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Baustelle in China

Die Wirtschaft der Volksrepublik hat sich im zweiten Quartal etwas erholt.

(Foto: ddp/Guanghui Gu / Costfoto/Sipa USA)

Konjunktur Welt im Abschwung: Angst vor einer zweiten Welle trübt Hoffnung auf zügige Erholung

In Deutschland und den USA bricht die Wirtschaft zweistellig ein. Wie rasch es mit der Konjunktur wieder aufwärtsgeht, hängt insbesondere von drei Faktoren ab.
30.07.2020 - 18:30 Uhr Kommentieren

Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft in die tiefste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt. Im zweiten Quartal ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 10,1 Prozent eingebrochen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Von diesem Einbruch sind alle Bereiche der Wirtschaft betroffen: Außenhandel, Konsum und Investitionen.

Auch die USA, die weltweit größte Volkswirtschaft, erlitten einen Einbruch um zehn Prozent. Nach Angaben amerikanischer Statistiker, die das Quartalsergebnis auf das Jahr hochrechnen, beträgt das Minus sogar 32,9 Prozent.

Zusätzlich dämpft die Angst vor einer zweiten Infektionswelle die Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft. US-Ökonom Kenneth Rogoff bezeichnet die Lage der Weltwirtschaft als „prekär“. „Eine nachhaltige Erholung wird erst dann einsetzen, wenn die Pandemie wirklich überwunden ist“, sagte der Harvard-Ökonom dem Handelsblatt.
Nur aus China, dem Ursprungsland der Pandemie, gab es zuletzt Hoffnungssignale. Im zweiten Quartal ist die Wirtschaft immerhin um 3,2 Prozent gewachsen, nachdem das Minus in den ersten drei Monaten des Jahres 6,8 Prozent betrug. Experten bezweifeln allerdings, dass die Entwicklung nachhaltig ist.

Immerhin ist in China die Eindämmung des Virus weitgehend gelungen. In den USA dagegen nimmt die Zahl der Neuinfektionen seit Ende Juni dramatisch zu. Präsident Trump schließt dennoch nationale Aktionen zur Eindämmung aus, vor allem weil er die Wirtschaft nicht belasten will.

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    Denn das könnte seine Wiederwahl im November gefährden. Jetzt kündigte Trump per Tweet an, dass er eine Verschiebung der Wahl für möglich halte – um „Wahlbetrug“ zu verhindern, so Trump. Seine Gegner sagen, er mache das, um Zeit für eine Erholung der Wirtschaft zu gewinnen.

    Verdoppeltes Rekordminus

    Allein die Zahl macht die ganze Dimension der Coronakrise in Deutschland deutlich: 10,1 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sank die Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal preisbereinigt sogar um 11,7 Prozent. Das bisherige Rekordminus aus der Finanzkrise hat sich mehr als verdoppelt – Anfang 2009 war die Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent zurückgegangen. Nicht nur der Außenhandel ist in diesem Frühjahr massiv eingebrochen, auch der private Konsum und die Investitionen.

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    Dennoch versucht Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts, zu beschwichtigen. In den USA und in Deutschland sei die Wirtschaftsleistung vor allem wegen des staatlich verordneten Lockdowns drastisch eingebrochen. „Aus dem Einbruch im zweiten Quartal lassen sich deshalb nur eingeschränkt Schlussfolgerungen ziehen für die Wirtschaftsleistung des Jahres insgesamt“, sagte Fuest dem Handelsblatt.

    Selbst wenn Stimmungsindikatoren wie das GfK-Konsumbarometer oder das Ifo-Geschäftsklima seit Längerem wieder nach oben weisen, ist die deutsche Wirtschaft aus Sicht von Ökonomen längst nicht über den Berg: Sie werde noch lange brauchen, um ihr Vorkrisenniveau wieder zu erreichen, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Wir belassen unsere Prognose für das gesamte Jahr 2020 bei minus 5,5 Prozent.“

    Krämer ist damit optimistischer als die Bundesregierung. Das Wirtschaftsministerium rechnet in seiner Ende April veröffentlichten Frühjahrsprojektion für dieses Jahr mit einem preisbereinigten BIP-Rückgang um 6,3 Prozent. 2021 soll die Wirtschaftsleistung dann wieder um 5,2 Prozent zulegen.

    „Für das Gesamtjahr wird sich ein kräftiger Rückgang der Wirtschaftsleistung ergeben“, betont auch Ifo-Chef Fuest. Aber er werde nicht so schlimm ausfallen, wie die Zahlen für das zweite Quartal suggerierten.

    Wie schnell geht es aufwärts?

    Die entscheidende Frage ist, wie rasch es mit der Konjunktur wieder aufwärtsgeht. Das hänge von den „drei I“ ab, sagte Daniel Terzenbach, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA), am Donnerstag bei der Präsentation der Arbeitsmarktdaten: dem Infektionsgeschehen weltweit, den Investitionen und den Insolvenzen.

    Wenn in den USA, Brasilien oder Indien die Infektionszahlen explosionsartig steigen oder europäische Nachbarländer wieder über einen Lockdown nachdenken, muss das der exportorientierten deutschen Wirtschaft Sorgen bereiten. Denn rund jeder zweite in Deutschland erwirtschaftete Euro wird mit dem Auslandsgeschäft verdient. Von Januar bis Mai sind die deutschen Ausfuhren verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 14,1 Prozent zurückgegangen.

