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Konjunktur Chinesische Wirtschaft verzeichnet 6,4 Prozent Wachstum – dennoch warnen Analysten

Trotz des Handelsstreits mit den USA wächst die Wirtschaft Chinas. Das Bruttoinlandsprodukt legt im ersten Quartal überraschend deutlich um 6,4 Prozent zu.
Update: 17.04.2019 - 09:56 Uhr Kommentieren
Die Industrieproduktion stieg im März um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Quelle: Reuters
Kohleverladung in Lianyungang

Die Industrieproduktion stieg im März um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

(Foto: Reuters)

PekingDie chinesische Wirtschaft wächst schneller als erwartet. Im ersten Quartal 2019 legte die zweitgrößte Volkswirtschaft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,4 Prozent zu. „Die chinesische Wirtschaft war im ersten Quartal stabil“, sagte ein Sprecher des nationalen Statistikamtes in Peking. „Die meisten Indikatoren waren im März besser als erwartet.“

Experten hatten in den ersten drei Monaten dieses Jahres wegen der negativen Auswirkungen des Handelsstreites mit den USA und anderer Unsicherheiten ein langsameres Wachstum erwartet. Schon vor der offiziellen Veröffentlichung der Daten wiesen jedoch bereits einige Indikatoren auf eine Verbesserung der chinesischen Wirtschaft hin, auch dank des Konjunkturpaketes aus Peking. 

Die Steuersenkungen und andere Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft zeigen Wirkung. So stieg die Industrieproduktion im ersten Quartal um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Einzelhandelsumsätze legten um 8,3 Prozent zu. Die Anlageinvestitionen, das heißt die Ausgaben unter anderem für Maschinen, Immobilien oder Infrastruktur, wuchsen um 6,3 Prozent.

Von einem kräftigen Wachstum in China profitiert auch die deutsche Wirtschaft, die viel nach China exportiert und stark auf dem chinesischen Markt engagiert ist. „Der Wirtschaft geht es besser“, sagte die unabhängige chinesische Expertin Ye Tan. „Die Börse und der Immobilienmarkt entwickeln sich gut. Hinzu kommt die lockere Geldpolitik. All diese Maßnahmen kurbeln den Konsum an.“ Die Aussichten seien nicht schlecht: „Es gibt keine Anzeichen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung dieses Jahr verschlechtert.“

Das Wachstum liegt auch im Rahmen der Vorgabe der Regierung mit 6 bis 6,5 Prozent für dieses Jahr, was gleichwohl so langsam wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr ist. Zuvor hatte es allerdings auch schon andere erfreuliche Wirtschaftsdaten gegeben, so dass der Währungsfonds (IWF) seine Vorhersage für China in diesem Jahr jüngst von 6,2 auf 6,3 Prozent nach oben korrigiert hatte.

Bereits im März hatten China unerwartet hohe Exportzahlen und eine Expansion der Produktionstätigkeit vermeldet. So lag der Purchasing Manager Index von Caixin und Markit, mit dem die Auftragseingänge gezählt werden, bei 50,8 und somit auf dem höchsten Stand seit vier Monaten. Von Reuters befragte Analysten waren zuvor von 49,9 ausgegangen. Ein Messwert unter 50 signalisiert eine Kontraktion, also eine Verringerung, während ein Messwert oberhalb dieses Pegels eine Expansion anzeigt.

Diese Zahlen zeigten, dass sowohl die Binnen- wie auch Auslandsnachfrage wieder angezogen seien, sagte Zhong Zhengsheng, Direktor für Wirtschaftsanalyse der CEBM Gruppe. Andere Analysten warnten davor, zu früh von einer Erholung zu sprechen. „Wir brauchen mehr Beweise“, Jianwei Xu, Senior Economist, Greater China bei Natixis in Hong Jong. „Wir glauben, dass die stärker als erwarteten Daten mit dem Regierungsstimulus zusammenhängen, können es aber nicht einzig darauf zurückführen.“

Tai Hui, Analyst bei JP Morgan Asset Management, geht davon aus, dass Peking demnächst keine Finanzspritzen mehr ansetzen wird, um eine weitere Verschuldung zu vermeiden. „Wir sollten bedenken, dass das Wachstumsziel in diesem Jahr bei 6 bis 6,5 Prozent liegt und in ersten Quartalszahlen bereits das obere Ende dieser Spanne erreicht hat“, schrieb er in einer Mitteilung.

Die Organisation der Industrieländer (OECD) warnte derweil, dass die Konjunkturmaßnahmen zwar kurzfristig das Wachstum in China voranbringen, aber langfristig die Bemühungen untergraben, die - auch für viele große OECD-Länder – hohe Schuldenlast zu reduzieren und strukturelle Verzerrungen zu korrigieren.

„Die Politik sollte sich auf langfristige Strategien konzentrieren, die Wirtschaft in Richtung höheren heimischen Konsums und Dienstleistungen zu bewegen, die Effizienz der Wirtschaft zu verbessern und sicherzustellen, dass zukünftiges Wachstum nachhaltiger, grüner und sozial gerechter ist“, heißt es in einer Stellungnahme der OECD zu ihrem neuen Jahresbericht über China.

Im Handelskonflikt mit den USA könnte das stabile Wachstum zunächst die Verhandlungsposition Chinas stärken. Michael Hirson, Direktor der China und Nordostasien-Abteilung beim Thinktank Eurasia Group, geht davon aus, dass die positiven Zahlen aus China die Verhandlungen zwischen Peking und Washington beeinflussen.

US-Präsident Donald Trump und andere amerikanische Politiker haben das letzte Jahr viel Zeit damit verbracht, zu sagen, dass die schwächelnde Konjunktur Peking dazu zwingen wird, einen Deal einzugehen“, sagte er. „Jetzt, da sich Chinas Wachstum wieder erholt, werden Trump und sein Team von Experten und den Medien gefragt werden, ob sein Verhandlungsvorteil schrumpft.

Die OECD warnt vor einem Scheitern der laufenden Gespräche. Eine neue Eskalation könnte schwere negative Auswirkungen haben. Darunter hätte auch die Weltwirtschaft noch weiter zu leiden, da China zu einem Viertel zum globalen Wachstum beitrage. Die beiden größten Volkswirtschaft haben sich seit vergangenem Jahr gegenseitig mit Sonderzöllen überzogen. Inzwischen sind rund die Hälfte aller US-Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belastet.

Die USA wollen eine Verringerung des US-Handelsdefizits und fordern besseren Marktzugang, wirksameren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer. Auch stoßen sich die USA an staatlicher Förderung chinesischer Firmen, was den Markt verzerrt. Sollte es keine Einigung geben, drohen neue Strafmaßnahmen. Die amerikanischen Sonderzölle auf Importe aus China im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar könnten dann von derzeit 10 auf 25 Prozent erhöht werden.

Insgesamt sind viele Beobachter und Unternehmen im Hinblick auf die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2019 optimistisch. So erwarten die deutschen Autobauer eine Erholung im chinesischen Autoabsatzmarkt. Obwohl die Verkaufszahlen auch im März im Vergleich zum Vorjahr fielen, war es der geringste Rückgang seit August 2018 und wäre noch kleiner ausgefallen, hätte die chinesische Regierung nicht Mitte März eine Senkung der Mehrwertsteuer für das schaffende Gewerbe angekündigt, die am 1. April in Kraft trat.

Mit Agenturmaterial

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