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Konjunktur Ifo-Institut hält Absturz der Wirtschaft durch Corona für beendet: „Jetzt geht es aufwärts“

Bis Ende 2021 erwarten die Ökonomen die Rückkehr zum Vorkrisen-Niveau – wenn es keine zweite Welle gibt. Im Juni allerdings haben die Arbeitslosenzahlen noch einmal angezogen.
01.07.2020 Update: 01.07.2020 - 10:19 Uhr 2 Kommentare
Ende 2021 werde das Bruttoinlandsprodukt wieder so hoch sein wie vor Corona Ende 2019. Quelle: dpa
Containerhafen Duisburg

Ende 2021 werde das Bruttoinlandsprodukt wieder so hoch sein wie vor Corona Ende 2019.

(Foto: dpa)

Berlin Ab jetzt wird alles wieder besser. Das ist die zentrale Aussage der neuen Konjunkturprognose des Münchener Ifo-Instituts. Nachdem im ersten Quartal 2020 die Wirtschaft um 2,2 Prozent geschrumpft ist, schätzt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser den Absturz im zweiten Quartal auf minus 11,9 Prozent. „Von nun an geht es schrittweise wieder aufwärts“, sagte er an diesem Mittwoch. Im dritten Quartal gebe es Wachstum von 6,9 Prozent und im vierten Quartal von 3,8 Prozent.

Bezogen auf die Jahresrate werde damit das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 6,7 Prozent schrumpfen und im nächsten um 6,4 Prozent wachsen. Ende 2021 werde das BIP wieder so hoch sein wie vor Corona Ende 2019. Allerdings unter der Voraussetzung, dass es keine zweite Infizierungswelle gibt.

Der Einbruch von Mitte März bis Anfang Mai beruhe auf der Schließung vieler Wirtschaftsaktivitäten. Mit der Lockerung habe die Erholung eingesetzt, so Wollmershäuser. Ohne eine zweite Welle von Infektionen sieht er keinen Grund, weshalb die Erholung nicht schrittweise und stetig vorankommen sollte.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist wegen der Folgen der Coronakrise jedoch erneut gestiegen. Im Juni waren 2,853 Millionen Menschen ohne Job, 40.000 mehr als im Mai und 637.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg binnen Monatsfrist um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mit.

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    Mit der Prognose liegt das Ifo im Rahmen der Erwartungen der anderen großen Wirtschaftsforschungsinstitute, die im Juni ihre Sommerprognosen veröffentlicht haben: Sie gehen von einem Einbruch der Wirtschaft zwischen sechs und sieben Prozent in diesem Jahr aus.

    Grafik

    Bei der Erholung sind sie sich weniger einig: Die Erwartungen liegen zwischen plus dreieinhalb und sechseinhalb Prozent. Internationale Institutionen sind pessimistischer als die deutschen Spitzeninstitute: Der IWF etwa erwartet in diesem Jahr ein Minus von 7,8 Prozent für das deutsche BIP.

    Kontrast zur DIHK-Einschätzung

    Deutlich negativer als die Institute beurteilt allerdings auch der DIHK nach seiner jüngsten Befragung von 8500 Unternehmen die Konjunkturaussichten.  Die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern erwartet für dieses Jahr ein beispielloses Minus des BIP von zehn Prozent.

    Den Unterschied zu den Instituten, aber auch zur Bundesregierung und zur Bundesbank, erklärte DIHK-Konjunkturexperte Ilja Nothnagel damit, dass in den ökonomischen Modellen nach einem steilen Nachfragerückgang immer eine schnelle Erholung folgt – im richtigen Leben der Unternehmen aber offenbar nicht: „Die allermeisten Unternehmen berichten über eine sehr langsame Erholung“, sagte er am Dienstag

    Im Kontrast zur DIHK-Einschätzung, die sehr stark auf Aussagen aus der Industrie basiert, stehen allerdings neue Zahlen aus dem Einzelhandel. Dort stehen die Zeichen offenbar auf kräftige Erholung, wie vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamts von Mittwoch nahelegen. Demnach stiegen die Einzelhandelsumsätze in Deutschland im Mai 2020  real um 3,9 Prozent gegenüber dem Corona-fernen Mai 2019 – der sogar einen Verkaufstag mehr hatte als 2020.

