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Konjunktur Export bricht so stark ein wie noch nie seit Beginn der Erhebung 1990

Seit 30 Jahren hat Deutschland nicht mehr so wenig exportiert wie im März. Binnen Jahresfrist ist der Export um 4,5 Prozent zurückgegangen.
08.05.2020 Update: 08.05.2020 - 12:54 Uhr 1 Kommentar
Die Ausfuhren sind im März stark eingebrochen. Quelle: dpa
Exporte

Die Ausfuhren sind im März stark eingebrochen.

(Foto: dpa)

Wiesbaden Der deutsche Export ist zu Beginn der Corona-Krise eingebrochen. Die Unternehmen führten im März Waren im Wert von 108,9 Milliarden Euro aus. Das waren 7,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat und 11,8 Prozent weniger als im Februar 2020, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Gegenüber dem Vormonat war es der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im August 1990. Die Importe verringerten sich binnen Jahresfrist um 4,5 Prozent auf 91,6 Milliarden Euro.

Der Einbruch im März hinterließ deutliche Spuren im ersten Quartal. Die Ausfuhren sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent auf 324,9 Milliarden Euro. Die Einfuhren verringerten sich um 2,9 Prozent auf 273,1 Milliarden Euro. Vor der Eskalation der Krise in Europa hatten die Unternehmen im Februar noch etwas mehr Waren „Made in Germany“ ausgeführt als im Vorjahreszeitraum.

„Die deutsche Warenausfuhr wurde im März zwischen zwei schweren Mühlsteinen aufgerieben: So spürten die deutschen Exporteure nicht nur die coronabedingte Schwäche des chinesischen Marktes, sondern auch das immer stärkere Wegbrechen ihres europäischen Heimatmarktes. Während im kommenden Monat die Impulse aus China wieder zunehmen sollten, werden sich die Bremseffekte in Europa nochmals verschärfen,“ sagt Andreas Scheuerler von der Dekabank.

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    Aber nicht nur die stillgelegte Produktion sei schuld an dem Einbruch, so Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, sondern auch die Versandprobleme. „Das Exportgeschäft wird von unterbrochenen Logistikketten erschwert oder unmöglich gemacht. Fertige Ware kann stellenweise nicht in den Versand nach Übersee gegeben werden, weil auf den Weltmeeren der Schiffsverkehr ins Stocken geraten ist. Ungewöhnliche Probleme tauchen plötzlich auf; es mangelt in Europa an Containern, dagegen stapeln sie sich in China. Damit bleibt fertige Waren oftmals auf dem Betriebshof liegen.“

    Auch für die kommenden Monate sei mit weiteren Überraschungen zu rechnen, sagt Gitzel. „Wenn die Logistikketten in Gang kommen, wird liegengebliebene Ware aufgegeben. Gerade solche Effekte dürften bei den gestrigen überraschend positiven chinesischen Exportdaten eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.“

    Nach Einschätzung des DIHK ist dies aber „nur der Aufgalopp für noch stärkere Einschnitte in der deutschen Exportbilanz.“ DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier erläuterte: „Die globale Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sinkt, Investitionen werden gestrichen und Handelshemmnisse nehmen zu. Wir rutschen damit in eine Weltwirtschaftskrise.“ Der DIHK rechnet mit einem Rückgang der Exporte in diesem Jahr um mindestens 15 Prozent.

    Erste Effekte hatten sich aber bereits im Handel mit der im Februar besonders von dem neuartigen Virus betroffenen Volksrepublik China gezeigt. Die Welthandelsorganisation (WTO) rechnete zuletzt mit einem Absturz des Welthandels infolge der Corona-Krise von 13 bis 32 Prozent.

    Hoher Rückgang im Handel mit EU-Staaten

    Besonders deutliche Bremsspuren hinterließen die mit der Ausbreitung der Pandemie im März verbundenen Beschränkungen in Europa. Die Exporte in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) brachen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,0 Prozent auf 55,6 Milliarden Euro ein. Die Importe verringerten sich um 8,0 Prozent auf 48,7 Milliarden Euro. Die EU ist die wichtigste Absatzregion für Waren „Made in Germany“.

    Geringer fiel der Rückgang im Handel mit Ländern außerhalb der EU aus (minus 4,3 Prozent). Die Exporte nach China sanken allerdings um 9,5 Prozent. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, in der das neuartige Virus zuerst ausgebrochen war, ist einer der wichtigsten Einzelmärkte für deutsche Exporte.

    Der Einbruch im März bremste den Außenhandel im ersten Quartal insgesamt. Die Ausfuhren sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent auf 324,9 Milliarden Euro. Die Einfuhren verringerten sich um 2,9 Prozent auf 273,1 Milliarden Euro.

    Die Daten beenden eine Woche mit schlechten Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft. Produktion und Bestellungen in der Industrie brachen im März ebenfalls ein. Konjunkturexperten gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um etwa 2,5 Prozent geschrumpft ist.

    Eine erste Schätzung für die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes gibt das Statistische Bundesamt am kommenden Freitag bekannt. Im Euroraum hatte die Corona-Krise im ersten Quartal nach vorläufigen Daten von Eurostat, in denen unter anderem Deutschland noch nicht enthalten war, den stärksten jemals gemessenen Konjunktureinbruch ausgelöst. Die Wirtschaftsleistung sank demnach im Quartalsvergleich um 3,8 Prozent. Dies war der stärkste Rückgang seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1995.

    Mehr: Dieses Jahr wird die EU-Wirtschaft um 7,5 Prozent schrumpfen. Aber schon 2021 wird sie wieder deutlich wachsen, sagt die EU-Kommission voraus.

    • rtr
    • dpa
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    1 Kommentar zu "Konjunktur: Export bricht so stark ein wie noch nie seit Beginn der Erhebung 1990"

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    • Hinzu kommt, dass der deutsche Export aus den alten Branchen resultiert. In Bezug auf die neuen, künftig wichtigen Digitalisierung-Produkte, sind wir leidlich Importeur, ein Defizit von geschätzt 50 Mrd. Euro. Es muss mehr Geld in die Forschung sonst droht Verarmung. China gibt hier die Richtung vor. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als nachzuziehen. Die EZB sollte an alle technischen Universitäten der €-Zone eine kräftige Finanzierung mit Null Zinsen bereitstellen. China macht das ähnlich. Die höchste Rendite, sogar für die Abgehängten, erzielt Forschung. Mit der Verbilligung von Produktionsprozessen können sich sogar die Abgehängten mehr leisten.

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