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HRI-Frühjahrsprognose Handelsblatt Research Institute erwartet Ende des Aufschwungs

Das HRI hat seine Konjunkturerwartungen deutlich nach unten revidiert und rechnet nicht mit einer baldigen Rückkehr der deutschen Wirtschaft zu alter Stärke.
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Die Schwächephase der deutschen Wirtschaft wird noch andauern Quelle: picture alliance / Yu Fangping/I
Warenumschlag im Hafen von Qingdao im Osten Chinas

Viele belastende Faktoren für die deutsche Wirtschaft – so auch die chinesische Industriepolitik.

(Foto: picture alliance / Yu Fangping/I)

DüsseldorfDer Aufschwung in Deutschland ist etwas überraschend zum Erliegen gekommen. Was im Sommer noch wie eine temporäre Delle wirkte, entwickelte sich zu einer veritablen Schwäche der deutschen Industrie, des Herzstücks der deutschen Volkswirtschaft. Die jüngst für den Januar veröffentlichten Daten zu Aufträgen, Produktion und Exporten weisen darauf hin, dass diese Schwächephase noch andauert.

„Angesichts der diffusen Lage kann es sicher nicht schaden, wenn Regierung und Wirtschaft über Notfallpläne für eine Rezession nachdenken“, sagt Bert Rürup, der Präsident des Handelsblatt Research Institutes (HRI). Derzeit kommt eine ganze Reihe von belastenden Faktoren für die deutsche Volkswirtschaft zusammen.

Die allgemeinen Sorgen über die Zukunft des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs trüben die Stimmung der Unternehmen und damit den Welthandel. Dies gilt besonders für Deutschland. Keine andere große Volkswirtschaft ist ähnlich stark in internationale Wertschöpfungsketten integriert wie die deutsche. Und keine andere Volkswirtschaft ist ähnlich stark exportorientiert.

In den USA hat sich das Wachstum ebenfalls spürbar verlangsamt. Die Sondereffekte durch die von Präsident Donald Trump initiierten Steuersenkungen laufen langsam aus, zugleich leiden immer größere Teile der Wirtschaft unter dem von ihm angezettelten Zollstreit.

Aber zumindest die Notenbank Federal Reserve, die jüngst ihre Wachstumsprognosen senkte, ist wachsam: So hat sie die eigentlich für dieses Jahr geplanten Zinserhöhungen auf Eis gelegt. An den Finanzmärkten werden sogar bereits Zinssenkungen zum Jahresende 2019 eingepreist.

China dagegen stemmt sich mit einem massiven Konjunkturprogramm gegen das sinkende Trendwachstum der Volkswirtschaft. So wurden die Einkommensteuer, die Mehrwertsteuer und die Sozialabgaben der Unternehmen in erheblichem Umfang reduziert, und Regulierungen wurden gelockert – das größte Abgabensenkungspaket in der neueren Geschichte des Landes. Auch die Geldpolitik wurde massiv gelockert.

Von der Stimulierung des Konsums der chinesischen Haushalte profitiert die deutsche Wirtschaft allerdings kaum, da vor allem Investitionsgüter in das Land geliefert werden. Mittelfristig muss sich vor allem der starke deutsche Maschinen- und Anlagenbau darauf einstellen, dass China seine Maschinen selbst im Inland fertigen wird, da das Know-how der dortigen Industrie immer weiter wächst.

Und auch in Europa selbst, dem nach wie vor wichtigsten Absatzmarkt der deutschen Exportwirtschaft, haben sich die Konjunkturaussichten weiter verschlechtert. So ist insbesondere der Konjunkturausblick der Europäischen Zentralbank ziemlich trüb. Deutschland bremst, Italien steckt in der Rezession – und die gesamtwirtschaftlichen Folgen des Brexits sind immer noch nicht abschätzbar.

