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KonjunkturDeutsche Wirtschaft stagnierte zum Jahresende 2019

Europas größte Volkswirtschaft hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Internationale Handelskonflikte und das Brexit-Drama hinterlassen Spuren. 14.02.2020 - 08:18 Uhr Artikel anhören

Der internationale Handel leidet unter den Auswirkungen des Coronavirus. Das trifft auch deutsche Exporteure.

Foto: dpa

Berlin. Die deutsche Wirtschaft ist Ende 2019 nicht vom Fleck gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Im Gesamtjahr legte das Bruttoinlandsprodukt – wie schon vor einem Monat angenommen – um 0,6 Prozent zu. Das war deutlich weniger als jeweils in den beiden Vorjahren. Ähnlich schwach wie 2019 war das Wachstum zuletzt 2013.

Gedämpft wurde die Konjunkturentwicklung den Angaben zufolge zum Jahresende vom Außenhandel. Deutschland führte weniger aus als im dritten Quartal. Die privaten und die staatlichen Konsumausgaben verloren nach einem sehr starken dritten Quartal zum Jahresende den Angaben zufolge an Dynamik. Der Boom am Bau setzte sich hingegen fort.

Europas größte Volkswirtschaft war nach Jahren des Booms 2019 in eine Schwächephase geraten, bedingt auch durch internationale Handelskonflikte und Unsicherheiten bei Firmen. Das bekam vor allem die exportorientierte deutsche Industrie zu spüren. Hinzu kam der Strukturwandel in der Autoindustrie.

Die Kauflust der Verbraucher und der Bauboom bewahrten die deutsche Wirtschaft vor einer Vollbremsung. Der private Konsum steht für mehr als 52 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Konsumneigung dürfte nach derzeitiger Einschätzung der Nürnberger GfK-Experten auch 2020 hoch bleiben.

Die Bundesregierung sieht bei der Konjunktur mittlerweile einen „Silberstreif am Horizont“, wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) jüngst sagte. „Es geht in kleinen Schritten, es geht nicht rasend schnell, aber der Weg geht nach oben.“ Für das laufende Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent und für 2021 von 1,3 Prozent. Sie ist damit deutlich zuversichtlicher als Spitzenverbände wie der Industrieverband BDI.

