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Konjunktur Arbeitsagentur sieht sich für Krise gewappnet

Die Behörde rechnet weiter damit, dass die Beschäftigung steigt und die Arbeitslosigkeit sinkt. Der Abschwung lasse sich abfedern, heißt es.
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Die Arbeitslosigkeit ist im Juli saisonbedingt leicht gestiegen. Quelle: dpa
Bundesagentur für Arbeit

Die Arbeitslosigkeit ist im Juli saisonbedingt leicht gestiegen.

(Foto: dpa)

Berlin Die Bundesagentur für Arbeit (BA) sieht in der aktuellen Konjunktureintrübung noch keinen Grund, ihren Instrumentenkasten zu erweitern. Trotz leicht gestiegener Arbeitslosigkeit glaube er nicht, dass der Gesetzgeber beim Kurzarbeitergeld „jetzt schon“ handeln müsse, sagte BA-Vorstand Daniel Terzenbach am Mittwoch bei der Präsentation der Arbeitsmarktdaten.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hatte zuvor im Handelsblatt auf die schwierige Situation in der Automobilindustrie und im Maschinen- und Anlagenbau verwiesen und gefordert, Krisenvorsorge zu treffen: Der Gesetzgeber sollte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ermächtigen, bei Bedarf rasch die erweiterte Kurzarbeit wieder einführen zu können, die sich in der Finanz- und Euro-Krise bewährt habe. Diese von 2009 bis März 2012 geltende Regelung sah einen erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld und mehr finanzielle Unterstützung für Arbeitgeber vor.

Dafür gebe es aber derzeit keine Notwendigkeit, sagte Terzenbach. Auf dem Höhepunkt der Finanz- und Euro-Krise sei jeder 20. Arbeitnehmer in Deutschland in Kurzarbeit gewesen. Heute zahle die Behörde an gut 40 000 Personen konjunkturelles Kurzarbeitergeld, damit sei nur etwa jeder tausendste Arbeitnehmer betroffen.

Auch der Arbeitsminister sieht derzeit keinen Handlungsbedarf: Sollte sich die Konjunktur weiter eintrüben, stünden die nötigen Instrumente bereit: „Dazu gehören die notwendigen Rücklagen bei der Bundesagentur für Arbeit, die im Krisenfall über Kurzarbeitsregelungen mithelfen werden, Beschäftigung zu sichern“, sagte Heil. Die Rücklage belief sich Ende vergangenen Jahres auf 23,5 Milliarden Euro. Bis zur Mitte dieses Jahres verbuchte die BA zudem unter dem Strich einen Überschuss von 322 Millionen Euro.

Im Juli ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 59.000 auf knapp 2,28 Millionen gestiegen. Laut Terzenbach, der den im Urlaub weilenden BA-Chef Detlef Scheele vertrat, ist ein Anstieg im Juli aber normal, etwa weil Unternehmen Sommerpause machen oder Ausbildungs- oder Hochschulabsolventen nicht sofort einen Job finden. Saisonbereinigt bleibt ein kleines Plus von . 000 Personen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen um 49.000 gesunken.

Zeitarbeit von Abkühlung betroffen

Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bewege sich weiter auf hohem Niveau. Und doch „touchiere“ die konjunkturelle Abkühlung auch den Arbeitsmarkt, sagte Terzenbach. Das mache sich vor allem in der Industrie und in der Zeitarbeit bemerkbar. So ist im verarbeitenden Gewerbe die Zahl der Beschäftigten, die ihren Job verloren, im Juli um fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen.

Dennoch gehen die Bundesagentur wie auch ihre Denkfabrik, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), weiter davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten in diesem Jahr weiter steigt und die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Zahl der Arbeitslosen werde sich im Jahresdurchschnitt voraussichtlich zwischen 2,2 und 2,3 Millionen bewegen und damit knapp unter dem Wert des vergangenen Jahres liegen, als im Durchschnitt 2,34 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet waren, erwartet Terzenbach.

Denn der Arbeitsmarkt hat sich in Teilen vom Konjunkturverlauf entkoppelt. In Gesundheits-, Sozial- oder Erziehungsberufen würden zusätzliche Kräfte gebraucht – egal, wie sich die Weltwirtschaft entwickele. Außerdem hielten viele Unternehmen trotz sinkender Aufträge qualifizierte Mitarbeiter – aus Sorge, bei wieder anziehender Konjunktur keine neuen zu finden: „Man hortet Fachkräfte“, sagte Terzenbach.

Schwer hätten es auf dem Arbeitsmarkt aber zunehmend Geringqualifizierte und Ausländer, sagte der BA-Vorstand. Insgesamt ist die Zahl der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen im Juli gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent auf rund 799.000 gesunken. Bei den Helferjobs betrug das Minus aber mehr als sieben Prozent.

Es sei nicht auszuschließen, dass sich diese Entwicklung auch auf die Flüchtlingsintegration auswirke. Allerdings sprächen viele Flüchtlinge inzwischen sehr gut Deutsch, sodass sie theoretisch auch für eine Beschäftigung mit höherem Anforderungsprofil infrage kämen, sagte Terzenbach.

Mehr Flüchtlinge im Job

Bis Mai hatten rund 391.000 Menschen aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern einen Job gefunden – 28 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bei der BA waren im Juli 200.836 arbeitslose Flüchtlinge gemeldet, gut sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 35.000 junge Geflüchtete sind auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Am Ausbildungsmarkt ist die konjunkturelle Eintrübung bisher nicht zu spüren – im Gegenteil. Die Chancen für junge Menschen, eine Lehrstelle zu finden, sind so gut wie sehr lange nicht: Im Juli waren noch 178.000 Bewerber auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, zugleich gab es laut BA 207.000 unbesetzte Plätze.

Insgesamt kommen auf 100 Lehrstellen 93 Bewerber – im Vorjahr waren es noch 99. „Die Ausbildungslücke wird zur Wachstumsbremse“, warnt deshalb der Leiter der Bildungsabteilung beim Maschinenbauverband VDMA, Jörg Friedrich. In dieser zentralen Branche seien aktuell noch 34.000 Ausbildungsstellen in technischen Berufen nicht besetzt, bei 21.000 unvermittelten Bewerbern. Setze sich dieser Trend fort, werde der Fachkräftemangel zum Strukturproblem, ganz unabhängig von konjunkturellen Schwankungen.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) appellierte an noch unentschlossene Schulabsolventen, die besonderen Chancen einer qualifizierten Berufsausbildung in den Blick nehmen: „Sie bietet eine solide Basis für eine anspruchsvolle und krisenfeste Beschäftigung.“ Für Schulabgänger, denen noch das nötige Rüstzeug oder die finanziellen Mittel für eine Lehre fehlten, stehe mit der Assistierten Ausbildung und der künftig aufgestockten Berufsausbildungsbeihilfe Unterstützung bereit.

Mehr: Die Tariflöhne werden in diesem Jahr stärker zulegen als 2018. Das zeigt eine Zwischenbilanz des gewerkschaftsnahen Instituts WSI.

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