Konjunktur „Die Luft wird dünner“ – DIHK sorgt sich um Wirtschaftswachstum

DIHK-Geschäftsführer Wansleben befürchtet, dass sich das europäische Wirtschaftswachstum langfristig verlangsamt. Ein Hauptrisiko sei der Brexit.
Update: 18.10.2018 - 12:43 Uhr Kommentieren
DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben fordert eine Reform der Unternehmenssteuern, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland zu verbessern. Quelle: dpa
Martin Wansleben

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben fordert eine Reform der Unternehmenssteuern, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland zu verbessern.

(Foto: dpa)

BerlinIn der deutschen Wirtschaft schwindet angesichts des nahenden Brexit und weltweiter Handelskonflikte die Zuversicht. „Die Luft wird dünner“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Donnerstag mit Blick auf die Herbst-Umfrage seines Verbands unter 27.000 Firmen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag nahm deswegen seine Wachstumsprognose bereits zum zweiten Mal zurück. Für 2018 rechnet der DIHK – wie auch die Bundesregierung – nur noch mit einem Plus von 1,8 Prozent. Zu Jahresbeginn waren noch 2,7 Prozent.

2019 dürfte es dann nur noch zu 1,7 Prozent reichen. Einer der Gründe: Die Geschäftserwartungen, vor allem im Export, trübten sich so stark ein wie seit vier Jahren nicht mehr.

Der DIHK forderte die Politik auf, die Rahmenbedingungen zu verbessern, um ein höheres Wirtschaftswachstum möglich zu machen. „Wir brauchen strukturelle Reformen in der ganzen Bandbreite“, forderte Wansleben. Er sprach von einer nötigen „Renovierung“. Denn die positive Wirkung der Hartz-IV-Reformen sei aufgezehrt.

Vor allem bedürfe es einer Reform der Unternehmenssteuern mit Entlastungen für Firmen. Wansleben stärkte damit Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Streit mit Finanzminister Olaf Scholz den Rücken: „Die Konjunktur ist jetzt so, dass es auch ratsam ist, dies endlich zu machen.“

Sollte es bei den Brexit-Verhandlungen und beim Handelsstreit Zuspitzungen geben, könnte die deutsche Wirtschaft noch mehr leiden, sagte Wansleben. Dies sei in den momentanen Prognosen noch nicht enthalten. Beim geplanten EU-Austritt Großbritanniens sei beispielsweise nach wie vor keine Einigung in Sicht. Und dies sei auch nicht wahrscheinlich in den nächsten Monaten. Daher brauche es eine Verlängerung der Fristen.

RISIKEN JA, REZESSION NEIN

Eine Rezession fürchtet der DIHK aber trotz aller Risiken nicht. Die deutsche Wirtschaft wächst bereits seit 2010 – ungewöhnlich lang. Während die aktuelle Geschäftslage von den Firmen relativ gut bewertet wird, sind die Exporteure bereits alarmiert.

Der DIHK geht daher nur noch von einem Zuwachs der Ausfuhren in diesem Jahr von 2,8 Prozent aus. Bisher waren es fünf Prozent. 2019 dürfte das Plus mit 2,5 Prozent noch kleiner ausfallen. Die Verunsicherung greife immer mehr um sich. Dazu hat der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelsstreit maßgeblich beigetragen.

Vor allem die USA und China überziehen sich gegenseitig mit Sonderzöllen, was auch deutsche Firmen dort zu spüren bekommen. Zudem droht Trump immer wieder mit höheren Abgaben auf Auto-Exporte in die USA.

Der deutsche Arbeitsmarkt zeige dennoch weiter nach oben, so der DIHK. Mit 580.000 neuen Jobs ist der Verband für dieses Jahr noch etwas optimistischer als im Frühsommer. Im nächsten Jahr rechnet er mit weiteren 500.000 neuen Stellen. Allerdings bleibt der Fachkräftemangel das wichtigste Problem für viele Unternehmen.

„Die Konjunkturerwartungen werden noch stärker sinken“

  • rtr
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