    Die wirtschaftliche Entwicklung in wichtigen Exportmärkten lässt keine schnelle Erholung erwarten. In den EU-Staaten ist der reale Pro-Kopf-Konsum im ersten Vierteljahr um fast drei Prozent gesunken, so stark wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung 1999.

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    China als Deutschlands wichtigster Handelspartner hat die Coronakrise schnell in den Griff bekommen und erlebt nach einem Wirtschaftseinbruch im ersten Quartal bereits wieder moderates Wachstum. Die Weltwirtschaft insgesamt sei aber „noch nicht aus dem Schneider“, hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, jüngst in einem Blogeintrag betont. Der Fonds geht davon aus, dass die globale Wirtschaft dieses Jahr um drei Prozent schrumpft.

    Neben dem Außenhandel ist die Investitionstätigkeit der Unternehmen entscheidend für die konjunkturelle Erholung. Die war aber schon vor Corona eine Achillesferse der deutschen Wirtschaft. Die Industrie steckte schon lange vor Ausbruch der Pandemie in der Rezession – wegen der internationalen Handelsstreitigkeiten und der Brexit-Sorgen, aber auch wegen des Strukturwandels etwa in der Autoindustrie. Entsprechend hielten sich die Firmen mit dem Kauf neuer Maschinen oder Anlagen zurück.

    Pleitewelle droht

    Von Januar bis März dieses Jahres sind die Ausrüstungsinvestitionen um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken. Für eine nachhaltige Erholung sei nun vor allem wichtig, dass die Unternehmen richtig investierten, sagt Ökonom Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

    Die anhaltende Pandemie werde den Strukturwandel in Richtung der digitalen Ökonomie rasch beschleunigen. Die Politik dürfe nun der erfolgreichen Rettungspolitik nicht eine „chancenlose Konservierungspolitik mit Subventionierung der Vor-Corona-Welt“ folgen lassen, mahnt der Ökonom.

    Was die Insolvenzen angehe, sei die Lage in Deutschland bislang „auffällig unauffällig“, sagte BA-Vorstand Terzenbach. Noch bis Ende September ist die Insolvenzantragspflicht wegen Corona ausgesetzt. Das hat neben der Kurzarbeit mit dazu beigetragen, dass die Arbeitsagentur bislang nur rund 635.000 zusätzliche Arbeitslose auf die Folgen der Pandemie zurückführt.

    Allerdings könnte im Herbst eine Pleitewelle drohen, wenn die Insolvenzregelung ausläuft. Nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform sind rund 125.000 Arbeitsplätze durch Insolvenzen bedroht oder bereits weggefallen. Laut einer Ifo-Umfrage von Anfang Juli sieht jedes fünfte Unternehmen seine Existenz bedroht.

    Börsenkurse brechen ein

    Der Wirtschaftseinbruch im zweiten Quartal hat jetzt auch die Anleger in Aufregung versetzt. Von seinem Tief im März bis zum Donnerstag hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) bereits wieder 50 Prozent an Wert gewonnen. Doch nach den Horrorzahlen der Wiesbadener Statistiker gaben die Kurse der 30 größten börsennotierten Konzerne zeitweise um mehr als vier Prozent nach. Ohnehin war es unwahrscheinlich, dass die zeitweise Rally Bestand hat.

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    Ob an der Wall Street in den USA, in Europa oder Asien: In allen Ländern haben sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen verschlechtert. Jedes zweite Unternehmen zog seine Jahresprognose zurück, nachdem die Regierungen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben zurückgefahren hatten.

    Im ersten Quartal brachen die Unternehmensgewinne in Deutschland um gut 25 Prozent ein, im zweiten Quartal dürften es mehr als 50 Prozent werden. Die ersten Berichte für die Monate April bis Juni lassen noch Schlechteres erwarten. Der Spezialchemiekonzern Covestro bilanzierte einen Nettoverlust von 32 Millionen Euro, der weltgrößte Chemiehersteller BASF von 878 Millionen, der Autobauer Volkswagen von 1,6 Milliarden und beim Wettbewerber Daimler waren es sogar 1,9 Milliarden Euro.

    Im Wochenrhythmus senken Analysten inzwischen ihre Gewinnschätzungen in fast allen Branchen: „In diesem Jahr könnten die Unternehmensgewinne im Dax um 50 Prozent und mehr einbrechen, stärker als in früheren Rezessionen“, warnt der Chefanlagestratege der DZ Bank, Christian Kahler. Zwar gehen Unternehmen wie BASF und VW davon aus, dass mit dem zweiten Quartal der Tiefpunkt erreicht ist. Doch das bedeutet keine rasche Rückkehr zur Normalität – erst recht nicht abseits der Börse.

    Denn sollte es wirklich zu einer Pleitewelle kommen, leitet sich daraus eine gefährliche Kettenreaktion ab: steigende Arbeitslosigkeit, weniger Steuereinnahmen, Konsum und Investitionen – und damit noch weniger Wirtschaftswachstum.

    Mehr: Der Geier kreist: Warum vielen deutschen Unternehmen die Pleite droht.

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