Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konjunktur Wirtschaftsweise: Erholung der deutschen Wirtschaft hat begonnen

Der Sachverständigenrat erwartet für 2020 einen Wachstumseinbruch um 6,5 Prozent. Eine zweite Coronawelle könnte den beginnenden Aufschwung gefährden.
23.06.2020 - 12:02 Uhr Kommentieren

Berlin

Nach dem Corona-Schock erwartet der Sachverständigenrat eine Erholung der Konjunktur. Doch das Coronavirus bleibt ein Risikofaktor. Quelle: dpa
Hafen von Qingdao

Nach dem Corona-Schock erwartet der Sachverständigenrat eine Erholung der Konjunktur. Doch das Coronavirus bleibt ein Risikofaktor.

(Foto: dpa)

Auch wenn die Unsicherheit über die weitere Wirtschaftsentwicklung hoch bleibt: Der schlimmste Teil der Corona-Rezession liegt hierzulande hinter uns. Das stellen an diesem Dienstag auch die Wirtschaftsweisen in ihrer neuen Konjunkturprognose fest.

Sie bestätigen damit die Sommerprognosen von Forschungsinstituten. Auch die jüngsten Frühindikatoren weisen auf den einsetzenden Wiederaufschwung hin. So zeigt der ebenfalls am Dienstag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex von IHS-Markit, dass sich „Deutschland im Juni weiter aus der Talsohle kämpft“ und sich auch in der Euro-Zone die Talfahrt „spürbar abgeschwächt“ hat. Der Index stieg stark und zeigte nur noch ein leichtes Minus gegenüber der Vorkrisenzeit im Februar an. 

Der Absturz des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zu Ende gehenden zweiten Quartal war allerdings heftig, so die Wirtschaftsweisen: Er dürfte zwölf Prozent betragen, ein in der Bundesrepublik nie da gewesener Einbruch.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Durch den seit Mai einsetzenden Aufschwung wird demnach bis Ende des Jahres ein Minus von 6,5 Prozent für 2020 bleiben. 2021 werde die Wirtschaft dann um 4,9 Prozent zulegen.

    Die Prognose der Weisen liegt damit im Rahmen der Erwartungen der Bundesregierung, großer Forschungsinstitute, der Bundesbank und der OECD: Sie rechnen 2020 mit einer Rezession zwischen fünf und sieben Prozent, wobei die jüngsten Prognosen um sechseinhalb Prozent liegen.

    Für das nächste Jahr ist die Unsicherheit, abzulesen an der Streubreite der Prognosen, noch groß: Die Aufschwungserwartungen liegen zwischen drei und 6,4 Prozent.

    Keine schnelle Erholung am Arbeitsmarkt

    Trotz der hoffnungsvollen Aussichten erwartet der fünfköpfige Rat der Wirtschaftsweisen um seinen Vorsitzenden Lars Feld, dass das Bruttoinlandsprodukt frühestens 2022 wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen wird.

    Am Arbeitsmarkt sei mit einer schnellen Erholung in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Dazu dürften Arbeitsvolumen und Erwerbstätigkeit zu stark zurückgehen.

    Zwar habe die Kurzarbeit den Arbeitsmarkt gestützt, so die Weisen. Aber angesichts der Ifo-Schätzung, nach der im Mai jeder fünfte sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer in Kurzarbeit gewesen sein könnte, werde die Erholung Zeit brauchen.

    Für dieses und nächstes Jahr erwarten die Wirtschaftsweisen daher eine Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent; das sind 1,2 Prozentpunkte mehr als vor Corona. Im Vergleich zur Bundesagentur für Arbeit sind die Weisen mit der Erwartung, dass eine halbe Million Arbeitsplätze verloren gehen, „noch optimistisch“, sagte Feld.


    Grafik


    Der Konjunktur helfen jedenfalls die Überbrückungshilfen und das Konjunkturpaket der Bundesregierung. Ohne diese Maßnahmen läge das BIP 2020 und 2021 jeweils um einen Prozentpunkt niedriger, so die Weisen. Wie stark dabei letztlich die Mehrwertsteuersenkung den Konsum ankurbeln wird, hänge davon ab, wie sehr die Händler die Preise senkten.

