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Konjunktur Ökonomen sehen durch Freizeit-Lockdown nur geringen Schaden für die Wirtschaft

Konjunkturforschern zufolge schadet der „Lockdown light“ den meisten Branchen weniger als befürchtet. Die Industrie bleibt auch im November ein Motor für die Konjunktur.
23.11.2020 - 16:44 Uhr Kommentieren
Die Industrie in Deutschland kommt trotz des „Lockdown Light” bislang gut durch die Coronakrise. Quelle: dpa
Ein Metaller bei der Arbeit

Die Industrie in Deutschland kommt trotz des „Lockdown Light” bislang gut durch die Coronakrise.

(Foto: dpa)

Berlin Die geplante Verlängerung des „Lockdown light“ stößt bei Ökonomen auf Akzeptanz. „Mein Eindruck ist, dass Bund und Länder an ihrem Grundansatz festhalten: Weiterarbeiten, aber in der Freizeit die Kontakte einschränken. Das ist ein starker Schutz für die deutsche Wirtschaft“, sagte Wirtschaftsweisen-Chef Lars Feld dem Handelsblatt.

Auch Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), bedauert zwar, dass Gastronomen, Hoteliers, Veranstalter und Künstlern temporär Berufsverbot haben. Aber: „Der ‚Lockdown light‘ verursacht längst nicht so große Schäden in der Wirtschaft wie der Frühjahrs-Lockdown“, sagte Hüther. Denn: „Die Industrie ist auch im November weiter auf Expansionskurs.“

Das zeigen die am Montag veröffentlichten Einkaufsmanager-Umfragen des britischen IHS-Markit-Instituts für den November. Demnach hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager im Euro-Raum zwar deutlich eingetrübt: Der Frühindikator liegt jetzt mit 45,1 Punkten deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Für Deutschland aber zeigt der Index mit 52 Punkten weiterhin Wachstum an, wenn auch ein schwächeres als im Oktober, als er bei 55 Punkten lag.

Die Industrie blieb mit 62,7 Punkten klar auf Wachstumskurs: Sie profitierte vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien. „Ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 dürfte deutlich schwächer ausfallen als im ersten Halbjahr“, sagte IHS-Markit-Direktor Phil Smith.

Eine belebende Wirkung zeigte in dieser Umfrage zudem die Aussicht auf wirksame Impfungen. Ihre Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist beurteilten die Einkäufer so positiv wie zuletzt im März 2018. Von den neuen Kontaktbeschränkungen getroffen wurde der Servicesenktor, während die Industrie weiter wächst.

„Wir haben gesehen, dass sich die Auftragseingänge nach dem ersten Lockdown zackig erholt haben und dem Trendpfad vor Corona folgen“, sagt Ökonom Hüther. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach der Frühjahrs-Rezession um 8,2 Prozent gewachsen.

Droht der Absturz im kommenden Frühjahr?

Weil auch der Oktober noch gut lief, erwartet Hüther jetzt für das vierte Quartal „schlimmstenfalls Stagnation, aber kein Minus“. Problematischer wird aus seiner Sicht das erste Quartal 2021: Das Weihnachtsgeschäft ist dann vorbei, und die temporäre Mehrwertsteuersenkung endet.

Die Wirtschaftsweisen hatten die Bremswirkung des „Lockdown light“ bereits in ihr Jahresgutachten vom 11. November einbezogen. „Wir haben zudem angenommen, dass sich Einschränkungen über den Winter hinziehen werden“, sagte Wirtschaftsweisen-Chef Feld. Für 2021 erwarten die Wirtschaftsweisen ein Wachstum von 3,7 Prozent. Wichtig sei, dass die Schulen geöffnet blieben. Sonst gäbe es einen stärkeren Rückgang, weil viele Eltern dann ihre Arbeitszeit einschränken müssten.

Die Pandemie ohne Kontakteinschränkungen einfach laufen lassen, dazu rät hierzulande kein Spitzenökonom. „Zu zögerliche Maßnahmen würden noch mehr Schaden für die Wirtschaft bedeuten“, sagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat festgestellt, dass die wirtschaftliche Lage schlimmer wird, sobald das Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt: Dann blieben viele Menschen freiwillig zu Hause, was die Wirtschaft wie ein harter Lockdown schädige.

Was den Umfang der Entschädigungen für Unternehmen betrifft, gehen die Meinungen der Ökonomen auseinander: „Aus rein wirtschaftlichen Gründen halte ich es für sinnvoller, weniger zu entschädigen“, sagte Feld. „Gerade im Gastrobereich funktioniert die kreative Zerstörung am ehesten: Eine Kneipe ist doch schnell neu eröffnet, wenn es wieder geht“, sagte er.

Allerdings sei die Kompensation von Umsatzausfällen wohl aus rechtlichen Gründen notwendig, wenn nur einzelne Branchen geschlossen werden, und nicht alle Firmen. „Aus wirtschaftlichen Gründen ist es jedenfalls besser, selektiv Branchen zu schließen und sie zu entschädigen, als einen umfassenden Lockdown zu beschließen“, sagte Feld. Zumal die geschlossenen Branchen lediglich für vier Prozent des deutschen BIP stehen.

Fratzscher widerspricht dem, und verlangt, dass der Staat der Wirtschaft weiter zur Seite stehen sollte. „Allerdings kann er die ausgefallenen Umsätze nicht dauerhaft ersetzen“, mahnte er. Den Firmen sollte geholfen werden, ihre Kosten zu ersetzen. „Solo-Selbstständigen könnte durch eine Ausnahmeregelung Zugang zum Kurzarbeitergeld ermöglicht werden, damit sie nicht auf Hartz IV zurückfallen“, schlug er vor.

Hüther findet dagegen, der Staat solle die Novemberhilfen einfach bis zum 20. Dezember verlängern. „Es wäre schon rein verwaltungsmäßig nicht praktikabel, sie dauernd zu ändern“, sagte er. Und: „Wenn ab Mitte Dezember wirklich mit Impfungen begonnen werden kann, dann wird das Ende der Pandemie schnell in Sicht kommen.“

Mehr: Das bedeutet die neue asiatische Freihandelszone für deutsche Unternehmen

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