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Konjunktur Wirtschaftsforscher senken Wachstumsprognosen deutlich

Der jahrelange Konjunkturboom hat ein Ende, sagen führende Wirtschaftsinstitute. Für 2019 schrauben sie ihre Erwartungen auf 0,8 Prozent herunter.
Update: 04.04.2019 - 11:10 Uhr Kommentieren
Die Wirtschaftsinstitute mahnen die Politik, mehr Investitionsanreize für Unternehmen zu setzen. Quelle: dpa
Duisburger Hafen

Die Wirtschaftsinstitute mahnen die Politik, mehr Investitionsanreize für Unternehmen zu setzen.

(Foto: dpa)

Berlin Die führenden Wirtschaftsinstitute rufen das Ende des jahrelangen Konjunkturbooms in Deutschland aus. Für 2019 stampften sie ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes auf 0,8 Prozent ein, nachdem sie im Herbst noch mit 1,9 Prozent gerechnet hatten.

„Der langjährige Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist zu Ende“, sagt der stellvertretende Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, zu der an diesem Donnerstag veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose. „Die Gefahr einer ausgeprägten Rezession halten wir jedoch bislang für gering.“

Auch Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft Kiel beschwichtigt an diesem Donnerstag in Berlin: „Die deutsche Wirtschaft hat sich abgekühlt, aber sie friert noch nicht.“

Für 2020 sagen die Experten unverändert ein Wachstum von 1,8 Prozent voraus. Kommt es zu einem ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens dürfte das Wirtschaftswachstum sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr „deutlich niedriger“ als bislang veranschlagt ausfallen. Risiken sehen die Experten außerdem im noch ungelösten Handelsstreit zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China.

National bremsten Fachkräftemangel, Lieferengpässe sowie Schwierigkeiten in der Autoindustrie die Konjunktur. „Auch die deutsche Wirtschaftspolitik schafft Risiken, etwa indem sie die langfristige Stabilität der gesetzlichen Rentenversicherung durch erhebliche Leistungsausweitungen belastet, die aus dem Beitragsaufkommen nicht zu finanzieren sein werden“, kritisieren die Institute. „Dies lässt Steuererhöhungen erwarten, die Deutschland als Investitionsstandort weniger attraktiv machen.“

Die Politik sollte stärker darauf ausgerichtet werden, die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern. Der Beschäftigungsaufbau dürfte sich zwar fortsetzen, aber an Fahrt verlieren. Die Zahl der Erwerbstätigen soll bis 2020 auf 45,5 Millionen steigen, was rund 700.000 mehr wären als 2018. Gleichzeitig soll die Zahl der Arbeitslosen auf 2,1 Millionen sinken.

Trotz der trüberen Konjunktur rechnen die Experten auch mit anhaltend kräftigen Staatsüberschüssen. Im laufenden Jahr sollen das Plus bei 41,8 und 2020 bei 35,6 Milliarden Euro liegen.

Die Gemeinschaftsdiagnose dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Prognosen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Sie hatte ihre Schätzung für dieses Jahr zuletzt auf 1,0 Prozent fast halbiert und geht im kommenden Jahr von einem Plus von 1,6 Prozent aus. Erarbeitet wird das Gutachten vom RWI in Essen, vom DIW in Berlin, vom Ifo-Institut in München, vom IfW in Kiel und vom IWH.

Im Inland dagegen läuft vor allem die Bauwirtschaft weiter auf Hochtouren. Auch die Löhne entwickelten sich kräftig, dies stärke den privaten Konsum, sagte Holtemöller vom IWH Halle. Laut Prognose legen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte im laufenden Jahr voraussichtlich um 3,1 Prozent und im kommenden Jahr um 3,3 Prozent zu. Holtemöller verwies auch auf Entlastungen etwa bei Abgaben oder der Einkommensteuer.

Verbraucher müssen laut der Prognose ferner keine stark steigenden Preise fürchten: Die Inflationsrate bleibe moderat. Die Institute erwarten im Jahresdurchschnitt eine Preissteigerung von 1,5 Prozent im Jahr 2019 und 1,8 Prozent im Jahr 2020. Auch der Arbeitsmarkt bleibe stabil. Es werden weiter neue Jobs geschaffen - aber in einem geringeren Umfang.

Kritik äußerten die Wirtschaftsforscher am Kurs der Bundesregierung in der Haushaltspolitik. Um einer „Schwarzen Null“ willen - also einem Haushalt ohne neue Schulden - sollte der Konjunktur nicht hinterhergespart werden, hieß es. Die Schuldenbremse und europäische Vorgaben ließen konjunkturbedingte Defizite ausdrücklich zu.

Altmaier bleibt optimistisch

Trotz zuletzt wachsender Konjunktursorgen rechnet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit einem baldigen Ende der Wirtschaftsflaute. „Die im zweiten Halbjahr 2018 zu beobachtende Abkühlung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird im Verlauf dieses Jahres allmählich überwunden, und die Auftriebskräfte gewinnen wieder die Oberhand“, erklärte Altmaier am Donnerstag.

„Dieses Jahr wird sich die Konjunktur wieder beleben, ohne allerdings die hohe Dynamik zurückliegender Jahre zu erreichen“, sagte der CDU-Politiker.

Brexit 2019
  • dpa
  • rtr
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