Konjunktur in Deutschland

Ein Bauarbeiter schweißt in Hamburg in der S-Bahn Haltestelle unter dem Flughafen.

(Foto: dpa)

Ifo-Index Deutschlands Aufschwung geht weiter – aber langsamer als erhofft

Das Ifo-Geschäftsklima hat seine Talfahrt im Mai nach fünf Monaten gestoppt. Vor allem die Binnenkonjunktur trägt den Aufschwung weiter.
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BerlinSteht Deutschland vor einem Abschwung? Diese bange Frage bewegte Ökonomen und Politiker seit dem Februar: Denn im ersten Quartal 2018 wuchs die deutsche Wirtschaft nur noch halb so kräftig wie im vierten Quartal 2017, wie Anfang Mai dann auch das Statistische Bundesamt bestätigte: Um 0,3 Prozent legte das Bruttoinlandsprodukt zu, nach 0,6 Prozent Ende 2017.

An diesem Freitag gibt einer der wichtigsten Frühindikatoren vorsichtig Entwarnung. „Der Abwärtstrend ist gestoppt“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest mit Blick auf das Geschäftsklima seines Instituts. Im Mai liegt der Index unverändert bei 102,2 Punkten. Davor war er fünf Monate in Folge gefallen.

Das Ifo-Geschäftsklima beruht auf Meldungen von 9000 Unternehmen in Deutschland, die ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Erwartungen für das nächste halbe Jahr beurteilen. Im Mai hat sich demnach die ohnehin seit 2016 sehr gute Geschäftslage leicht verbessert.

Allerdings: Die – immer noch sehr guten – Erwartungen gaben leicht nach. „Die deutsche Wirtschaft behauptet sich gut in einer schwierigen Weltlage“, interpretiert dies Fuest.

Nach dieser Umfrage und anderen Indikatoren erwartet Fuest im zweiten Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent. Vor allem im Bauhauptgewerbe und im Handel zog der Ifo-Index an, während er im verarbeitenden Gewerbe schwächelte.

Das zeigt: Vor allem die Binnenkonjunktur in Deutschland trägt den Aufschwung weiter, Unsicherheiten kommen von außen, solange US-Präsident Donald Trump Handelskonflikte weltweit mit der Androhung von Zöllen befeuert.

Ablesen lässt sich das beim Verarbeitenden Gewerbe: Die Geschäftserwartungen waren im Mai etwas schlechter als im April. Dafür hat sich die Einschätzung der aktuellen Lage verbessert; auch weil der Auftragsbestand angestiegen ist. Im Dienstleistungssektor wiederum ist der Zukunftsoptimismus gestiegen, während die Firmen in diesem Sektor aktuell ihre Lage etwas schwächer beurteilten als zuvor.

Wirtschaft investierte kräftiger im Inland

Allerdings: Die Ifo-Experten halten die deutsche Wirtschaft für recht robust mit Blick auf Trump: „Die Firmen reagieren erst, wenn die Dinge auf dem Tisch liegen“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe gegenüber Reuters. Von Ankündigungen ließen sie sich nicht irritieren.

Das Statistische Bundesamt hatte in diesem Mai ebenfalls die Binnenkonjunktur als tragende Säule des Daueraufschwungs identifiziert: Die Wirtschaft investierte kräftiger im Inland als zuvor. Vor allem in Bauten, aber auch in Ausrüstungen, so die Statistiker.

Auch die privaten Haushalte konsumierten etwas mehr. Dazu hat vor allem die gute Arbeitsmarktentwicklung beigetragen: 44,3 Millionen Erwerbstätige zählten die Statistiker. Das ist im Vergleich zum 1. Quartal 2017 ein Plus von 609.000 Personen oder 1,4 Prozent.

Unsicherheiten in der Außenwirtschaft zeigten zuletzt auch andere Frühindikatoren: Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index registriert in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr deutlich schwächere Warenströme in den Häfen. Allerdings mit einem kleinen Hoffnungsschimmer: Im April ist dieser Index ganz leicht gestiegen. Der ZEW-Konjunkturindex, der auf einer Umfrage unter Finanzmarktanalysten beruht, signalisierte zuletzt ebenfalls gleichbleibende Konjunkturerwartungen, die schwächer sind als im Vorjahr.

Laut Ifo befindet sich Deutschland in diesem Quartal aber weiterhin im Boom. Dieser ist schwächer als im zweiten Halbjahr 2017, aber noch ein gutes Stück entfernt von einem Abschwung.

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