Das sagen Experten zum BIP
„Die deutsche Wirtschaftsleistung stagnierte zum Jahresende. Somit ging ein für Deutschland schwieriges Konjunkturjahr mit einem schwachen vierten Quartal zu Ende. Nur die gute Konsumlage verhinderte Schlimmeres. In der Industrie ist nach wie vor keine rasche Verbesserung der angespannten Lage erkennbar. Nun könnte die Erholung des Welthandels durch den Ausbruch des Corona-Virus in China gestoppt werden. Dies würde auch die deutsche Exportwirtschaft treffen, wenn auch nur vorübergehend. Die Konjunkturampel steht deshalb eher auf Gelb als auf Rot.“
„Die deutsche Wirtschaft tritt nun seit rund einem Jahr auf der Stelle. Das Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2019 lag in etwa auf dem gleichen Niveau wie im Jahresanfangsquartal. Zum Glück ist die von einigen im vergangenen Sommer befürchtete Rezession ausgeblieben, es wird aber noch etwas dauern, bis  die deutsche Wirtschaft wieder richtig kräftig wächst. Für die kommenden Quartale deuten Umfragen bei den Unternehmen auf eine gewisse Erholung hin, aber insbesondere Teile der deutschen Industrie stehen immer noch vor großen Herausforderungen. So schwelt der Handelskonflikt mit den USA weiter und es ist nicht auszuschließen, dass der US-Präsident Donald Trump den Konflikt im amerikanischen Wahljahr noch einmal eskaliert. Die Automobilindustrie steckt zudem mitten in der Umstellung ihrer Produktpalette. Das Corona-Virus dämpft zudem das Wirtschaftswachstum in Asien und belastet so die deutschen Exporte in die Region.Die deutsche Wirtschaft stützen werden in den kommenden Quartalen weiter der Bau und der Privatkonsum . Ohne diese beiden Wachstumspfeiler hätte die deutsche Wirtschaft 2019 eine Rezession erlebt. Ein Grund dafür ist unter anderem die sehr robuste Einkommensentwicklung über die vergangenen Jahre. Sollte sich das gute Lohnwachstum der vergangenen Jahre massiv verlangsamen, würde auch der Privatkonsum in Deutschland in Gefahr geraten.Insgesamt dürfte die deutsche Wirtschaft 2020 nicht deutlich mehr als um ein Prozent wachsen.“
„In der schwachen Wachstumszahl steckt auch eine klare Warnung für das laufende Jahr. Die deutsche Exportwirtschaft und damit viele Schlüsselbranchen der Industrie haben weiterhin mit den gravierenden Handelskonflikten und den noch ungeklärten Folgen des Brexits zu kämpfen. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen des Coronavirus noch wenig absehbar sind, gleichwohl eine Verunsicherung bei den international agierenden deutschen Unternehmen bewirken. Umso mehr ist es jetzt an der Zeit, dass die wirtschaftspolitischen Hausaufgaben hierzulande beherzt angegangen werden. Die Unternehmen brauchen dringend Entlastungssignale im Inland: Planungsbeschleunigung bei Investitionsvorhaben und Steuersenkungen sollten ganz oben auf die Agenda der Bundesregierung rücken.“
„Die deutsche Wirtschaft strauchelt und steht ganz im Schatten der Industrierezession. Maßgeblich hierfür sind einbrechende Ausrüstungsinvestitionen sowie ein schwaches Auslandsgeschäft, was nicht nur die Industrie belastet, sondern zunehmend auch auf die unternehmensnahen Dienstleistungen durchschlägt. Angesichts der sehr schwachen Dezemberzahlen bei Auftragseingängen und Produktion dürfte diese Schwächephase vorerst andauern. Somit wird das Bruttoinlandsprodukt auch im ersten Quartal keine großen Sprünge machen. Bestenfalls in der zweiten Jahreshälfte ist wieder mit einer Belebung in der Industrie und damit auch gesamtwirtschaftlich zu rechnen.Mittlerweile drohen zusätzliche Belastungen aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld, bereits im vierten Quartal waren die Exporte leicht rückläufig. Die Ausbreitung des Corona-Virus droht auch wirtschaftlich weitaus negativere Auswirkungen zu haben, als zunächst erwartet. Dies belastet nicht nur deutsche Absatzmärkte, sondern auch die heimische Produktion, da asiatische Zulieferbetriebe nicht wie geplant arbeiten können und Lieferketten unterbrochen sind. Dies könnte letztlich das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 ins Minus drücken.Sofern der US-Präsident nach der Einigung mit China nun den hohen Handelsüberschuss der EU und vor allem Deutschlands ins Visier nimmt, könnte eine erhöhte Unsicherheit über die künftigen Handelsbeziehungen mit den USA der Investitionszurückhaltung neue Nahrung geben und mittelfristig zu weiteren Produktionsverlagerungen führen.“
„Die deutlich rückläufige Industrieproduktion im Dezember ließ es bereits erahnen: Der deutschen Wirtschaft war es im Schlussquartal nicht möglich zu wachsen. Dabei kann noch von Glück gesprochen werden, dass nicht ein Minus zu Buche steht. Handelskonflikte und Brexit bekamen der deutschen Volkswirtschaft gar nicht gut. Vom Außenhandel und von den Ausrüstungsinvestitionen kamen keine Impulse. Der private und vor allem der öffentliche Konsum dürften wohl Schlimmeres verhindert haben. In der Summe gilt deshalb: Mehr als Stagnation lag nicht drin. Jahrelang wurde von Rekordmarke zu Rekordmarke geeilt. Steigende Beschäftigungszahlen, Rekordabsatz im Maschinen- und Anlagebau und eine florierende Automobilwirtschaft ließen vergessen, wie anfällig die deutsche Volkswirtschaft eigentlich ist. Deutschland ist Spielball der Weltkonjunktur. Gleichzeitig stellte sich auch eine Trägheit ein. Die aus den USA kommende Elektromobilität wurde zu lange müde belächelt. Jetzt muss die deutsche Automobilwirtschaft im Hauruckverfahren umsatteln. Leidtragender ist der Maschinen- und Anlagebau mit den Zulieferbetrieben für BMW, Daimler, VW & Co.“
„Das schwache vierte Quartal bietet kaum Unterstützung für die Wachstumsrate des laufenden Jahres, weshalb wir für 2020 nur ein BIP-Wachstum von 0,7 Prozent zum Vorjahr (saisonbereinigt 0,3 Prozent) erwarten. Zwar hat sich die Stimmung zum Jahreswechsel etwas aufgehellt, die tatsächlichen Rahmenbedingungen haben sich aber kaum verbessert. Durch den Phase 1 Deal zwischen den USA und China wurde nur ein Teil der Zölle abgeschafft und die Weltwirtschaft bleibt von dieser Seite unverändert Belastungen ausgesetzt. Zudem dürfte der Ausbruch der Corona-Epidemie in China das Wachstum dort im ersten Quartal deutlich drücken. Als wichtiger Absatzmarkt für die deutsche Wirtschaft belastet dies auch die Konjunktur in der Bundesrepublik. Somit dürften unserer Einschätzung nach erst ab dem zweiten Quartal wieder spürbarere Wachstumsraten zu Buche stehen.“
„Die deutsche Wirtschaft ist im Bummeltempo unterwegs. Die konjunkturelle Lage bleibt schwierig, da die Industrie sich wohl nicht rasch aus der Rezession lösen kann. Spätzyklik, globale Nachfrageschwäche sowie Strukturprobleme machen ihr weiterhin zu schaffen. Der Dienstleistungssektor hat es unter diesen Bedingungen schwer, sich dem entgegenzustemmen. Neue Konjunkturimpulse sind nicht in Sicht. Defensive Wachstumserwartungen werden wohl immer mehr zur Realität.“
„Das war nach den schwachen Zahlen zur Industrieproduktion schon fast zu befürchten. Die Aufwärtsrevision für das dritte Quartal ist da nur ein schwacher Trost. Die Aussichten für 2020 sind alles andere als gut. Bei all dem ist erstaunlich, wie robust etwa der Arbeitsmarkt noch ist. Aber wird das lange vorhalten? Deutschland braucht ein neues Wachstumsmodell.“

Für Unsicherheit sorgte zuletzt die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Nach Einschätzung von EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni ist es aber noch zu früh, die Gefahren der in China ausgebrochenen Epidemie für die Wirtschaft genau einzuschätzen.

Unsicherheitsfaktoren sieht er nicht nur in dem Virus, sondern auch im Zickzack der US-Handelspolitik und in den ungeklärten Beziehungen der EU zu Großbritannien nach Jahresende. Für Deutschland rechnet die Brüsseler Behörde in diesem und im kommenden Jahr mit jeweils 1,1 Prozent Wirtschaftswachstum, wie aus der jüngsten Konjunkturprognose hervorgeht.

dpa, rtr
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