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Job-Markt Konjunkturabkühlung: Arbeitslosenzahl im Mai geringfügig gestiegen

Die Bundesagentur berichtet von merklich schwächerer Nachfrage nach Mitarbeitern. Allerdings sind mehr Menschen beschäftigt als noch vor einem Jahr.
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Konjunkturabkühlung: Arbeitslosenzahl im Mai leicht gestiegen Quelle: dpa
Arbeitslosigkeit

Auch wenn die Arbeitslosenzahl von April auf Mai gestiegen ist, bleibt die Arbeitslosenquote unverändert.

(Foto: dpa)

Nürnberg, BerlinNach jahrelanger Rekordjagd zeichnet sich am deutschen Jobmarkt eine Trendwende ab. Die maue Wirtschaftslage ließ im Mai die Zahl der Arbeitslosen überraschend steigen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitteilte. „Auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich erste Auswirkungen der zuletzt etwas schwächeren konjunkturellen Entwicklung“, sagte BA-Chef Detlef Scheele. „Die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern schwächt sich auf hohem Niveau merklich ab.“ Die Zahl der Arbeitslosen kletterte auch wegen Sondereffekten zum Vormonat um 7000 auf 2,236 Millionen. Bereinigt um jahreszeitliche Schwankungen gab es sogar den ersten Anstieg seit zwei Jahren.

Scheele betonte allerdings, dass sich die Beschäftigung weiter auf Wachstumskurs befinde – auch wenn der Schwung etwas nachgelassen habe. So eilt die Zahl der Erwerbstätigen derzeit noch von Rekord zu Rekord. Im April gab es saisonbereinigt mit 45,1 Millionen einen neuen Höchstwert. Manche Branchen wie das Gesundheits- und Sozialwesen koppeln sich laut Scheele von der Konjunktur ab. „Zum anderen sichern sich Unternehmen die zunehmend knappen Fachkräfte, auch wenn die Auftragslage schwächer wird.“ Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank sagte ebenfalls, Firmen suchten händeringend nach Personal. „Daran würde selbst eine Rezession nichts ändern.“ Grund seien der demografische und technologische Wandel.

Für hoch qualifizierte Arbeitnehmer aus dem Ausland ist Deutschland als Standort einer Studie zufolge allerdings nur mäßig attraktiv. Die größte Volkswirtschaft Europas rangiert international nur im Mittelfeld, wie aus einer Analyse der Industriestaaten-Organisation OECD und der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Deutschland belegt dabei den zwölften Platz für ausgebildete Fachkräfte, die mindestens einen Masterabschluss haben. Australien, Schweden, die Schweiz, Neuseeland, Kanada und Irland sind hingegen besonders interessant.

Derweil blieb die deutsche Arbeitslosenquote im Mai bei 4,9 Prozent. Klammert man jahreszeitliche Schwankungen aus, stieg die Arbeitslosenzahl von April auf Mai laut BA um 60.000. Fachleute hingegen hatten einen Rückgang um 8000 erwartet. Rund zwei Drittel des Anstiegs geht der Behörde zufolge auf eine Korrektur von Daten zurück, etwa ein Drittel auf die schwächere Konjunktur. „Die fetten Jahre liegen hinter uns“, sagte Analyst Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. „Insgesamt ist die Lage am Arbeitsmarkt aber nach wie vor sehr günstig und stützt noch die Binnenkonjunktur.“ VP Bank-Experte Gitzel warnte, in den kommenden Monaten zögen Gewitterwolken am deutschen Arbeitsmarkt auf. Die Schwäche der Industrie könnte kurzfristig viele Zeitarbeiter treffen. „Die langfristige Beschäftigungsnachfrage steht aber unter Hochdruckeinfluss.“

Forschungsinstitute und Bundesregierung hatten jüngst ihre Schätzungen für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gesenkt. Die Regierung erwartet nur noch plus 0,5 Prozent, nach 1,4 Prozent 2018. In dieser Prognose sei eingepreist, „dass sich am Arbeitsmarkt etwas tut“, sagte BA-Chef Scheele. Im laufenden zweiten Quartal dürfte die Wirtschaft um etwa ein viertel Prozent zulegen, nach plus 0,4 Prozent Anfang 2019, erklärten die Berliner DIW-Forscher. „Nach dem kräftigen Jahresauftakt ist das Tempo aber nach wie vor ordentlich“, sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. „Vor allem der Konsum und die Investitionen im Land stützen derzeit die Konjunktur.“

  • rtr
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