Konjunktur 2017 Chinas Wirtschaft wächst gut dreimal schneller als die deutsche

Chinas Wirtschaft wächst weiter und schneller: Das BIP konnte im vergangenen Jahr um fast sieben Prozent zulegen. Im Vergleich dazu zeigt sich die größte europäische Volkswirtschaft – die deutsche – als lahme Ente.
Update: 18.01.2018 - 10:56 Uhr 13 Kommentare
Während die größten Volkswirtschaften der Welt – China, die USA und Europa – zwar alle ihre Wachstumsziele erreichen, fallen die tatsächlichen Zahlen unterschiedlich aus. Quelle: dpa
Unterschiedliches Wirtschaftswachstum

Während die größten Volkswirtschaften der Welt – China, die USA und Europa – zwar alle ihre Wachstumsziele erreichen, fallen die tatsächlichen Zahlen unterschiedlich aus.

(Foto: dpa)

Peking/HongkongChinas Wirtschaft hat im abgelaufenen Jahr Stärke gezeigt: Wie das Pekinger Statistikamt am Donnerstag mitteilte, wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft im Zeitraum von Januar bis Dezember um 6,9 Prozent, womit das Wachstum erstmals seit 2010 wieder anzog.

„Die Wachstumszahlen sind höher als erwartet, weil der Service-Sektor besser als vorhergesehen entwickelt hat. Außerdem hat man bei den Zahlen von den Investitionen in große Infrastrukturprojekte profitiert“, sagt Sun Lijian, Vize-Leiter des Wirtschaftswissenschaftsinstitut an der Shanghaier Fudan Universität. Er erwartet für das nächste Jahr auch BIP-Wachstumszahlen von 6,5 bis 6,7 Prozent. Seiner Meinung werde die Regierung versuchen, die hohe Wachstumsrate beizubehalten, um Panik innerhalb der Wirtschaft zu vermeiden.

Beobachter bewerteten den aktuellen Aufschwung jedoch mit gemischten Gefühlen. Es seien vor allem alte Rezepte, die Peking das kräftigte Wachstum bescheren: Der zuvor schwächelnde Außenhandel zog im vergangenen Jahr wieder an und auch der Bausektor boomt dank sprudelnder Kredite. Wichtige Reformen würden aber nach wie vor zu Gunsten stabiler Wachstumszahlen auf die lange Bank geschoben.

„Das größte Problem bleiben die Schulden“, sagte der Pekinger Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou der Deutschen Presse-Agentur. Auch der Internationale Währungsfonds hatte zuletzt gewarnt, dass Chinas anhaltend starkes Wachstum durch neue Schulden erkauft sei. So lasse der Staat zum Wohle der „sozialen Stabilität“ noch immer zu, dass unrentable Firmen künstlich mit Krediten am Leben gehalten werden „statt sie pleite gehen zu lassen“.

Für Peking gebe es weiterhin viel zu tun, schrieb Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. „Der private Konsum muss zukünftig eine bedeutendere Rolle in der Wachstumskomposition einnehmen.“ Die Wachstumsraten würden in den kommenden Jahren sukzessive zurückgehen. „Dies ist allerdings kein Beinbruch sondern vielmehr Anzeichen einer Gesundung“, so Gitzel.

Die meisten der 70 von Reuters befragten Ökonomen gehen davon aus, dass die chinesische Wirtschaft 2018 um 6,5 Prozent wachsen wird. Andere Experten sind weniger optimistisch. Schließlich soll in diesem Jahr eine Reihe von schmerzhaften Maßnahmen umgesetzt werden, um den Immobiliensektor und die systemischen Risiken des Finanzsektors in den Griff zu kriegen.

Ein pessimistisches Bild zeichneten Max Zenglein und Maximilian Kärnfelt vom China-Institut Merics in Berlin, die bestenfalls an einen „schrittweisen“ Kurswechsel glaubten.

„Zur Enttäuschung derer, die eine radikale Politikänderung fordern, wird China 2018 einen stetigen wirtschaftspolitischen Kurs einschlagen“, so die China-Experten. Nur drei Jahre vor dem 100. Geburtstag der Kommunistische Partei sei die Führung nicht bereit, mit schwachen Wachstumsraten die Stimmung zu trüben. Folgen könnte dann ein „großer Kater“ danach.

Für neue Unsicherheit dürfte laut Beobachtern der schwelende Handelsstreit mit den USA sorgen. US-Präsident Donald Trump ist das große Handelsdefizit mit China ein Dorn im Auge, das sich trotz Warnungen aus Washington im abgelaufenen Jahr um weitere neun Prozent auf knapp 278 Milliarden US-Dollar vergrößert hat.

In einem Telefonat mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping, sprach Trump laut Angaben des Weißen Hauses in dieser Woche von einer „unhaltbaren“ Situation. Zuvor hatten US-Medien berichtet, dass die US-Regierung womöglich noch im Januar die Gangart verschärfen und massive Zollschranken für China hochfahren werde. Dies wiederum dürfte Gegenmaßnahmen aus Peking zur Folge haben.