    Im Vergleich zum April 2020 ist der Einzelhandelsumsatz demnach um 13,9 Prozent gestiegen. Damit konnte der Einzelhandel die Corona-bedingten Umsatzeinbußen der Vormonate wieder ausgleichen, so die amtlichen Statistiker.

    Gleichzeitig war dies der stärkste Umsatzanstieg gegenüber einem Vormonat seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1994. „Gründe hierfür sind die Geschäftsschließungen bis Mitte April 2020 und die anschließenden Lockerungen“, so das Amt. Im April war der Umsatz noch real um 6,5 Prozent gegenüber März 2020 gesunken.

    Auch im Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel gab es im Mai ein reales Plus um 3,5 Prozent gegenüber April. Das größte Plus aber erzielte der Internet- und Versandhandel mit einem Plus von 28,7 Prozent gegenüber April. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau sind dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren.

    Mehr: Die Zahl der Arbeitslosen ist erneut gestiegen, teil die Bundesagentur für Arbeit mit. Die Kurzarbeit verhindere einen noch stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit.

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    Mehr zu: Konjunktur - Ifo-Institut hält Absturz der Wirtschaft durch Corona für beendet: „Jetzt geht es aufwärts“
    2 Kommentare zu "Konjunktur: Ifo-Institut hält Absturz der Wirtschaft durch Corona für beendet: „Jetzt geht es aufwärts“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ A. Hansen
      "Manchmal kommt mir das so vor...
      "wenn wir positiv reden, wird alles positiv" - ich sehe stark steigende Kreditrisiken."


      Die werden nicht nur positiv reden. ;-)
      Schon heute sind die Arbeitslosenquote und die Inflations- (genauer Teuerungs-) Rate die ökonomischen Kennzahlen, bei denen (im Sinne der Regierung) am meisten getrickst / manipuliert / gelogen wird - wie Sie es nun auch bezeichnen wollen. ;-) Das wird sich jedoch bald potenzieren, und wir werden hier wahre "Höchstleistungen" sehen.
      Die meisten Austrians, zu denen ich mich auch zähle, sehen dagegen als wohlgemerkt optimistischstes Szenario eine Stagflation, während ein erneuter kreditinduzierter künstlicher Boom (wie nach Lehman 2008) nicht mehr möglich ist.
      Die "Zutaten" für ein solches Stagflationsszenario werden nämlich gerade kräftig angerührt: es kommt dazu, wenn Notenbanken massiv inflationieren (= die ungedeckte Geldmenge ausweiten), um (Kredit- bzw. Schulden-)Deflation zu verhindern. Das führt jedoch zur Abwertung ihrer Währungen gegenüber realen Werten und früher oder später auch zur Währungskrise. Hier sitzen die Notenbanken nun in der Falle: sie können die Zinsen dann nicht mehr drastisch erhöhen, wie dies Paul Volcker Anfang der 1980er Jahre tun musste.
      Nur dadurch konnte er die Stagflation und die resultierende Vertrauenskrise in den US-Dollar nämlich beenden.

    • Vielleicht ist die DIHK etwas dichter dran und beurteilt auch die Unternehmenslage aus Sicht eines Unternehmen. Keine Ahnung was das IFO sieht. Manchmal kommt mir das so vor...
      "wenn wir positiv reden, wird alles positiv" - ich sehe stark steigende Kreditrisiken.
      Die Zinskosten müssen auf Produkte / Dienstleistungen umgelegt werden. Ob die Leute das bezahlen können, ist die Frage. Gehaltsverhandlungen dürften aufgrund AN-Überhang wieder zugunsten des AG drehen. Spätestens, wenn die ersten Insolvenzen Löcher Bilanzen der Bank reißen, wird wieder nachdem Staat gerufen. Dann stellen sich alle wieder hin, haben gewarnt und Bücher darüber geschrieben.
      Spannende Zeit.

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