Konjunktur USA Starke Arbeitsmarkt-Signale deuten auf Zinserhöhung

Der Arbeitsmarkt der USA brummt: Im November entstanden weit mehr neue Stellen als nötig wären. Das begünstigt die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinserhöhung. Das Sorgenkind bleibt jedoch der geringe Lohnanstieg.
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In den Vereinigten Staaten entstehen zahlreiche neue Jobs. Quelle: dpa
US-Arbeitsmarkt

In den Vereinigten Staaten entstehen zahlreiche neue Jobs.

(Foto: dpa)

Washington/BerlinDer US-Arbeitsmarkt hat mit einem überraschend kräftigen Stellenaufbau den Boden für eine baldige Zinserhöhung bereitet. Die Regierung in Washington meldete am Freitag 228.000 neue Jobs im November und damit fast 30.000 Stellen mehr als von Experten erwartet. Der Zuwachs fiel damit mehr als doppelt so stark aus wie nötig wäre, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote liegt weiter bei 4,1 Prozent – das entspricht Vollbeschäftigung. Die Daten bestärkten die Vermutung von Experten, dass die US-Notenbank in der nächsten Woche erneut den Leitzins anhebt.

Insbesondere im Einzelhandel werden händeringend Arbeitskräfte gesucht: So hat jüngst die Warenhauskette Macy's angekündigt, sich mit 7000 zusätzlichen Mitarbeitern für den Kundenansturm zur Weihnachtszeit zu rüsten. Die Stimmung der Verbraucher hat sich im Dezember jedoch unerwartet eingetrübt, wie die Universität Michigan zu ihrem Barometer mitteilte.

Trotz dieses leichten Dämpfers dürfte die dritte Zinsanhebung in diesem Jahr nun kommen: „Eine Anhebung nächste Woche ist praktisch beschlossene Sache“, prophezeit Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Wie er rechnen auch viele andere Experten für kommenden Mittwoch fest mit einer Erhöhung um einen Viertelpunkt: Zuletzt hatte die Notenbank Fed den Zins im Juni auf die aktuell gültige Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent hochgesetzt. Die Fed soll Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern. Den ersten Teil des Pflichtenhefts kann die Notenbank nun abhaken, bei der Inflationsrate ist sie jedoch noch nicht ganz so weit.

Daher hoffen die Währungshüter, dass sich mehr Lohndruck aufbaut, womit auch der Preisauftrieb näher an die angestrebte Inflationsrate von zwei Prozent heranrücken würde. Die Stundenlöhne legten im November jedoch nur mäßig um 0,2 Prozent zu: „Damit bleibt die schwache Lohnentwicklung ein Sorgenkind. Bei einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent würde man eigentlich einen stärkeren Lohnanstieg erwarten“, meint Martin Moryson, Chefvolkswirt der Bank Sal. Oppenheim.

Die Vollbeschäftigung geht mit einem kräftigen Wirtschaftsaufschwung einher, den Präsident Donald Trump mit Steuersenkungen noch stärker anheizen möchte: „Die guten Job-Zahlen belegen einmal mehr, dass die Wirtschaft eigentlich keines zusätzlichen Stimulus bedarf. Die Steuerreform kommt zur Unzeit“, so Moryson. Zwischen Juli und September legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,3 Prozent zu – das stärkste Wachstum seit drei Jahren. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, der „größte Job-produzierende Präsident“ seines Landes zu werden, „den Gott je geschaffen hat“. Allerdings brummte der Arbeitsmarkt auch schon unter seinem Vorgänger Barack Obama, und der Staat hatte in den vergangenen beiden Monaten unter dem Strich Jobs abgebaut. Nun änderte sich das Bild: Im Dezember entstanden 7000 Stellen.

  • rtr
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