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Interview Ifo-Experte Timo Wollmershäuser: „Die Turbulenzen hatten wir nicht auf dem Schirm“

Deutschland entgeht der Rezession nur knapp. Der Konjunktur-Experte des Ifo-Instituts spricht im Interview über seine optimistische Prognose für 2018.
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Der Konjunktur-Experte des Ifo-Instituts gibt eine optimistische Prognose für 2018 und die pessimistische Einschätzung für 2019. Quelle: picture alliance / Britta Peders
Timo Wollmershäuser

Der Konjunktur-Experte des Ifo-Instituts gibt eine optimistische Prognose für 2018 und die pessimistische Einschätzung für 2019.

(Foto: picture alliance / Britta Peders)

Der Konjunkturchef des Ifo-Instituts stellte für 2018 die optimistischste Prognose mit 2,6 Prozent und ist für 2019 mit 1,1 Prozent jetzt pessimistischer als die meisten anderen Forscher.

Herr Wollmershäuser, Sie mussten ihre Anfangsprognose für 2018 am stärksten nach unten korrigieren. Woran lag es?
Als wir im Jahr 2017 unsere Prognosen für das Jahr 2018 gemacht haben, war die deutsche Wirtschaft in einem Höhenflug.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex war am Jahresende sogar auf den höchsten Wert gestiegen, der jemals im wiedervereinigten Deutschland gemessen wurde. Allerdings haben wir die wirtschaftspolitischen Turbulenzen, die sich im vergangenen Jahr auf der internationalen Bühne abgespielt haben, nicht auf dem Schirm gehabt.

Können Konjunkturforscher überhaupt die Wendepunkte im Konjunkturzyklus korrekt vorhersagen?
Konjunkturprognosen entstehen durch die Fortschreibung historischer Zusammenhänge. Ausgangspunkt ist eine genaue Analyse des Istzustandes einer Volkswirtschaft sowie die Berücksichtigung von zukünftigen Ereignissen, von denen wir glauben, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten.

Zu Letzterem zählt beispielsweise die Umsetzung des Koalitionsvertrags. Allerdings wird die Konjunktur in der Rückschau meist von überraschenden Ereignissen getrieben, die wir Konjunkturforscher nicht vorhersagen können. Dadurch ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, konjunkturelle Wendepunkte weit im Voraus genau zu prognostizieren.

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Woran hat die Konjunktur im zweiten Halbjahr gelitten?
Maßgeblich für die Abkühlung war der schwache Anstieg der Wertschöpfung in der deutschen Industrie, die unter den weltweiten wirtschaftspolitischen Turbulenzen litt.

Die Unwägbarkeiten bei höheren Zöllen im Handel zwischen den USA und China, bei der Wiedereinführung von Zöllen, beim Ausgang der Brexit-Verhandlungen und bei den Haushaltsplänen der neuen italienischen Regierung haben tiefe Spuren auf den wichtigsten deutschen Absatzmärkten hinterlassen.

Lag es also nur an den politischen Unsicherheiten, dem Brexit- und dem Trump-Faktor?
Es gab auch hausgemachte Probleme. Insbesondere Probleme der deutschen Automobilindustrie, die im Zusammenhang mit neuen Abgasstandards standen, dämpften die Konjunktur. Damit haben sich die Triebkräfte verabschiedet, die die deutsche Wirtschaft im Jahr 2017 in die Hochkonjunktur gebracht haben.

Was erwarten Sie für 2019?
In diesem Jahr dürfte die Konjunktur im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2018 wieder etwas kräftiger zulegen. Die binnenwirtschaftlichen Triebkräfte sind weiterhin in Takt. Die Beschäftigung wird wohl ihren Rekordwert vom Vorjahr übertreffen, gleichzeitig dürften Lohnsteigerungen, Steuer- und Abgabenentlastungen sowie eine Ausweitung der Transferleistungen für ein dickes Einkommensplus bei den Haushalten sorgen.

Dies stützt den privaten Konsum und die Baukonjunktur, die auch aufgrund der weiterhin niedrigen Zinsen lebhaft bleiben dürfte. Insgesamt aber dürfte das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr niedriger ausfallen als im Vorjahr. Damit befindet sich die deutsche Wirtschaft im Abschwung.

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