Konjunktur Griechenlands gute Wirtschaftszahlen haben einen Haken

Griechenlands Bruttoinlandsprodukt stieg im ersten Quartal zwar überraschend stark an. Doch es gibt auch einige enttäuschende Zahlen.
Update: 04.06.2018 - 13:36 Uhr Kommentieren
Griechenlands gute Wirtschaftszahlen haben einen Haken Quelle: dpa
Griechenland

Das Plus der griechischen Wirtschaft fiel doppelt so kräftig aus wie im Schnitt der Euro-Zone.

(Foto: dpa)

AthenGriechenlands Wirtschaft holt auf. Nach den am Montag veröffentlichten Zahlen des staatlichen Statistikamtes Elstat legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Vierteljahr 2018 gegenüber dem Vorquartal um 0,8 Prozent zu.

Im Vergleich zum vierten Quartal 2017, als das Wachstum noch 0,2 Prozent erreichte, hat die griechische Wirtschaft damit deutlich an Dynamik gewonnen.

Das Plus fiel in den ersten drei Monaten doppelt so hoch aus wie im Schnitt der Euro-Zone. Gegenüber dem ersten Quartal 2017 betrug der Zuwachs des BIP sogar 2,3 Prozent.

Damit ist Griechenland auf einem guten Weg, sein diesjähriges Wachstumsziel zu erreichen. Die EU-Kommission rechnet mit 1,9 Prozent, der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt zwei Prozent an, und die Athener Regierung erwartet 2,3 Prozent. Ebenfalls am Montag veröffentlichte das griechische Wirtschaftsforschungsinstitut IOBE die neuesten Zahlen zum Wirtschaftsklima. Auch sie zeigen eine verbesserte Stimmung: Der Indexwert stieg im Mai auf einen Wert von 104,2 gegenüber 103,6 im April.

Das sind gute Nachrichten für den griechischen Premier Alexis Tsipras. Die jüngsten Wachstumszahlen passen in sein Narrativ vom „sauberen Ausstieg“ aus dem Anpassungsprogramm. Im August laufen die Hilfszahlungen an Griechenland aus. Nach mehr als acht Jahren am Tropf internationaler Kredite soll sich das Land dann wieder eigenständig am Kapitalmarkt refinanzieren.

Die Rückkehr an den Markt wird allerdings von den Sorgen um die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Italien überschattet. Auch der ungelöste Streit der europäischen Geldgeber mit dem IWF um Schuldenerleichterungen für Griechenland belastet, wie die jüngst wieder angestiegenen Renditen der griechischen Staatsanleihen zeigen.

Umso willkommener dürften der Regierung die am Montag veröffentlichten Wachstumszahlen sein. Die griechische Wirtschaft hat nun bereits im fünften Quartal in Folge zugelegt und damit die Rezession, die im Herbst 2008 begann, ein gutes Stück hinter sich gelassen.

Die Konjunkturdaten sind ein wichtiger Parameter bei den laufenden Verhandlungen über Schuldenerleichterungen. Nach den Worten des Vorsitzenden der Eurogruppe, Mario Centeno, soll darüber beim Treffen der Euro-Finanzminister am 21. Juni abschließend entschieden werden.

Allerdings sind die Daten, die das staatliche Statistikamt in Athen am Montag veröffentlichte, durchwachsen. Das unerwartet starke Wachstum geht vor allem auf das Konto der Exporte von Gütern und Dienstleistungen. Sie stiegen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent.

Andere Zahlen sind enttäuschend. So ging der private Verbrauch im Jahresvergleich um 0,3 Prozent zurück. Beobachter führen den Rückgang auf die wachsende Steuerbelastung der privaten Haushalte zurück.

Noch unbefriedigender als der Konsum entwickelten sich die Investitionen. Sie gingen im ersten Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal um 10,4 Prozent und im Jahresvergleich sogar um 28,1 Prozent zurück. Die enttäuschende Entwicklung zeigt: Griechenlands Aufschwung fehlt es noch an Tiefe und Nachhaltigkeit.

Als größte Investitionshemmnisse in Griechenland gelten hohe Besteuerung, mangelnde Rechtssicherheit und Korruption. Nach Meinung von Analysten spiegeln die schwachen Investitionen auch eine in der Wirtschaft weit verbreitete Ungewissheit vor dem Ende des Hilfsprogramms. Viele Investoren warten offenbar erst einmal ab, ob der Ausstieg wirklich so reibungslos verläuft, wie es Premier Tsipras seinen Landsleuten verspricht.

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