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Konjunktur

Während Ökonomen noch Anfang 2018 euphorisch auf die deutsche Wirtschaft blickten, dominiert aktuell die Furcht vor einem Einbruch.

(Foto: Mauritius)

Gewinnwarnung für Deutschland Wie geht es mit der deutschen Wirtschaft weiter? – Fünf Faktoren sind entscheidend

Die heimische Wirtschaft startet mit großen Sorgen ins neue Jahr. Die meisten Ökonomen glauben zwar an ein solides Wachstum, doch die Liste mit Unwägbarkeiten ist lang.
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Berlin, Frankfurt, Stuttgart Kurz nach Neujahr befeuert Apple-Chef Tim Cook die weltweiten Konjunktursorgen: „Wir haben die Stärke der wirtschaftlichen Abwärtsbewegung unterschätzt, vor allem in China“, hat Cook als Begründung für seine Umsatzwarnung am Mittwochabend an Investoren geschrieben.

Wirkt also der Handelskrieg zwischen den USA und China mit seinen Strafzöllen bereits wachstumsdämpfend? Das zuvor wenig beachtete rückläufige Wachstum in China, bisher Treiber der Weltwirtschaft, rückte sofort auf der Liste der Konjunktursorgen nach oben.

Der Kontrast könnte größer kaum sein: Während sich Ökonomen Anfang 2018 mit euphorischen Wachstumsprognosen für Deutschland überschlugen, dominiert aktuell die Furcht vor einem Einbruch der Konjunktur. „Die Sorgen sind berechtigt“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest zu Berichten darüber, dass China als Antreiber der Weltwirtschaft in diesem Jahr wahrscheinlich ausfällt.

Das Weltwirtschaftsklima wird erkennbar rauer. „Zur Panik besteht aber kein Anlass“, urteilt Fuest im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Ifo-Institut prognostiziert für 2019 nur ein Wachstum von 1,1 Prozent für die deutsche Wirtschaft – nach 1,5 Prozent im abgelaufenen Jahr.

Eine Mehrheit der Ökonomen weissagt für 2019 sogar noch eine sehr solide Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um anderthalb Prozent. Jedoch hängt an den Vorhersagen ein langer Beipackzettel über die Risiken, die das Wachstum der exportabhängigen Wirtschaft bedrohen.

Selbst der Mittelstand blickt zu Jahresbeginn laut einer aktuellen Umfrage nicht mehr optimistisch in die Zukunft. „Deutschland ist als Exportnation eng mit anderen Ländern verflochten. Von daher wäre ein stark nachlassendes Wachstum in China in der Tat Anlass zur Sorge“, sagt der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt.

Fast einziger Lichtblick sind die Binnenkonjunktur und die gute Lage am Arbeitsmarkt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet deshalb 2019 mit dem zehnten Aufschwungjahr in Folge.

An diesen fünf Faktoren entscheidet sich, ob 2019 ein gutes oder ein schlechtes Wirtschaftsjahr wird:

1. Handelskrieg

Der Handelskrieg, den US-Präsident Donald Trump vor allem mit China angezettelt hat, zeigt erste Auswirkungen auf Lieferketten und Handelsströme. Der versprochene Gewinn für die US-Wirtschaft sind die Strafzölle aber wohl nicht: Die US-Autoindustrie klagt über teure Vorprodukte und begründet damit rückläufige Absatzzahlen und Entlassungen.

In den USA wachsen Sorgen, dass der Boom, angeheizt durch Trumps Steuerreform, im Handelsstreit schnell auslaufen könnte. Die Ursache für die Absatzprobleme Apples und womöglich auch anderer Exporteure allerdings sieht die Konjunkturexpertin Lauren Johnston vom Mercator Institute for China Studies (Merics) nicht allein im Handelsstreit.

„Es gibt Gründe für einen generell rückläufigen Wachstumstrend in China“, sagte sie dem Handelsblatt. Die massiven Investitionen in Infrastruktur zum Beispiel, die 2017 um 19,8 Prozent zulegten, wuchsen im letzten Jahr nur um 3,3 Prozent. Die bisherige Strategie, so das Wachstum anzukurbeln, stoße an Grenzen. In diesem Jahr erwartet der IWF nurmehr ein Wachstum in China von 6,2 Prozent nach 6,7 Prozent 2018.

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2. Europa

Christoph Schmidt, der Chef der Wirtschaftsweisen, und Ifo-Präsident Clemens Fuest sind sich einig: Das kurzfristig größte Konjunkturrisiko für Deutschland ist der Brexit. „Ein harter Brexit würde den Handel zwischen Großbritannien und der EU erheblich beeinträchtigen“, sagte Fuest dem Handelsblatt. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt für diesen Fall, dass das deutsche BIP um 0,5 Prozent schwächer ausfällt als ohne Brexit.

Ein sanfter Brexit würde dagegen nur ein siebtel Prozent Wachstum kosten. Ein wenig in den Hintergrund gerückt ist die Sorge um Italiens Schulden. Sie kann aber bei jedem neuen Konflikt Italiens mit der EU-Kommission schnell wieder aufflammen.

