Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Industrie und Exporte Schwache Konjunktur: Volkswirte befürchten die Rezession

Im April schrumpften Produktion und Exporte der deutschen Industrie. Die Bundesbank rechnet nun mit einer weiteren Eintrübung der Wirtschaft.
1 Kommentar
Die Exporte Deutschlands sind so deutlich gefallen wie seit vier Jahren nicht mehr. Quelle: dpa
Container im Hamburger Hafen

Die Exporte Deutschlands sind so deutlich gefallen wie seit vier Jahren nicht mehr.

(Foto: dpa)

Berlin Die deutsche Industrie schrumpft. Die Exporte sind so deutlich gefallen wie seit vier Jahren nicht mehr. Sie gingen im April um 3,7 Prozent zurück.

Ebenso die Produktion in der Industrie. Im April sackte diese im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Prozent und damit so stark wie zuletzt 2015 ab, wie das Statistische Bundesamt am Freitag meldete. Unter den Branchen des verarbeitenden Gewerbes blieb allein die seit Jahren boomende Bauindustrie auf Wachstumskurs.

Besorgniserregend daran ist, dass der Einbruch der Industrie die leichte Erholungsphase der beiden Vormonate abrupt beendete. Im Februar war die Industrie um 0,1 Prozent und im März um 0,7 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vormonat gewachsen.

„Die Auftragseingänge haben sich seit dem Jahreswechsel abgeschwächt, und das Geschäftsklima trübte sich weiter ein“, analysierte das Bundeswirtschaftsministerium die Lage und kommt zu dem Schluss: „Daher ist weiterhin von einer gedämpften Industriekonjunktur in den kommenden Monaten auszugehen.“

Auch die Bundesbank stellt in ihrem, ebenfalls am Freitag veröffentlichten Konjunkturausblick fest, dass „sich die Wirtschaft in Deutschland gegenwärtig spürbar abkühlt. Ausschlaggebend hierfür ist der Abschwung in der Industrie, die unter der schleppenden Exportentwicklung leidet.“

Ihre Volkswirte bleiben aber dabei, dass der private Konsum und die Investitionen in diesem Jahr weiter solide ansteigen werden. Im Jahr 2019 soll es daher mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 Prozent weiterhin Wachstum geben, auch wenn dies nach der Hochkonjunktur bis Mitte 2018 nun deutlich schwächer ausfallen werde. „Ein länger anhaltender deutlicher Rückgang der Wirtschaftsleistung erscheint derzeit wenig wahrscheinlich“, meinen die Bundesbanker.

Grafik

Mit Blick auf die April-Zahlen des Statistischen Bundesamts fielen hingegen einige Bankenvolkswirte schon fast in den Panik-Modus. „Die Produktions- und Außenhandelsdaten sind gruselig. Ein starker Rückgang der Industrieproduktion deutet auf eine anhaltende Schwäche des Taktgebers für die deutsche Konjunktur hin“, sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. „Man beachte: Die Eskalation im Handelsstreit kam erst im Mai“, begründete seine Angst vor einer Rezession.

Tatsächlich rechtfertigten die für das Ifo-Geschäftsklima befragten Industrieunternehmen ihre pessimistischen Erwartungen mit der Unsicherheit über den Fortgang der von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikte. Das vorläufige Scheitern der Gespräche mit China verkündete Trump am 7. Mai. Der Konflikt mit Huawei begann in der Woche darauf und eskaliert seither.

Thomas Gitzel von der VP-Bank sieht dennoch Hoffnungsschimmer: „Für die Industrieproduktion des zweiten Halbjahres ist der aktuelle Auftragseingang entscheidend. Da die Neubestellungen nach dem März auch im April zulegen konnten, ist es um den Ausblick für die Industrieproduktion wieder etwas besser bestellt.“

Einstellungsbereitschaft der Unternehmen sinkt

Nach dieser Lesart ist folglich sowohl mit einer Wachstumsrate von 0,4 Prozent als auch mit einem überraschend kräftigem ersten Quartal mit wieder schwächerem Wachstum im zweiten Quartal zu rechnen. Zudem wäre eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte möglich – falls sich die Handelskonflikte nicht noch weiter verschärfen und der Brexit einigermaßen geordnet vollzogen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass mit Blick auf die Konjunktur das Glas womöglich doch eher halbleer als halbvoll ist, ist mit den April-Zahlen jedenfalls gestiegen.

Denn in der Industrie ist zuletzt auch die Einstellungsbereitschaft gesunken, auch wenn die Zahl der Arbeitsplätze insgesamt in diesem Jahr noch zunehmen soll. Auch die Dienstleister, von denen viele von der Industrie abhängen, beurteilten zuletzt ihre Aussichten nicht mehr ganz so gut wie zuvor. Den ungebrochenen Aufschwung gibt es inzwischen allein noch im Baugewerbe. Der Immobilienboom lässt dort die Kassen klingeln.

Mehr: Die Notenbank revidiert ihre Annahmen aus Dezember um einen Prozentpunkt. Doch Bundesbank-Chef Weidmann sieht stärkere Exporte ab der zweiten Jahreshälfte.

BDI-Präsident richtet scharfe Vorwürfe gegen Angela Merkel

Startseite

Mehr zu: Industrie und Exporte - Schwache Konjunktur: Volkswirte befürchten die Rezession

1 Kommentar zu "Industrie und Exporte: Schwache Konjunktur: Volkswirte befürchten die Rezession"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Langsam aber sicher offenbaren sich die langfristigen Folgen der Großen Koaltition und der "schwarzen Null". Zusätzlich stehen wir vor dem Problem des Klimawandels. Die Politik macht leider kümmert sich jedoch lieber um andere Dinge. Digitalisierung, Ausbau des Breitbandanschlusses, erneuerbare Energien, evt. sogar Atomenergie. In Deutschland alles kein Thema. wir haben die letzten vier Jahre lieber über die Flüchtlingskrise diskutiert. Und auch in diesem Feld nichts erreicht. Die Probleme der Integration unbeantwortet. Eine Erneuerung des Asylverfahrens, das der Antragende in der Zeit schon arbeiten darf, unbeantwortet. Wir werden erst in einigen Jahren die Folgen der Großen Koalition und der Ära Merkel zu spüren kriegen. Durch die starke Wirtschaft wurde bislang immer alles abgefangen. So wie es aussieht, geht das nicht mehr lange gut.
    Sehr schade.

Serviceangebote