Mut, aber auch andere Industriebranchen blicken optimistisch in die Zukunft und planen, ihre Produktion auszuweiten.

„Auch dass die beiden wirtschaftlichen Supermächte USA und China Handelsgespräche führen, dürfte bei den deutschen Firmenlenkern positiv aufgenommen worden sein“, erklärte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. „Damit zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab.“ Und selbst zwischen den USA und Mexiko gab es jüngst versöhnliche Zeichen im Streit über die Nordamerikanische Freihandelszone Nafta.

Die im Frühjahr von den meisten Konjunkturbeobachtern vorausgesagte Abkühlung in der zweiten Jahreshälfte erwartet das Ifo nun nicht mehr, jedenfalls nicht im 3. Quartal. „Die aktuellen Zahlen deuten auf ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent im dritten Quartal hin“, sagte Fuest.   

Es bliebe damit so stark wie im zweiten Quartal. Das Statistische Bundesamt hatte bereits vor zwei Wochen festgestellt, dass die relative Flaute in den ersten beiden Monaten 2018 offenbar schon im März endete: Die zunächst gemeldete unerwartet schwache Wachstumsrate von 0,3 Prozent korrigierten die Statistiker auf 0,4 Prozent.

Entwarnung wollten die meisten Bankenvolkswirte am Montag noch nicht geben: Wenn es nach neun Monaten der Skepsis einmal gut laufe, müsse das keine Trendwende sein. „Eine Trendwende wird traditionell erst nach drei Anstiegen in Folge diagnostiziert", sagte Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank LBBW.

Zudem schwelt der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter: Deutsche Firmen, die in beide Länder exportieren, könnten zwischen die Stühle geraten. Und wenn die Brexit-Szenarien so düster bleiben sollten, und Trump vielleicht doch demnächst wieder neue Konflikte anzettelt, wäre der Optimismus in der deutschen Wirtschaft wohl schnell wieder vorbei.

Am allerbesten läuft es am Bau

Dank der kräftigen Binnenkonjunktur und dem Ausbleiben des Handelskriegs geht es aber aktuell der gesamten deutschen Wirtschaft gut. Nicht nur die Produzenten, auch die Dienstleister sind überaus zufrieden und blicken so optimistisch in die Zukunft wie zuletzt im Juni 2009, als sich ein Ende der Finanzkrisenrezession abzuzeichnen begann.   

Am allerbesten läuft es am Bau. Die Bauunternehmer sind noch zufriedener mit  ihrer aktuellen Lage – und deutlich optimistischer für das kommende halbe Jahr als vor einem Monat.

Die Ifo-Konjunkturexperten um Klaus Wohlrabe erwägen im Rückblick auf die ersten acht Monate, ob sie ihre Jahresprognose für 2018 nicht doch wieder anheben.

Zum Jahreswechsel hatten die Institute für 2018 mehrheitlich mit 2,2 bis 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum gerechnet, im April und Mai diese Zahl auf 1,8 bis 1,9 Prozent gesenkt. Am Ende könnte womöglich die Bundesregierung recht behalten: Sie erwartet eine Wachstumsrate von 2,3 Prozent für dieses und 2,1 Prozent für das nächste Jahr.

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