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HDE-Konsumbarometer Zweite Welle drückt die Kauflaune

Angesichts der steigenden Infektionszahlen sinkt die Kauflust der Deutschen. Vor allem Bekleidungsgeschäfte trifft die Krise – es droht eine Pleitewelle.
02.11.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
In stärker von der Pandemie betroffenen Städten ist die Mobilität und damit auch der Konsum zuletzt gesunken. Quelle: dpa
Leere Innenstadt von Oberhausen

In stärker von der Pandemie betroffenen Städten ist die Mobilität und damit auch der Konsum zuletzt gesunken.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die rasant steigenden Covid-19-Fallzahlen haben in vielen Regionen in den vergangenen Wochen dazu geführt, dass die Mobilität der Menschen spürbar zurückgegangen ist – auch ohne Lockdown.

Laut einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamts auf Basis anonymisierter Handydaten sank die Mobilität in jenen Landkreisen und kreisfreien Städten, die in der 43. Kalenderwoche (19 -25. Oktober) eine kritische Sieben-Tage-Inzidenz aufwiesen, gegenüber der 38. Kalenderwoche um zwölf Prozent.

In weniger stark von der Pandemie betroffenen Regionen sei die Mobilität wegen anderer Faktoren wie etwa des Wetters lediglich um sechs Prozent und damit etwa halb so stark zurückgegangen, so die amtlichen Statistiker. Angesichts des ab Anfang November verordneten Lockdowns dürfte die Mobilität ab dieser Woche deutschlandweit spürbar weiter sinken.

Und Verbraucher, die vermehrt zu Hause bleiben, beabsichtigen meist auch, weniger zu konsumieren. Daher ist es kaum verwunderlich, dass das HDE-Konsumbarometer jetzt seinen fünfmonatigen Höhenflug beendet hat und knapp unter das Niveau von August rutschte.

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    Das Barometer notiert nun bei 98,09 Zählern. Die repräsentative Verbraucherbefragung zur Berechnung des Indikators fand vom 21. September bis 18. Oktober statt, also zu einem Zeitpunkt, als ein zweiter Lockdown noch kein Thema war – ein weiteres Abrutschen der Stimmung im kommenden Monat scheint daher wahrscheinlich.

    Starker Rücksetzer der Konjunkturerwartungen der Verbraucher

    Das HDE-Konsumbarometer bildet die Konsumstimmung ab, die sich im Verbrauch der kommenden drei Monate niederschlägt. Es basiert auf mehreren Einzelindikatoren, die entsprechend ihrer Bedeutung gewichtet in den Index einfließen. Der Index wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute (HRI) für den Handelsverband HDE berechnet.

    In der neuen Auswertung für November ergab sich ein starker Rücksetzer der Konjunkturerwartungen der Verbraucher. Weniger ausgeprägt war der Rückgang der Einkommenserwartungen sowie der Anschaffungsneigung.

    Die Sorge vor Corona könnte das Weihnachtsgeschäft ins Internet verlagern. Quelle: dpa
    Einkauf vor Heiligabend

    Die Sorge vor Corona könnte das Weihnachtsgeschäft ins Internet verlagern.

    (Foto: dpa)

    Damit scheint ungewiss, wie sich das Weihnachtsgeschäft entwickeln wird. Stützend dürfte das Auslaufen der Umsatzsteuersenkung zum Jahreswechsel wirken, wodurch insbesondere langlebige Konsumgüter ab Januar wieder merklich teurer werden dürften.

    Dämpfend dürften hingegen die Angst vor Ansteckung in den Geschäften sowie die bei vielen im Dienstleistungssektor Beschäftigten wieder aufkeimende Angst vor Arbeitsplatzverlust wirken. Vermutlich dürfte auch im Weihnachtsgeschäft viel Umsatz in den Onlinehandel fließen.

    Der Internet- und Versandhandel gilt ohnehin als großer Gewinner der Krise. Während in den ersten drei Quartalen des Jahres der gesamte Einzelhandel ein reales Umsatzplus von 3,3 Prozent erzielte, legte der Internet- und Versandhandel im selben Zeitraum um 21 Prozent zu.

    Pleitewelle scheint wahrscheinlich

    Großer Verlierer ist der Bekleidungseinzelhandel. Für die Händler mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren errechneten die amtlichen Statistiker einen realen Umsatzrückgang um 23,5 Prozent binnen neun Monaten.

    Annähernd halb so hoch war das Minus im „sonstigen Einzelhandel mit Waren verschiedener Art“, zu dem Waren- und Kaufhäuser zählen. Trotz des zu erwartenden Rekordumsatzes im gesamten Einzelhandel dürfte der Beginn einer Pleitewelle in den Innenstädten also nur eine Frage der Zeit sein.

    Noch vor zwei Wochen hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betont: „Unsere Innenstädte sind ein wichtiger Teil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und unseres Wirtschaftsstandortes. Sie sollen wieder Lieblingsplätze für die Menschen werden.

    Digitalisierung und die Schaffung von Erlebnisräumen mit Kultur und Gastronomie sind aus meiner Sicht entscheidende Faktoren für lebendige Innenstädte.“ Nun ist vieles davon wieder geschlossen, manches sogar vielleicht für immer.

    Mehr: Was Deutschland bei der Bekämpfung von Corona von anderen Staaten lernen kann.

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