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Konjunktur Stärkstes Exportwachstum seit fast zwei Jahren – und dennoch droht die Rezession

Der deutsche Export wuchs im September überraschend stark. Trotzdem sehen Experten vermehrt Hinweise für eine beginnende Rezession.
Update: 08.11.2019 - 10:36 Uhr Kommentieren
Deutsche Exporteure überraschen mit kräftigem Wachstum Quelle: dpa
Hamburger Hafenkräne

Nach den ersten neun Monaten des Jahres steht bei den erfolgsverwöhnten Exporteuren ein vergleichsweise mageres Umsatzplus von 0,9 Prozent zu Buche.

(Foto: dpa)

Berlin, Frankfurt Die von Handelskonflikten, schwacher Weltkonjunktur und Brexit-Chaos gebeutelten deutschen Exporteure haben im September das stärkste Wachstum seit fast zwei Jahren erzielt. Ihre Ausfuhren stiegen um 1,5 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Eine stärkere Zunahme gab es zuletzt im November 2017.

Die Exportzahlen sind die letzten wichtigen Wirtschaftsdaten zum dritten Quartal, bevor am nächsten Donnerstag das Statistische Bundesamt die Schnellschätzung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Quartals veröffentlicht.

Das aktuell eher schlechte Gesamtbild können die Exporte aber nur noch wenig aufhellen. Es ist bereits bekannt, dass die Industrieproduktion, die die Hauptbasis für die Exporte darstellt, im September um 0,6 Prozent und im gesamten Quartal um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken ist. Soweit die besseren Exportzahlen sich als statistisch robust erweisen, würden sie vor diesem Hintergrund trotzdem bedeuten, dass die Nachfrage in Deutschland, selbst nach Industrieprodukten, im dritten Quartal besonders schwach war.

Viele Analysten rechnen daher trotz des leichten Lichtblicks bei der Auslandsnachfrage damit, dass die gesamte Wirtschaftsleistung im dritten Quartal leicht rückläufig war. Es wäre der zweite Rückgang in Folge, was nach einer gängigen Faustregel als Kennzeichen einer Rezession gewertet wird.

Ein stagnierendes oder ganz leicht positives BIP-Wachstum ist allerdings auch eine gängige Prognose. So kommentiert Ökonom Carsten Brzeski von der Großbank ING: „Mit diesen Daten ist eine Rezession keine ausgemachte Sache mehr. Während sich die Industrie zweifellos in der Rezession befindet, könnte die gesamte deutsche Wirtschaft in letzter Minute eine weitere Schrumpfung – und damit eine technische Rezession – noch vermeiden.“

Sowohl die Monatswerte zu den Exporten als auch die BIP-Schnellschätzungen haben allerdings eine beträchtliche Unsicherheitsmarge. Von Reuters befragte Ökonomen wurde bei ihrer Export-Schätzung übertroffen: Sie hatten lediglich mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet, nachdem es im August noch ein Minus von revidiert 0,9 (bisher: minus 1,8) Prozent gegeben hatte. Die Importe legten diesmal um 1,3 Prozent zu und damit den zweiten Monat in Folge.

Starkes Geschäft mit EU-Staaten

Im Vergleich zum September 2018 stiegen die Ausfuhren um 4,6 Prozent auf 114,2 Milliarden Euro. Für Impulse sorgte hier vor allem das Geschäft mit den EU-Staaten, das mit 5,6 Prozent überdurchschnittlich zulegte. Die Exporte außerhalb der EU – wozu die beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China gehören – legten dagegen nur um 3,2 Prozent zu.

Nach den ersten neun Monaten des Jahres steht bei den erfolgsverwöhnten Exporteuren allerdings nur ein vergleichsweise mageres Umsatzplus von 0,9 Prozent zu Buche. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für dieses Jahr insgesamt nur mit einem Mini-Wachstum von 0,3 Prozent.

2020 sollen die Exporte sogar um 0,5 Prozent schrumpfen. In normalen Zeiten kommt Deutschland dem DIHK zufolge auf ein durchschnittliches Exportwachstum von 5,5 Prozent. „Ein weiterer Lichtblick, der auf eine konjunkturelle Bodenbildung hoffen lässt“, beurteilt Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe die September-Zahlen der Exporteure. „Doch die außenwirtschaftlichen Bremsklötze sind weiterhin noch nicht aus dem Weg geräumt. Unternehmen dürften unverändert eher Zurückhaltung wahren, was einer nun durchgreifenden Konjunkturbelebung entgegensteht.“

Mehr: Trotz Industrie-Rezession in Deutschland steigern die meisten Dax-Konzerne ihre Umsätze und Gewinne, zeigt eine exklusive Auswertung. Nicht nur Sparprogramme schützen vor der Krise.

  • noh
  • rtr
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