Konjunktur Deutsche Exporte mit stärkstem Plus seit 2010

Mit einem Plus von über 5 Prozent haben die deutschen Exporte die Erwartungen deutlich übertroffen. Die Warenausfuhren legten damit so stark zu wie seit 2010 nicht mehr. Doch mancher Ökonom warnt vor zu viel Euphorie.
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Die deutschen Exporte sind so stark gestiegen wie seit 2010 nicht mehr. Quelle: dpa
Container im Hamburger Hafen

Die deutschen Exporte sind so stark gestiegen wie seit 2010 nicht mehr.

(Foto: dpa)

BerlinDie deutschen Exporte sind im August so kräftig gewachsen wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Die Warenausfuhren erhöhten sich um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. „Das ist die stärkste Zunahme seit Mai 2010“, erklärte ein Statistiker. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 2,2 Prozent gerechnet. Im Juli waren die Exporte noch um 2,6 Prozent gefallen, was viele Experten mit den Werksferien in dem Ferienmonat begründeten.

Im Vergleich zum August 2015 kletterten die Exporte sogar um 9,8 Prozent auf 96,5 Milliarden Euro. Überdurchschnittlich stark legten die Geschäfte mit den EU-Ländern zu: Hier gab es einen Zuwachs von 10,0 Prozent, weil besonders die Nachfrage in den nicht zur Euro-Zone gehörenden Staaten kräftig zunahm. „Die guten Nachrichten mehren sich“, erklärte Thomas Gitzel, Chefsvolkswirt der VP Bank. „Gut möglich, dass das Wachstum für das Gesamtjahr 2016 besser ausfällt als allgemein erwartet.“

Welche Hauptstädte besonders wichtig sind
Athen
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„Wer Athen hat, hat ganz Griechenland“, heißt es. In der Metropole lebt mehr als ein Drittel der griechischen Bevölkerung. In der Region Attika rund um Athen finden sich die meisten Unternehmen des Landes, von der Manufaktur über die Werft bis hin zum High-Tech-Start-up. Lediglich in Sachen Tourismus hinkt die Metropole hinterher – nach einem Besuch der Akropolis verlassen die Touristen das Großstadtchaos und reisen auf die Inseln des Landes. Wohlstand in Griechenland ohne Athen: Minus 20 Prozent, wie Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft ergeben.

Paris
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Frankreich ist zentralistisch organisiert, das zeigt sich auch in der Wirtschaft. Total, Renault, PSA, Axa – so ziemlich alle wichtigen Konzerne haben ihren Verwaltungssitz dort oder im direkten Umland, etwa dem Büroviertel La Défense. Zwar überwiegt der Dienstleistungssektor, doch Île-de-France ist auch die stärkste Industrieregion des Landes. Paris ist zudem ein Touristenmagnet mit 22,2 Millionen Besuchern im Jahr 2015. Wohlstand in Frankreich ohne Paris: Minus 15 Prozent.

Prag
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Tschechien ist eher zentralistisch organisiert. Viele heimische und internationale Firmen haben ihren Sitz in der Hauptstadt. Hinzu kommt, dass viele Pendler aus dem Umland in der Stadt arbeiten. Ein weiterer Faktor ist der boomende Prag-Tourismus. Wohlstand in Tschechien ohne Prag: Minus 14 Prozent.

Kopenhagen
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In Dänemark sind Industriezweige im ganzen Land angesiedelt, in Kopenhagen ist die Dichte aber mit Abstand am größten. Hier ist der größte dänische Konzern, das Reederei-Unternehmen A.P.Møller-Mærsk zu Hause. Auch der Brauereiriese Carlsberg hat hier seinen Standort. Weitere große Wirtschaftszweige sind etwa die chemische und pharmazeutische Industrie. Wohlstand Dänemarks ohne Kopenhagen: Minus 13 Prozent.

London
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London gilt neben New York als weltweit wichtigste Finanzmetropole. Banken, Börse, Versicherungen – ohne die City wäre Großbritannien ein deutlich ärmeres Land. Laut Eigenschätzung der City arbeiten etwa 358.000 Menschen im Finanzsektor in Greater London. Von Bedeutung sind zudem das Immobilienwesen und der IT-Sektor. Wohlstand Großbritanniens ohne London: Minus 11 Prozent.

Warschau
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Warschau ist das wirtschaftliche Zentrum Polens. Wichtige Wirtschaftszweige sind Handel und Dienstleistungen. Es gibt viele ausländische Firmen/Investoren, die Warschau als Standort für Geschäfte in Osteuropa nutzen. Wohlstand in Polen ohne Warschau: Minus 10 Prozent.

Brüssel
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Der Dienstleistungssektor ist in Brüssel der stärkste. Er macht gut 90 Prozent der Wertschöpfung aus. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass Brüssel Sitz zahlreicher EU-Institutionen ist – ein Umfeld, das sich für die Angebote von Übersetzern, Beratern, Juristen und Veranstaltungsorganisatoren lohnt. Wohlstand Belgiens ohne Brüssel: Minus 9 Prozent.

Stefan Schilbe von der HSBC Trinkaus mahnt dagegen das „starke Ergebnis“ sei „sicher nicht der Beginn eines kräftigen Aufwärtstrends.“ Noch immer sei der Welthandel „sehr schwach“. Außerdem gäbe es neue Risiken wie die Gefahr eines harten Brexits. „Immerhin: Die Konjunktur in China hat sich stabilisiert“, so Schilbe.

Die Lieferungen in den Rest der Welt zogen um 9,6 Prozent an. In den ersten acht Monaten des Jahres nahmen die gesamten Exporte um 0,8 Prozent auf 795,7 Milliarden Euro zu. Der Außenhandelsverband BGA halbierte erst kürzlich seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr auf maximal zwei Prozent, da große Schwellenländer wie Russland und Brasilien schwächeln.

Die deutschen Importe erhöhten sich im August um 3,0 Prozent zum Vormonat und damit so stark wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Hier hatten Ökonomen einen Anstieg von 0,7 Prozent auf dem Zettel. Die Exporte übertrafen die Importe kalender- und saisonbereinigt um 22,2 Milliarden Euro.

Deutscher Exportmotor brummt wieder

  • rtr
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