Konjunktur in Deutschland Arbeitslosenzahl so niedrig wie seit 25 Jahren nicht

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober um 68.000 auf 2,54 Millionen gesunken. Das sind 109.000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr. Eine niedrigere Arbeitslosenzahl gab es zuletzt im Juni 1991.
Update: 02.11.2016 - 13:09 Uhr
Klammert man die für die Jahreszeit üblichen Schwankungen aus, sank die Erwerbslosenzahl um 13.000 und damit überraschend deutlich. Quelle: dpa
Agentur für Arbeit

Klammert man die für die Jahreszeit üblichen Schwankungen aus, sank die Erwerbslosenzahl um 13.000 und damit überraschend deutlich.

(Foto: dpa)

NürnbergDie gute Konjunktur drückt die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf den tiefsten Stand seit einem Vierteljahrhundert. Die Erwerbslosenzahl sank im Oktober nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) um 68.000 auf 2,54 Millionen. Der Rückgang war stärker als in den Vorjahren und kräftiger als erwartet. Eine niedrigere Arbeitslosigkeit gab es zuletzt im Juni 1991. Die Erwerbslosenquote ging auf 5,8 Prozent zurück. „Im Zuge der Herbstbelebung ist die Arbeitslosigkeit deutlich gesunken, die Beschäftigung ist wieder gestiegen und die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern legte weiter zu“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Mittwoch bei der Vorstellung der Zahlen in Nürnberg.

Auch die zuständige Bundesministerin Andrea Nahles äußerte sich positiv: „Der Arbeitsmarkt steht weiter ordentlich unter Dampf und ist ein echter Lichtblick in der jetzt beginnenden dunklen Jahreszeit.“ Klammert man die saisonal üblichen Schwankungen aus, sank die Erwerbslosenzahl mit 13.000 überraschend deutlich. Ökonomen hatten nur ein Minus von 1000 erwartet.

Was im September teurer und was billiger wurde
Preissteigerung
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FIm September 2016 lagen die Verbraucherpreise um 0,7 Prozent höher als im September 2015. Die Inflationsrate liegt damit auf ihrem höchsten Wert seit Mai 2015. Im Vergleich zum August 2016 steigt der Verbraucherpreisindex um 0,1 Prozent und bestätigt damit die vorläufigen Gesamtergebnisse, die das Statistische Bundesamt am 29. September 2016 herausgegeben hatte Für europäische Zwecke wird zudem der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) berechnet. Dieser lag im September 2016 um 0,5 Prozent über dem Wert im Vorjahr. Im Vergleich zum Vormonat August 2016 veränderte sich der Index nicht.

Energiepreise sinken
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Die Energiepreise gingen im September 2016, im Vergleich zum Vorjahr, um 3,6 Prozent zurück. Damit schwächt sich der Rückgang der Energiepreise im Vergleich zu den Vormonaten etwas ab, im Juli 2016 wurde noch ein Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Kraftstoffe und Haushaltsenergie waren im September 2016 um 3,5 beziehungsweise 3,7 Prozent günstiger als im Vorjahr. Am stärksten vergünstigte sich mit einem Rückgang von 12,5 Prozent leichtes Heizöl. Die Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme gingen um 8,1 Prozent zurück, Gas vergünstigte sich um 3,2 Prozent und feste Brennstoffe um 0,8 Prozent. Lediglich beim Strom ist eine Verteuerung von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen.

Nahrungsmittel waren teurer
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Die Preise für Nahrungsmittel haben sich im September 2016 im Vergleich zum Vorjahresmonat verteuert. Zwar lag die Preiserhöhung für Nahrungsmittel insgesamt bei nur 0,4 Prozent, einzelne Nahrungsmittel wurden jedoch deutlich teurer. So lagen die Preise für Speiseöle um 6,5 Prozent höher, die für Butter um zwölf Prozent und Olivenöl verteuerte sich um 9,4 Prozent. Obst verteuerte sich um 3,5 Prozent, Fisch um 3,1 Prozent. Lediglich Molkereiprodukte wurden günstiger, insgesamt war ein Rückgang um sechs Prozent zu verzeichnen. Quark wurde sogar um 17,8 Prozent günstiger, H-Milch um 11,7 Prozent und Schnittkäse um 6,9 Prozent.