Hausgemachte Probleme

Hinzu kommen eigene Fehler der deutschen Industrie. So versäumte die Autoindustrie im Herbst die rechtzeitige Umstellung auf den neuen Zulassungsstandard WLTP, so dass Fahrzeuge nicht ausgeliefert und zugelassen werden konnten. Die sinkende Autoproduktion strahlte auf die Zulieferer und damit auch auf andere Branchen aus – wie etwa die Stahl- oder Chemieindustrie.

Klar ist überdies, dass die Umstellung auf Elektromobilität nicht nur sehr hohe Investitionsausgaben der Autobauer erfordern wird, sondern auch zu einem beachtlichen Abbau von Arbeitsplätzen führen dürfte.

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Ungeachtet all dessen gibt es weiter Engpässe auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Der Fachkräftemangel in vielen Regionen Deutschlands wird den Beschäftigungsaufbau in den kommenden Jahren bremsen und bei vielen Unternehmen Expansionspläne torpedieren. Die Zuwanderung aus anderen EU-Staaten hat sich spürbar verlangsamt – und dass Flüchtlinge die Arbeitskräfteknappheit mindern können, ist höchst fraglich. Zudem wird ab dem kommenden Jahrzehnt ein massiver Alterungsschub in Deutschland einsetzen.

Bei den Dienstleistern läuft es bislang gut. Sie konnten ihre Umsätze im vierten Quartal 2018 spürbar steigern. Auch das Handwerk erzielte im vergangenen Jahr ein kräftiges Umsatzplus. Die Binnenkonjunktur läuft weiterhin gut. Dennoch mehren sich Ankündigungen von Unternehmen, die Stellen streichen wollen.

Arbeitslosigkeit wird stagnieren

Vor diesem Hintergrund rechnen wir in den Jahren 2019 und 2020 nur noch mit jeweils 1,0 Prozent Wirtschaftswachstum für Deutschland. Der Außenhandel wird weiterhin eine Wachstumsbremse bleiben, weil die Importe deutlich stärker als die Exporte wachsen werden. Somit drückt der Außenhandel das Wachstum im laufenden Jahr um 0,4 und 2020 um 0,1 Prozentpunkte. Positiver Nebeneffekt: Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss wird weiter abnehmen.

Der private Konsum wächst angesichts der andauernden hohen Beschäftigung und der Lohnerhöhungen in vielen Branchen zwar weiter, doch längst nicht mehr so dynamisch wie in den Boomjahren 2015 bis 2017. Spürbar anziehen dürfte dagegen der Staatsverbrauch, da die Regierung nach ihrer verspäteten Arbeitsaufnahme im Frühjahr 2018 erst mit Verzögerungen die im Koalitionsvertrag vereinbarten Ausgaben realisiert.

Hinzu kommt, dass an vielen Stellen das hierfür erforderliche neue Personal nicht ohne Weiteres auf dem Arbeitsmarkt verfügbar ist. Die wachsenden Staatsausgaben werden dazu führen, dass die Haushaltsüberschüsse allmählich zusammenschrumpfen. Der Rekordüberschuss des Staates in Höhe von 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus dem Jahr 2018 wird in diesem Jahr in etwa auf die Hälfte zusammenschmelzen und 2020 nur noch 0,3 Prozent betragen.

Angesichts der schwächeren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird der Abbau der Arbeitslosigkeit 2020 weitgehend zum Erliegen kommen. Im Jahresdurchschnitt dürften dann 2,16 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet sein, nach 2,20 Millionen im laufenden Jahr. Die Anzahl der Erwerbstätigen wird nur noch um 80.000 steigen, nach einem Plus von 360.000 2019.

„Ganz gleich, ob diese Regierung wie geplant bis zum Herbst 2021 hält oder ob es vorgezogene Neuwahlen gibt: Die nächste Bundesregierung wird mit deutlich schlechteren gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen starten, als dies das amtierende Kabinett konnte“, sagt HRI-Präsident Rürup.

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