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Wirtschaftswachstum

Ein weiterer Grund für das schwächere Wirtschaftswachstum ist eine Abkühlung des Welthandels.

(Foto: dpa)

Konjunktur in Deutschland Staat hat zu wenig investiert – lange Regierungsbildung dämpft das Wachstum

1,8 Prozent dürfte die Wirtschaft nach Einschätzung der Bundesregierung in diesem Jahr wachsen. Auch die Exporte fallen wohl schwächer aus.
Update: 10.10.2018 - 13:44 Uhr Kommentieren

BerlinDeutschlands Wirtschaft wächst in diesem Jahr deutlich langsamer als im Frühjahr erwartet. Die Bundesregierung senkt ihre Wachstumsprognose um einen halben Prozentpunkt auf 1,8 Prozent. Für 2019 und 2020 erwartet sie ebenfalls jeweils ein Plus von 1,8 Prozent. Für dieses und das kommende Jahr hatte die Regierung eigentlich mit einem Wachstum von 2,3 und 2,1 Prozent gerechnet.

Das geht aus der Herbstprojektion der Bundesregierung hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wird und dem Handelsblatt bereits vorliegt.

Das Handelsblatt hatte bereits vergangene Woche unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass das federführende Bundeswirtschaftsministerium in seiner Herbstprognose für dieses Jahr nur noch mit einem Wachstum in Höhe von 1,8 Prozent rechnet.

Als einen Grund für das schwächere Wachstum nennt die Bundesregierung die lange Regierungsbildung: In der Zeit der vorläufigen Haushaltsführung hat der Staat erheblich weniger ausgegeben als zu erwarten gewesen wäre: 0,2 Prozentpunkte Wachstum habe dies in diesem Jahr gekostet. Weitere 0,1 Prozentpunkte sind der Abkühlung des Welthandels geschuldet: Die Exporte werden deshalb schwächer ausfallen als im Frühjahr erwartet.

Die restlichen fehlenden 0,2 Prozentpunkte Wachstum sind einer Datenrevision des Statistischen Bundesamtes geschuldet: Die Wirtschaft startete etwas schwächer ins Jahr 2018 als die vorläufigen Zahlen der Statistiker ausgewiesen hatten.

Aus Sicht der Bundesregierung befindet sich die Wirtschaft aber keinesfalls im Abschwung: „Die konjunkturelle Grunddynamik ist weiter intakt“, heißt es in der Prognose.

Garant für den Aufschwung soll die Nachfrage im Inland bleiben – vor allem der private Konsum und die Bauausgaben. Die Zahl der Erwerbstätigen soll bis 2020 um gut 1,3 Millionen zulegen, die der Arbeitslosen um rund 400.000 sinken und die Erwerbslosenquote auf 4,8 Prozent fallen.

Nach der Analyse der Konjunkturexperten des Wirtschafts- und des Finanzministeriums ist es die Binnenwirtschaft, die den Aufschwung weiter trägt. Die Exortwirtschaft hat demgegenüber weniger Dynamik als zu Jahresbeginn erwartet.

Industrieproduktion sinkt weltweit

Weltweit, so die Experten, habe die Industrieproduktion an Schwung verloren und wird nach 3,7 Prozent im Jahr 2018 auch 2019 und 2020 nur mit 3,6 und 3,5 Prozent zulegen. Deshalb wurde die Exportprognose nach unten korrigiert.

Weil aber dank des starken Konsums die Importe stärker zunehmen, erwartet die Bundesregierung, dass der viel kritisierte deutsche Leistungsbilanzüberschuss sinken wird: von 7,9 Prozent im Jahr 2017 über 7,6 Prozent in diesem Jahr bis auf 6,7 Prozent im Jahr 2020. Nach den Regeln der EU darf der Leistungsbilanzüberschuss allerdings nicht mehr als sechs Prozent betragen. Deutschland gelingt es aber immerhin nach Jahren, den Überschuss erstmals sichtbar zu verringern.

Die Investitionen in Deutschland werden weiter steigen, sowohl durch staatliche Investitionen in Infrastruktur als auch durch den Bauboom. Am Bau sollen sie jährlich jeweils um drei Prozent zulegen. Dass trotz der hohen Nachfrage nicht noch mehr investiert wird, liegt laut Bundesregierung am Mangel an Arbeitskräften.

DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen fürchtet allerdings, dass ein Großteil des Wachstums in der Baubranche vor allem ein Wachstum der Preise sein wird. „Die Bauindustrie arbeitet an der Kapazitätsgrenze, die Auftragsbücher sind prall gefüllt – mehr als vier Monate im Voraus sind die Unternehmen im Durchschnitt ausgebucht“, schrieb er am Mittwoch in einer neuen Studie.

Arbeitnehmer können höhere Gehälter verlangen

Bei Handwerkern bekomme man inzwischen schwerer einen Termin als beim Facharzt, so Michelsen. Deshalb würden die Bauunternehmer ihre Preissetzungsspielräume nutzen. „Mit dem Baukindergeld und den Sonderabschreibungen für Mietwohnungen gießt die Politik kräftig Öl ins Feuer“, kritisierte er die Regierung.

Wie es in der Prognose weiter heißt, speist sich die Zunahme an Beschäftigung nicht aus dem Kreis der Arbeitslosen. „Vielmehr ist es die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren sowie der Zuzug aus dem Ausland“, der die Zahl der Erwerbstätigen nach oben treibe.

Der Mangel an Arbeitskräften ist eine gute Nachricht für Arbeitnehmer: Sie können in Lohnverhandlungen höhere Gehälter durchsetzen, erwartet die Bundesregierung. Der Konsum werde daher weiter spürbar zulegen – zumal die Regierung nicht mit einer Zunahme der Inflation rechnet: Sie soll in diesem Jahr bei 1,9 Prozent und auch in den Folgejahren knapp unter zwei Prozent betragen.

Das größte Risiko für das Wachstum wird auch in den nächsten beiden Jahren von außen auf die deutsche Wirtschaft einwirken. „Das zentrale Risiko ist die weitere Eskalation des globalen Handelskrieges, welches die deutschen Exporte empfindlich treffen könnte“, heißt es in der Regierungsprognose.

Noch ist zum Beispiel unklar, ob US-Präsident Donald Trump Importzölle auch auf europäische Autos und weitere Warengruppen verhängen wird. Experten befürchten, dass der US-Präsident nach den Kongresswahlen im November den Handelsstreit erneut eskalieren könnte.

Die weiteren Risiken sieht die Bundesregierung in einem womöglich ungeordneten Brexit und darin, dass sich Wirtschaftskrisen wie in der Türkei und Argentinien auf weitere Schwellenländer ausdehnen könnten. Wenn diese Risiken Realität würden, fiele das Wirtschaftswachstum in Deutschland schwächer aus.

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