Konjunktur Binnennachfrage lahmt – Japans Wirtschaft schrumpft erstmals seit neun Quartalen

Japans längste Wachstumsserie seit Mitte der 1980er Jahre ist gerissen. Doch für einen Abgesang auf Nippons Wirtschaftswachstum ist es noch zu früh.
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Viele Volkswirte hatten den Konjunkturknick bereits erwartet. Quelle: dpa
Hafen in Tokio

Viele Volkswirte hatten den Konjunkturknick bereits erwartet.

(Foto: dpa)

TokioJapans Wirtschaft ist zum ersten Mal seit neun Quartalen geschrumpft. Dies besagt die erste amtliche Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das erste Quartal. Nach Informationen der Regierung fiel das BIP um 0,2 Prozent niedriger aus als im vorherigen Quartal. Stimmen die Schätzungen, wäre es das Ende der längsten Wachstumsserie seit Mitte der 1980er Jahre. Nur zwischen 1986 bis 1989 hielt das Wachstum länger an.

Der Grund für die Pause ist einmal mehr die Binnennachfrage. Allerdings reichten schon kleine Veränderungen aus, um die Serie zu unterbrechen. Bereits im Weihnachtsquartal hatte das vierteljährliche Wachstumstempo bereits abgenommen und betrug nur noch 0,1 Prozent. Während der Konsum stagnierte, sanken die Immobilieninvestitionen leicht. Auch die Lagerhaltung drückte das BIP um 0,1 Prozent. Einzig der Außenhandel trug mit schwachen 0,1 Prozent positiv zum BIP bei.

Damit unterstreicht das Konjunkturbarometer eine alte Malaise Japans. Obwohl immer mehr Firmen über wachsenden Arbeitskräftemangel klagen, steigen die Gehälter nur zögerlich. Und die bestehenden Lohnsteigerungen, kurbeln den Konsum kaum an. Zu allem Überfluss investieren die Firmen kaum, sondern sacken ihre hohen Gewinne aus dem Bilanzjahr 2017 ein oder reichen sie durch höhere Dividenden oder Aktienrückkäufe an ihre Aktionäre weiter.

Notenbank könnte Zinsen anheben

An den Märkten hinterließen die Konjunkturzahlen jedoch kaum Spuren. Viele Volkswirte hatten den Konjunkturknick bereits erwartet. Zudem ist es noch zu früh, schon jetzt einen Abgesang auf Japans Wirtschaftswachstum zu beginnen. Häufig werden die ersten Schätzungen, ja sogar die Zahlen für vorhergehende Quartale noch korrigiert.

Außerdem glauben viele Volkswirte weiterhin, dass die Wirtschaft bis zur Mehrwertsteuererhöhung im Oktober 2019 weiter wachsen wird. So legte das BIP Im Jahresvergleich immer noch um 0,9 Prozent zu. Allerdings befinde sich die Wirtschaft in einem späten Stadium des Wachstumszyklus‘, hatte Takeshi Yamaguchi vom Broker Morgan Stanley MUFG Securities bereits vor der Veröffentlichung der Zahlen erklärt.

Der Schwung droht daher abzuebben – mit politischen Folgen. Als Reaktion könnte die Notenbank erst Anfang nächsten Jahres die Zinsen anheben, meint Yamaguchi. Derzeit hält sie diese für zehnjährige Staatsanleihen bei knapp über null Prozent und Papiere mit kürzerer Laufzeit im Minus.

Außerdem erwartet Yamaguchi, dass Japans Ministerpräsident Shinzo Abe Ende des Jahres ein neues Konjunkturpaket auflegen könnte. Damit droht Japans Haushaltspolitik trotz einer Verschuldung von 240 Prozent des BIP expansiv zu bleiben.

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