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Konjunktur Chinas Wirtschaft wächst wieder – Arbeitslosenzahl könnte noch zu großem Problem werden

Nach dem heftigen Einbruch im ersten Quartal wächst Chinas Wirtschaft wieder. Doch die jüngsten Anzeichen der wirtschaftlichen Erholung sind mit Vorsicht zu genießen.
16.07.2020 Update: 16.07.2020 - 07:13 Uhr Kommentieren
Der Anstieg der Importe hat Experten überrascht. Quelle: dpa
Containerhafen in Qingdao, China

Der Anstieg der Importe hat Experten überrascht.

(Foto: dpa)

Peking Chinas Wirtschaft zeigt weitere Anzeichen der Erholung. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im vergangenen Quartal um 3,2 Prozent gewachsen, wie die Nationale Statistikbehörde am Donnerstag mitteilte. Im ersten Quartal war sie noch um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geschrumpft.

Es war das erste Mal seit Beginn der offiziellen Verkündung der Quartalszahlen im Jahr 1992, dass die Wirtschaft der Volksrepublik ein Minuswachstum verzeichnet hatte. Das Wachstum von 3,2 Prozent ist allerdings das zweitniedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen. Und im ersten Halbjahr bleibt insgesamt ein Rückgang des Wachstums von 1,6 Prozent, wie die Statistikbehörde weiter mitteilte.

Die Welt blickt hoffnungsvoll auf China. Weil die Epidemie in dem Land ihren Ursprung hatte, ist das Reich der Mitte dem Rest der Welt ein paar Wochen voraus. Nach einem kompletten Stillstand der Wirtschaft im Februar fuhr die Volksrepublik ihre Wirtschaft in den darauffolgenden Monaten langsam wieder hoch.

Allerdings sind die jüngsten Anzeichen der wirtschaftlichen Erholung mit Vorsicht zu genießen. Zwar wuchs die Produktionsseite – ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Daten zeigen, dass die Industrieproduktion um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum anstieg.

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    Schwache Binnennachfrage

    Auch die Exporte und Importe Chinas machten Anfang der Woche einen guten Eindruck. Sie lagen im Juni erstmals wieder im Plus. Die Ausfuhren in US-Dollar berechnet stiegen um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, die Einfuhren um 2,7 Prozent.

    Doch die Binnennachfrage ist weiterhin schwach. Im Juni kauften chinesische Verbraucher erneut weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Einzelhandelsumsatz ging laut den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen um 1,8 Prozent zurück – und lag damit noch unter den Durchschnittserwartungen der Experten.

    Beobachter führen den Anstieg der Produktion auf staatliche Infrastrukturmaßnahmen zurück. „Es ist die Geschichte einer von staatlichen Konjunkturprogrammen geleiteten Erholung, die sich sehr stark auf die industrielle Seite konzentriert“, sagte Rodrigo Catril, Analyst bei der National Australia Bank. „Der Verbraucher ist nach wie vor sehr zurückhaltend.“

    Dabei beruhte Chinas Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren immer stärker auf der Binnennachfrage durch chinesische Verbraucher. Und die Maßnahmen waren bislang vergleichsweise zurückhaltend.

    Laut einer aktuellen Schätzung von Christine Wong, Professorin am Ostasien-Institut an der National University of Singapore, betrugen die fiskalischen Stimuli der chinesischen Regierung bislang sieben Prozent des Bruttoinlandprodukts. Sie bleiben damit weit hinter dem zurück, was nach der Finanzkrise 2008/2009 eingesetzt wurde. Die chinesische Regierung hatte damals ein riesiges Konjunkturpaket in Höhe von 13 Prozent des damaligen Bruttoinlandprodukts aufgelegt.

    Jetzt hatte die Regierung Unternehmen Teile der Sozialversicherungsbeiträge und bestimmte Steuern erlassen sowie Nachlässe auf Mieten und Stromrechnungen gewährt. Die chinesische Zentralbank führte dem Geldmarkt durch mehrere Zinssenkungen Liquidität zu, Banken wurden dazu angehalten, Unternehmen leichter Kredite zu geben und bei der Fälligkeit von Verbindlichkeiten ein Auge zuzudrücken.

    Diese Maßnahmen, verbunden mit der Aufforderung an Unternehmen, ihre Mitarbeiter nicht zu entlassen, sollen auch dabei helfen, die Arbeitslosigkeit nicht noch stärker steigen zu lassen.

    Hohe Arbeitslosigkeit

    Wenig wurde allerdings dafür getan, dass der Konsum sich in dem Land wieder stabilisiert. Einige lokale Regierungen vergaben Gutscheine, die den Konsum anregen sollten. Die Wertbons wurden dabei unsystematisch unters Volk gebracht, wer einen haben wollte, musste schnell sein. Doch das eigentliche Problem lösen die Bons nicht: Chinesische Verbraucher sind verunsichert, viele haben ihren Job verloren.

    Die Arbeitslosigkeit könnte noch zu einem großen Problem werden, Hunderttausende kleine und mittelgroße Unternehmen sind bereits pleitegegangen, viele stehen kurz davor. Laut am Donnerstag veröffentlichten offiziellen Zahlen liegt die Arbeitslosenquote schon jetzt bei 5,7 Prozent, für China ein hoher Wert, Experten schätzen die wahre Rate jedoch weit höher ein.

    Denn die von den chinesischen Behörden ausgegebene Zahl ist sehr ungenau. Zum einen zählen dort nur diejenigen Arbeitslosen, die auch ein Wohnsitzrecht, eine sogenannte Hukou, haben. Die Millionen Wanderarbeiter Chinas, die die Krise besonders hart getroffen hat, zählen dazu nicht.

    Zudem gibt es wenig Anreize, sich überhaupt arbeitslos zu melden, denn nur für einen sehr kleinen Teil der Arbeitslosen gibt es staatliche Hilfen. „Eines der schwächsten Elemente des sozialen Sicherheitsnetzes Chinas ist sein Arbeitslosenversicherungssystem“, schreiben die Ökonomen Nicolas Lardy und Tianlei Huang vom Peterson Institute for International Economics in einer aktuellen Analyse.

    Die Millionen Menschen, die auf dem Land arbeiten, und der größte Teil der rund 300 Millionen Wanderarbeiter – sie alle bekommen keine Arbeitslosenhilfe. Wenn ihr Einkommen wegbricht, gehen sie an ihre Ersparnisse.

    Zudem ist fraglich, wie nachhaltig die Erholung ist. Zum einen besteht die Gefahr von weiteren Wellen, in denen sich das Virus wieder ausbreitet. Chinas Hauptstadt Peking bekam erst kürzlich einen Eindruck davon, als es zu einem größeren Ausbruch von Neuinfektionen kam und die örtliche Regierung die Stadt in Teilen lahmlegte.

    Zum anderen verunsichern die schlechter werdenden Beziehungen zwischen China und den USA. Als sich die USA und China während des Handelsstreits gegenseitig mit Strafzöllen überzogen, hatte das auch die chinesische Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen.

    Eine als „Phase One Deal“ bezeichnete Einigung hatte die Lage kurz beruhigt, es sollte aber eigentlich schon längst an einem Folgeabkommen gearbeitet werden. US-Präsident Donald Trump sagte am Dienstag jedoch, er habe im Moment kein Interesse daran, mit China zu reden.

    Mehr: Corona hat Pekings Wirtschaftsplanung drastisch verändert.

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