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13 Kommentare zu "Konjunktur 2017: Chinas Wirtschaft wächst gut dreimal schneller als die deutsche"

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  • Schade eigentlich, dass immer nur prozentuale Vergleiche zu Steigerungsraten statt in absoluten Zahlen verglichen werden. Es ist vollkommen normal, dass Volkswirtschaften auf einem hohen und breitem Niveau relativ (zu anderen von proportional im Verhältnis zur Bevölkerung geringem Ausgangsniveau) nur marginal weiter wachsen können.
    Äpfel und Birnen als Weisheiten?
    Wem nutzt das wohl?

  • Herr Oxi Sokrates - 18.01.2018, 11:05 Uhr
    Das bedeutet, fast alle importierten Waren werden zu Exporten "umdefiniert", sofern hier in Deutschland zum Beispiel die Qualitätskontrolle als letzter Bearbeitungsschritt durchgeführt wird. Meiner Meinung nach handelt es sich bei den Meldungen zu den Exporterfolgen der Deutschen Wirtschaft um Fake News.
    ------------------
    Ihr Kommentar fällt unter Fake News. Warum? Weil Sie die Meldung von destatis nicht richtig wiedergeben. Da wird vom letzten wesentlichen Bearbeitungsvorgang gesprochen. Dazu gehört u. a., dass ein Unternehmen dafür maschinell eingerichtet ist.

    Ihr Beispiel Qualitätskontrolle ist absolut irrelevant für die Beurteilung eines Produktes, es ist nicht einmal ein minimaler Bearbeitungsvorgang.

  • Herr Hans Henseler
    18.01.2018, 11:38 Uhr
    Herr Spiegel, das Wirtschaftswachstum ist inflationsbereinigt.
    So was nennt Herr Trump Fake.News,

  • Herr Spiegel, das Wirtschaftswachstum ist inflationsbereinigt.

  • Herr Hans Henseler@ 2%Wachstum-2% Geldentwertung gibt Null Die Zahlen sind von den Fake News, wahrscheinlich ist die Geldentwertung höher und das Wachstum niedriger oder ? Aber egal, günstig angenommen 0x3=0 Null wie immer bei den EU-Loser oder gar negativ
    für die Herrschaften vom Wohlstandsvernichtungsclub.

  • Herr Sokrates, die meisten importierten Waren werden in Deutschland konsumiert. Aber
    natuerlich gibt es Waren, die in Deutschland nur im Endstadium behandelt und damit als
    deutschen Ursprungs gelten. Aber die Aussenhandelsstatistik ist trotzdem richtig, den der
    Ueberschuss ist gleich - auch wenn die Waren in Deutschland ueberhaupt nicht behandelt
    werden und also nur im Transit laufen. Der Ueberschuss ist die Differenz zwischen Import
    und Export, da spielt der Inlandsanteil keine Rolle. Die Differenz kann auch nur durch die
    Handelsspanne entstehen.

  • Es stellt sich die Frage, wie unser Leben und unsere Umwelt in 100, 200 oder 500 Jahren aussehen wird, wenn die Wirtschaft (weltweit) immer weiter wächst. Ist Wirtschaftswachstum nur ein Segen oder vielleicht doch auch ein Fluch? Gibt es Lebensglück und Zufriedenheit ohne Wirtschaftswachstum? Wem bringt Wirtschaftswachstum etwas. Wer bracht Wirtschaftswachstum? Wem schadet es?

  • Im Internet gibt es die Broschüre "DEUTSCHER AUßENHANDEL
    Export und Import im Zeichen der Globalisierung" aus 2015.
    Dort findet man auf Seite 9 folgenden Hinweis: "Sofern der letzte wesentliche Bearbeitungsvorgang jedoch in Deutschland stattgefunden hat, weist die Außenhandelsstatistik die Waren als Waren deutschen Ursprungs nach, selbst wenn der ausländische Wertschöpfungsanteil überwiegt.

    Das bedeutet, fast alle importierten Waren werden zu Exporten "umdefiniert", sofern hier in Deutschland zum Beispiel die Qualitätskontrolle als letzter Bearbeitungsschritt durchgeführt wird. Meiner Meinung nach handelt es sich bei den Meldungen zu den Exporterfolgen der Deutschen Wirtschaft um Fake News.

  • Herr Spiegel, wollen Sie sich fuer den Fake News Award bewerben?

  • Das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft ist fuer ein industrialisiertes Land durchaus
    akzeptabel. Ueberhitzung bringt grosse Gefahren. Ein Schwellenland wie China braucht
    hoehere Wachstumsraten und hat sie auch erreicht. Beide Ergebnisse sind volkswirtschaftlich gut.

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