    Wichtig sei zudem, die Maßnahme zeitlich bis Ende Dezember zu begrenzen: Nur dann würden Käufe von Autos, Kühlschränken und anderen langlebigen Gebrauchsgütern vorgezogen.

    Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer begründete den vorsichtigen Optimismus auch mit dem Digitalisierungsschub, der in der Krise in der Breite der Bevölkerung eingesetzt hat. „Es gibt mehr Akzeptanz, mehr Erfahrung und jetzt auch mehr Investitionen in diesem Bereich“, sagte sie. Ihre Kollegin Veronika Grimm erwartet auch durch die Klimabeschlüsse der Koalition und die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung weitere Wachstumsimpulse. 

    Feld wiederum verwies darauf, dass bereits durch das Ende des Lockdowns ganz automatisch wieder mehr Wirtschaftstätigkeit eingesetzt hat, etwa durch die Öffnung von Restaurants und Läden.

    Die Weisen loben ausdrücklich die schnelle Reaktion der Bundesregierung und der Europäischen Zentralbank (EZB): Weil sie schnell Liquidität bereitgestellt hätten, könnten Unternehmen die Umsatzeinbrüche während der Shutdown-Zeit leichter überbrücken. „Ein Negativszenario, in dem sich die Wirtschaftsaktivität im Verlauf des Herbstes nicht erholt, erscheint daher wenig wahrscheinlich“, heißt es in dem Gutachten.

    Zwar seien die Kosten der Hilfsmaßnahmen hoch, und einschließlich des Rückgangs der Steuereinnahmen würden die Staatskassen stark belastet: Das gemeinsame Defizit in den Kassen von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen beziffern die Weisen in diesem Jahr auf sechs Prozent des BIP und 2021 auf 3,9 Prozent.

    Wachsender Schuldenstand

    Die Schuldenstandsquote wird demnach von 60 Prozent 2019 auf 75,2 Prozent des BIP steigen und 2021 wegen des anziehenden Wachstums leicht auf 73,3 Prozent zurückgehen. Die Wirtschaftsweisen schätzen sie damit niedriger ein als andere Ökonomen, die einen Anstieg bis zu 90 Prozent des BIP erwarten.

    Der Sachverständigenrat weist allerdings darauf hin, dass ein Teil des Konjunkturpakets aus nicht verwendeten Soforthilfen und der Flüchtlingsrücklage finanziert werden könne. Zudem gebe es Maßnahmen, die Lasten innerhalb des Staatshaushalts nur anders verteilten. Etwa die Kosten der Unterkunft für Hartz-IV-Empfänger, die nunmehr großenteils der Bund trage anstelle der Kommunen.

    Feld warnte einmal mehr davor, zu schnell die Konsolidierung zu beginnen. „Man kann in einer solchen Krise nicht sagen, wir begrenzen die Schulden auf eine bestimmte Summe“, sagte er. Dies würde die Handlungsfähigkeit des Staates nur einschränken. Wichtig sei allerdings, dass die Ausgaben zielgenau erfolgten. 

    Die größte Gefahr für den Wiederaufschwung allerdings ist nur bedingt von der Bundesregierung zu beeinflussen: Sie geht von den noch tieferen Rezessionen im Euro-Raum aus. Frankreich, Italien und Spanien müssen jeweils mit einem Einbruch des BIP von mehr als elf Prozent in diesem Jahr rechnen, die USA mit einem Minus von 6,1 Prozent. „Die Lieferketten der deutschen Industrie sind extrem verflochten, vor allem in Europa“, sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. Deshalb sei ein europäisch abgestimmtes Vorgehen gegen die Krise enorm wichtig.

    Zudem wären alle Zahlen Makulatur, sollte es zu einer bundesweiten zweiten Infektionswelle mit einem zweiten Lockdown kommen. Die Weisen sind aktuell trotz des Ausbruchs in Gütersloh optimistisch, dass es gelingt, lokale Ausbrüche jeweils lokal zu begrenzen.

    Mehr: Diese Studie prophezeit der Digitalwirtschaft ein fulminantes Wachstum

    Startseite
    Mehr zu: Konjunktur - Wirtschaftsweise: Erholung der deutschen Wirtschaft hat begonnen
    0 Kommentare zu "Konjunktur: Wirtschaftsweise: Erholung der deutschen Wirtschaft hat begonnen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%