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Konjunktur Chinas Wachstum so schwach wie seit 30 Jahren nicht mehr

Handelskrieg, Konsumzurückhaltung und Überschuldung drücken auf das chinesische Wirtschaftswachstum. Das verschlechtert auch die Aussichten für Deutschland.
Update: 18.10.2019 - 08:31 Uhr Kommentieren
China: Wachstum fällt auf 6,0 Prozent Quelle: dpa
China

Eine Luftaufnahme des Hafens Yangshan.

(Foto: dpa)

Peking Chinas Wirtschaftswachstum hat sich im dritten Quartal 2019 weiter verlangsamt, wie das Statistikamt des Landes am Freitag mitteilte. Das ist die niedrigste Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den vergangenen 27 Jahren.

Zwar liegt das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft für die drei Quartale zusammen mit 6,2 Prozent im unteren Bereich des von der chinesischen Regierung vorgegebenen Korridors von 6,0 bis 6,5 Prozent. Die aktuellen BIP-Zahlen bestätigen aber den Trend nach unten, der sich bereits in den letzten Monaten in diversen Industrie- und Einzelhandelszahlen angedeutet hatte.

Nun wächst der Druck auf Peking, ein größeres Stimulus-Paket zu schnüren, um sicherzustellen, dass Chinas Wirtschaftswachstum nicht die vorgegebene Zielspanne verfehlt.

Auf die Frage, ob China seine Zielvorgabe für das Jahr einhalten wird, mindestens sechs Prozent Wachstum erreichen zu können, gab ein Sprecher des nationalen Statistiksamtes am Freitag zu, dass das „externe Umfeld komplizierter und komplexer geworden“ sei. „Aber wir haben noch die Möglichkeiten und die Kraft, eine stabile Wirtschaft aufrecht zu erhalten“, sagte er.

„Die Zahlen fielen zwar ein wenig niedriger als erwartet aus. Aber der Trend ist sehr stabil und die Märkte werden dem nicht zu viel Beachtung schenken, so lange nicht die sechs-Prozent Schwelle geknackt wird“, meint Frances Cheung, Analyst bei Westpac Banking.  

Vor allem drei Gründe nennen Experten als Ursache für die nachlassende Dynamik der chinesischen Wirtschaft: den Handelskonflikt mit den USA, die schwächere Binnenkonjunktur und die hohe Verschuldung.

Noch keine Entwarnung im Handelsstreit

Seit mehr als einem Jahr dauert der Handelsstreit zwischen China und den USA an – mehrfach überzogen sich beide Seiten gegenseitig mit Strafzöllen.

Mitte Oktober gaben beide Seiten eine Art „Waffenstillstand“ und die Einigung auf eine bisher undefinierte „Phase eins“ der Handelsgespräche bekannt. Die genauen Details der Übereinkunft sollen bis Mitte November ausgearbeitet und zu Papier gebracht werden, wenn sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auf dem Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) in Santiago de Chile treffen.

Seitdem wurden keine neuen Strafzölle erhoben; aber die bisher existierenden auch nicht abgeschafft. „Es herrscht noch immer sehr viel Unsicherheit bezüglich des US-China-Handelsabkommens“, meint Ho Woei Chen, Ökonom bei der United Overseas Bank. „Die für den 15. Dezember angesetzten Strafzölle werden sehr wichtige Auswirkungen auf Chinas Wachstum in 2020 haben.“ Ob diese tatsächlich verhängt werden, wird auch vom Ergebnis des Treffens im November abhängen.

Doch die Auswirkungen des Handelsstreits erstrecken sich nicht nur auf die China und die USA. Auch die Weltwirtschaft und insbesondere die Exportnation Deutschland leiden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte in dieser Woche seine globale Wachstumsvorhersage für dieses Jahr zum vierten Mal in Folge auf nunmehr 3,0 Prozent – nach 3,2 Prozent im Juli. Hingegen hält die Bundesregierung zwar an ihrer Vorhersage von 0,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr fest, senkte aber am Donnerstag die Prognose für 2020 um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent.

Binnenkonjunktur kann globalen Trend nicht ausgleichen

Doch nicht nur das schlechtere internationale Umfeld, auch die schwächelnde Binnenkonjunktur hat ihre Bremsspuren in den Wirtschaftszahlen hinterlassen. „Die jüngsten Wirtschaftszahlen sind besorgniserregend, wenn China nicht etwas Größeres unternehmen sollte“, findet Alicia Garcia Herrero, Asia-Pacific-Chefökonomin der französischen Natixis Bank.

Doch der chinesischen Regierung sind die Hände gebunden – zumindest teilweise. Denn seit zwei Jahren versucht Peking, das Kreditwachstum und die Überschuldung der Wirtschaft einzudämmen. Auch deswegen hat die chinesische Regierung trotz des Handelskrieges und Abwärtsdrucks bisher keine größeren Stimulus-Pakete geschnürt hat. Stattdessen hatte sich Peking eine Kombination aus fiskalischen Anreizen und geldpolitischen Lockerungen eingesetzt, um der schwächelnden Konjunktur entgegen zu wirken. So wurden zum Beispiel in den ersten acht Monaten Steuersenkungen im Wert von mehr als 200 Milliarden Dollar vorgenommen.

Analysten gehen deshalb davon aus, dass China auch weiterhin nur gezielte Stimulus-Pakete schnüren wird. „Peking hat bisher umsichtig und gezielt agiert”, sagt Ökonom Ho. „Ich denke, sie werden auch so weitermachen.“

Der Spielraum für noch aggressivere Maßnahmen ist durch Sorgen über eine ausufernde Verschuldung eingegrenzt. Schon jetzt beträgt Chinas gesamte Schuldenlast 305 Prozent der Wirtschaftsleistung. „Wie die Schulden in der Zukunft zurückgezahlt werden, ist weiter eine Riesenfrage“, sagte Liu Shengjun, Vizepräsident der Europe International Business School (CEIBS). „Deswegen denke ich, dass das Schuldenproblem wahrlich eine Hürde ist.“ Außerdem zeigten die Finanzspritzen immer weniger Wirkung, so Liu, denn das Wirtschaftswachstum nehme immer weiter ab.

2020 könnte das Wachstum wieder zulegen

UBS-China-Ökonom Tao Wang hingegen glaubt, dass die meisten von Peking gesetzten Finanzspritzen erst im nächsten Jahr ihre Wirkung entfalten. Seiner Meinung nach werde der Abwärtstrend im zweiten Quartal 2020 sein Ende finden.

Schon jetzt glauben Analysten einen Lichtblick in den industriellen Erzeugerdaten zu sehen. Diese deuten an, dass heimische Hersteller wieder mehr bestellen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Septemberzahlen um 5,8 Prozent und zeigten damit einen höheren Zuwachs als im Juli und August (jeweils 5,0 Prozent).

Auch die jüngsten Immobiliendaten deuten an, dass die Nachfrage in dem Sektor weiterhin robust ist. Im September stieg die Immobilieninvestments um 10,5 Prozent, stärker als zur gleichen Zeit im Vorjahr und unverändert zu den Zahlen im August.  

Eine wahrscheinliche Maßnahme, um der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen, wäre die Kürzung von Reserveanforderungen an Banken. Seit Anfang 2018 hat die chinesische Zentralbank dies bereits sieben Mal vorgenommen.

Mehr: Der Internationale Währungsfonds sieht die Wirtschaft fast aller Länder im Abschwung. Der globalen Wirtschaft droht demnach das schwächste Wachstum seit der Finanzkrise.

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