Gewinn von 2,95 Milliarden Euro Schäuble kassiert weniger Bundesbank-Milliarden

Die gesunkenen Leitzinsen haben den Bundesbank-Gewinn 2014 deutlich schrumpfen lassen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann überweist knapp drei Milliarden Euro an das Finanzministerium – deutlich weniger als im Vorjahr.
Update: 12.03.2015 - 11:21 Uhr 9 Kommentare

Der große Streit um die Geldpolitik der EZB

Frankfurt/MainWegen der immer niedrigeren Zinsen hat die Deutsche Bundesbank im vergangenen Jahr weniger Überschuss erzielt. So fällt die Milliarden-Überweisung der Bundesbank für den Haushalt von Finanzminister Wolfgang Schäuble diesmal schmaler aus. 2014 lag der Gewinn bei 2,95 Milliarden Euro, nach 4,59 Milliarden im Jahr davor, wie die Bundesbank am Donnerstag mitteilte.

Die Wagnisrückstellung bleibe mit 14,4 Milliarden Euro unverändert hoch, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Denn unter anderem würden sich durch das große Anleihen-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) zusätzliche Kreditrisiken ergeben. In den vergangenen Jahren hatte die Bundesbank die Wagnisrückstellung wiederholt aufgestockt. Wegen der Leitzinssenkungen der EZB im Juni und September kündigte Weidmann zudem auch für 2015 ein rückläufiges Jahresergebnis an. Die EZB verlangt seit geraumer Zeit nur noch einen minimalen Leitzins von 0,05 Prozent.

Immerhin kann Schäuble überhaupt mit einer Milliarden-Finanzspritze rechnen. Dass die Überweisung der Bundesbank keine Selbstverständlichkeit ist, haben die Jahre 2011 bis 2013 gezeigt. Von 2011 bis 2013 hatte Weidmann wegen der Euro-Krise einen Großteil ihres Gewinns als Sicherheitspuffer selbst einbehalten. Während 2010 noch ein Gewinn von 2,2 Milliarden Euro in der Zentralbankbilanz stand, überwies die Bundesbank ein Jahr später nur noch 643 Millionen Euro an Schäuble. Auch 2012 fiel der Überschuss mit 664 Millionen Euro vergleichsweise gering aus.

Wichtigste Quelle des Bundesbankgewinns waren im vergangenen Jahr trotz Leitzinsen auf Rekordtief die Zinserträge. Allerdings sank der Nettozinsertrag binnen Jahresfrist von 5,6 Milliarden auf 3,1 Milliarden Euro.

Weidmann bekräftigte seine Bedenken bezüglich des EZB-Programms zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Damit würden Finanzpolitik und Geldpolitik noch stärker miteinander verwoben: „Die Motivation der Mitgliedstaaten für weitere Haushaltskonsolidierungen und Reformmaßnahmen könnte abnehmen, wenn sich die Länder an die sehr günstigen Finanzierungsbedingungen gewöhnen sollten.“

Vorwürfe aus Griechenland, die europäischen Notenbanken würden dem schuldengeplagten Land nicht ausreichend helfen, wies Weidmann zurück. Es sei Aufgabe der Regierungen und Parlamente zu entscheiden, ob sie bereit seien, die Griechenlandrisiken weiter auszuweiten und den Finanzbedarf des griechischen Staates zu decken: „Ich sehe diese Aufgabe weniger denn je beim Euro-System.“

  • dpa
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9 Kommentare zu "Gewinn von 2,95 Milliarden Euro: Schäuble kassiert weniger Bundesbank-Milliarden"

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  • @ Herrn Elbers

    Zu Ihrer Frage: ja.

    Zu Ihren Posts: Es geht auch auf deutsch:

    32.5. Die Summe der monetären Einkünfte der nationalen Zentralbanken wird vorbehaltlich etwaiger Beschlüsse des EZB-Rates nach Artikel 33.2 unter den nationalen Zentralbanken entsprechend ihren eingezahlten Anteilen am Kapital der EZB verteilt.

  • "EZB nur in Höhe der jährlich angefallenen Gewinne in Anspruch genommen werden."

    Sicher? ;)

    against the monetary income of the relevant financial year in proportion and up to the amounts allocated to the national central banks in accordance with Article 32.5.

    32.5

    The sum of the national central banks' monetary income shall be allocated to the national central banks in proportion to their paid up shares in the capital of the ECB , subject to any decision taken by the Governing Council pursuant to Article 33.2

  • Die Wagnisrückstellungen der Deutschen Bundesbank haben nichts mit den Risiken zu tun die von der EZB ausgehen. Laut Artikel 33 Protokoll Nr. 4 der EZB Satzung kann die Deutsche Bundesbank für Verluste der EZB nur in Höhe der jährlich angefallenen Gewinne in Anspruch genommen werden.

    https://www.ecb.europa.eu/ecb/legal/1341/1343/html/index.de.html

  • "Schäuble kassiert weniger Bundesbank-Milliarden"

    So kann man es auch nicht sehen. Der Bundesfinanzminister hat bereits durch die Nullzinspolitik der EZB vorab Milliarden Euros kassiert, die sie unter normalen Bundesbank-Verhältnissen vorher als Zins hätte aufbringen müssen. Dass aufgrund dieser Politik der EZB die Bondkurse durch die Decke gingen, ist noch einmal ein anderer Fall. Würde man die jetzt auch noch an den Bund ausschütten, würde man die ganze Perversion der EZB-Politik gleich durchschauen.

    Es geht also nicht um die Ausschüttung an den Bund, sondern um die Hirnrissigkeit der EZB-Zinspolitik. Sachlich ist es der größte Kapitaltransfer von "Unten" nach "Oben". Die größte soziale Ungerechtigkeit, die sogar die Agenda 2010 in den Schatten stellt.

  • "Sie wird sie für anstehende Verluste benötigen. "

    In der Tat. Weidmann ist gut beraten, wenn er den Risikopuffer weiter hochfährt. Eigentlich sollte unter gegenwärtigen Bedingungen überhaupt kein Gewinn ausgeschüttet werden.

  • es sollte beendet heißen

  • Na hoffentlich, dann wird dieser Griechenland-Irrsinn vielleicht endlich benedet, aber bis dahin haben wir eh nichts mehr an Vermögen.

  • die Bundesbank sollte die Gelder einbehalten. Sie wird sie für anstehende Verluste benötigen.

  • "deutlich weniger als im Vorjahr. "

    Wenn die Bundesbank auch noch Papiere mit negativer Rendite Aufkauft, dann kommt vielleicht sogar ein Verlust heraus... ;)

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