Tabakwaren teurer
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Die Warenpreise sanken im September 2016 insgesamt um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Tabakwaren wurden um 3,3 Prozent teurer, Schmuck und Uhren stiegen im Preis um 2,9 Prozent. Zeitungen und Zeitschriften verteuerten sich um 3,9 Prozent. Vergünstigt haben sich hingegen Bekleidungsartikel um 1,0 Prozent, Geräte der Unterhaltungselektronik vergünstigten sich um 2,9 Prozent.

Dienstleistungen verteuern sich
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Bei den Dienstleistungen ist eine Preiserhöhung um insgesamt 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat erkennbar. Die Erhöhung der Nettokaltmieten um 1,3 Prozent trägt maßgeblich dazu bei, da private Haushalte etwa ein Fünftel ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Dienstleistungen sozialer Einrichtungen verteuerten sich sogar um 4,2 Prozent, Versicherungsdienstleistungen um 3,2 Prozent und Freizeit- und Kulturdienstleistungen um 2 Prozent. Nur wenige Dienstleistungsbereiche, wie die Telekommunikationsdienstleistungen vergünstigten sich um 1,5 Prozent.

Verteuerung im Vergleich zum Vormonat
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Betrachtet man die Zahlen im Vergleich zum Vormonat August 2016, ergeben sich in einigen Bereichen deutliche Verteuerungen. So kosteten Schuhe und Schuhzubehör im Vormonatsvergleich 7,5 Prozent mehr, Bekleidungsartikel verteuerten sich um 6,6 Prozent. Dies liegt vor allem in der Umstellung auf die Herbst- und Winterkollektion begründet. Außerdem ist eine Preissteigerung in den Bereichen Energie um 0,7 Prozent, Kraftstoffe um 1,5 Prozent und Heizöl um 2,6 Prozent zu verzeichnen. Die Nahrungsmittelpreise stiegen nur leicht um 0,1 Prozent.

Günstigere Pauschalreisen
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Mit dem Ende der Ferien fallen auch die Preise der Pauschalreisen wieder. Insgesamt gingen die Preise um zwölf Prozent zurück, Reisen ins Inland vergünstigten sich um 6,3 Prozent, Reisen ins Ausland um 12,4 Prozent. Preise für Flugtickets sanken im Vergleich zum Vormonat um 1,9 Prozent.

Der Dämpfer am Arbeitsmarkt nach der Verunsicherung durch das britische Anti-EU-Referendum sei wohl nur vorübergehend, sagte BayernLB-Experte Stefan Kipar. „Auch die erneut auf 691.000 gestiegene Zahl offener Stellen spricht dafür, dass noch Potenzial für einen weiteren kraftvollen Jobaufbau im Arbeitsmarkt steckt.“ Bremsspuren könne es geben, wenn Großbritannien und die EU ab Frühjahr über ihre künftigen Beziehungen verhandelten. Dennoch erwartet KfW-Chefökonom Jörg Zeuner, dass die Firmen 2017 rund 400.000 neue Stellen schaffen.

Weitgehend Vollbeschäftigung herrscht im wirtschaftlich starken Süden. In Bayern liegt die Arbeitslosenquote bei 3,2 Prozent und in Baden-Württemberg bei 3,6 Prozent. Die rote Laterne trägt Bremen (10,0 Prozent) vor Berlin (9,2 Prozent).

Die Bundesagentur legte auch die Ausbildungsbilanz für 2016 vor. Demnach haben mit Beginn des Ausbildungsjahres 20.600 Bewerber noch keine Lehrstelle gefunden. Gleichzeitig gab es Ende September noch 43.500 freie Plätze. Damit veränderte sich die Zahl der unversorgten Kandidaten kaum, während die Zahl der offenen Stellen nochmals stieg. Die Spitzenverbände von Handwerk und Wirtschaft schlossen rund 475.000 Lehrverträge ab und damit so viele wie im Vorjahr. „Der Ausbildungsmarkt zeigt sich trotz Demografie und Studientrend erfreulich stabil“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Rechnerisch seien Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt zwar ausgeglichen, erklärte BA-Vorstand Raimund Becker. Regional gebe es jedoch weiter starke Unterschiede. Bundesweit kämen auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen 106 (Vorjahr: 110) registrierte Bewerber. In Teilen von Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin und Niedersachsen seien es rund 150 Bewerber. Anders sei die Lage in Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Baden-Württemberg und im Saarland. Hier gebe es deutlich mehr Stellen als Bewerber. Becker appellierte an die Kandidaten, vom Traumberuf Abstand zu nehmen und sich auch für andere Jobs zu bewerben. Arbeitgeber wiederum sollten auch bereit sein, schwächere Bewerber einzustellen.

  • rtr
  • dpa
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