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Konjunktur Deutsche Industrie verzeichnet größtes Auftragsplus seit fast zwei Jahren – dennoch herrscht Ernüchterung

Die deutsche Industrie verzeichnet überraschend das größte Auftragsplus seit gut zwei Jahren. Doch die Zahlen sind kein Grund zur Entwarnung. Die Gefahr eines Abschwungs bleibt hoch.
Update: 06.08.2019 - 13:36 Uhr 1 Kommentar
Trotz der guten Nachrichten steckt die Industrie in der Rezession – nicht zuletzt wegen der lahmenden Autoindustrie. Quelle: dpa
Autofabrik

Trotz der guten Nachrichten steckt die Industrie in der Rezession – nicht zuletzt wegen der lahmenden Autoindustrie.

(Foto: dpa)

Berlin Heute Morgen rieben sich viele Wirtschaftsexperten verwundert die Augen. Die deutsche Industrie konnte sich im Juni über das größte Auftragsplus seit zwei Jahren freuen. Das Neugeschäft stieg überraschend um 2,5 Prozent und ist damit so stark wie seit August 2017 nicht mehr.

Damit hatte niemand gerechnet. Denn alle Konjunktur- und Stimmungsindikatoren hatten sich zuletzt stark eingetrübt. Das gefürchtete „R“-Wort ging um, die Angst vor der ersten Rezession nach fast zehn Jahren Aufschwung.

Ist die Angst vor einem Abschwung nach den neuen Zahlen also unbegründet? Nein. Denn bei näherer Betrachtung zeigt sich: Auch die neuen Auftragszahlen fallen keinesfalls so glänzend aus wie es zunächst scheint.

Denn das Plus fiel nur dank vieler Großaufträge so kräftig aus. Klammert man diese aus, gingen die Bestellungen um 0,4 Prozent zurück. „Trotz der ermutigenden Daten ist die Industrie noch keinesfalls über den Berg“, sagt daher Ökonom Carsten Brzeski von der ING. Auch Stefan Kipar von der BayernLB meint: „Das ist eine sehr trügerische Zahl.“

Und das nicht nur wegen der Großaufträge, die für das starke Plus sorgten. Das Auftragsplus wurde auch ausschließlich von Bestellungen aus dem Ausland getrieben. Die Aufträge aus dem Inland hingegen sanken auch im Juni erneut, diesmal um ein Prozent.

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„Die rückläufigen Bestellungen aus dem Inland bestätigen einmal mehr, dass sich die deutsche Wirtschaft bereits inmitten einer Rezession befindet“, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Arbeitnehmer der Autobranche oder aus der Metall- und Elektroindustrie spürten dies bereits. „Überstundenabbau ist in so manchem Betrieb derzeit angesagt.“

Auch hat sich die Stimmung der Industrie im Juli noch einmal verschlechtert. Die am Finanzmarkt viel beachteten Markit-Umfragen zum Einkaufsmanagerindex signalisierten jüngst, dass die Industrie im Juli so stark schrumpfte wie zuletzt vor sieben Jahren.

„Damit steigt die Gefahr, dass die Wirtschaft nach dem von uns erwarteten leichten Minus im zweiten Quartal auch im dritten Quartal leicht schrumpfen wird“, sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen. Dann würde sich die deutsche Wirtschaft offiziell in einem Abschwung befinden. Laut offizieller Definition steckt die Wirtschaft in einer Rezession, wenn das Wachstum in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zurückgeht.

Die Gründe für das Ende des Aufschwungs sind vielfältig. Das ist zum einen der Handelskrieg zwischen den USA und China, der von Tag zu Tag schärfer geführt wird und der die deutschen Unternehmer verunsichert. Aber auch das Schwächeln der Autobranche und das Chaos um den Brexit sorgen für miese Laune.

„Aktuell rettet uns der hohe Auftragsbestand – noch“, sagte BayernLB-Ökonom Kipars. „Wenn bis zum vierten Quartal kein Schwung beim Neugeschäft kommt, drohen aber womöglich Personalanpassungen wie Kurzarbeit.“

Mehr: Die Nachfrage nach in Deutschland hergestellten Maschinen sinkt seit Jahresbeginn. Das berichtet der Maschinenbauverband in Frankfurt.

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1 Kommentar zu "Konjunktur: Deutsche Industrie verzeichnet größtes Auftragsplus seit fast zwei Jahren – dennoch herrscht Ernüchterung"

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  • Die Wirtschaft ist eben "Ebbe und Flut" je nach den Bedürfnissen der Menschen, der Firmen.
    Wer das verstanden hat, ist in "normalen Zeiten" kaum alarmiert. Glückauf!

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