Die Angst vor internationalen Risiken schlägt inzwischen auch auf den lange optimistischen Mittelstand durch. Die Auftragsbücher sind zwar noch gut gefüllt. Das aktuelle KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer signalisierte gedämpfte Geschäftserwartungen. Sie liegen nun mit minus 1,4 Saldenpunkten erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder leicht unter dem langjährigen Durchschnitt.

Der Maschinenbauer Voith ist in seiner Prognose entsprechend vorsichtig. „Beim Konzernumsatz erwarten wir eine leichte Steigerung“, sagt der neue Voith-Chef Toralf Haag.

Auch Zeiss-Chef Michael Kaschke sieht die Lage skeptisch. „Das Wirtschaftswachstum geht derzeit sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern zurück, und die Risiken im Welthandel steigen mit zunehmenden Handelshemmnissen“, so seine jüngste Lageeinschätzung. Zeiss selbst peilt sechs Milliarden Euro Umsatz an und profitiert von einer neu entwickelten Technologie für die Herstellung der nächsten Chipgeneration.

3. Innovationen

Mittelständler, die nicht mit solch bahnbrechenden Innovationen aufwarten können, werden es dagegen schwer haben, sich von einer abklingenden Weltkonjunktur abzukoppeln.

Es ist daher nur scheinbar ein guter Befund: Deutschland hat es im jüngsten Innovationsranking des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) auf Platz vier von 35 untersuchten Volkswirtschaften geschafft. Doch mit einer beunruhigenden Tendenz: Der „Abstand zur Spitzengruppe wächst“, heißt es in der Studie. Singapur, die Schweiz und Belgien könnten ihren Vorsprung ausbauen. Und von hinten rücken die Verfolger dichter heran.

Nur ganz knapp konnte sich Deutschland vor Schweden, den USA und Großbritannien behaupten. „Das kontinuierlich schlechtere Abschneiden im Innovationswettbewerb ist Anlass zur Sorge“, warnte BDI-Präsident Dieter Kempf. Vor allem gebe es Schwächen bei der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen.

Die Bundesregierung hat den Handlungsbedarf zumindest erkannt. Die Umsetzung der beim Digitalgipfel angekündigten Investitionen in Künstliche Intelligenz und zum Aufbau der neuen 5G-Mobilfunknetze wird entscheidend für künftiges Wachstum sein.

4. Investitionen

Die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten Monate haben nach der letzten Unternehmensumfrage des Ifo-Instituts ins Negative gedreht. „Das drückt üblicherweise auf die Investitionsneigung“, schreiben die Ökonomen der Deutschen Bank in ihrem skeptischen Jahresausblick.

Allerdings fügen sie hinzu, dass die Unternehmen bisher relativ zur hohen Kapazitätsauslastung eher wenig investiert hätten und es zudem erhöhten Investitionsbedarf im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Produktion gebe. „Das sollte die Investitionen stabilisieren.“

Im Ergebnis kommen die Prognostiker der Bank und die insgesamt etwas optimistischeren des RWI-Instituts auf die gleiche Zunahme der Ausrüstungsinvestitionen von 2,7 Prozent in diesem Jahr, nach geschätzt über vier Prozent 2018. 

Der Boom bei den Bauinvestitionen wird weitergehen, sind sich die Analysten mit den Institutsökonomen einig, sodass die Wachstumsrate der privaten Investitionen insgesamt nur leicht auf knapp unter drei Prozent zurückgehen werde: Das sind eher ermutigende Aussichten für weiteres Wachstum.

5. Arbeitsmarkt

Die große Konjunkturstütze bleibt in diesem Jahr die Binnenkonjunktur. Seit 2004 kennt die Beschäftigung in Deutschland nur eine Richtung: nach oben. Und die Arbeitsmarktforscher sind sich einig, dass das 2019 so bleibt – wenn auch mit nachlassender Dynamik. 44,8 Millionen Erwerbstätige zählte das Statistische Bundesamt im Durchschnitt des vergangenen Jahres, so viele wie nie seit der Wiedervereinigung.

Das Münchener Ifo-Institut, das für das Handelsblatt monatlich exklusiv ein Beschäftigungsbarometer berechnet, prognostiziert für das laufende Jahr einen weiteren Anstieg auf knapp 45,4 Millionen Erwerbstätige. Allerdings wird es 2019 nicht ganz so dynamisch weitergehen wie in den zurückliegenden Jahren.

Dafür gibt es einen einfachen Grund: „Das größte Risiko für den deutschen Arbeitsmarkt sind Fachkräfteengpässe“, sagt Andrea Hammermann, Arbeitsmarktexpertin beim Institut der deutschen Wirtschaft.

Der Jobboom der vergangenen Jahre hat selbst mit zu einer Stabilisierung der Konjunktur beigetragen. Denn das Beschäftigungswachstum und kräftige Lohnerhöhungen haben die privaten Konsumausgaben in den vergangenen Jahren stark steigen lassen.

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