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Konjunkturprognose DIW: Die zweite Corona-Welle bremst den Wirtschaftsaufschwung aus

Ob die Wirtschaft 2021 um 5,3 Prozent oder nur um 3,8 Prozent wächst, entscheidet sich laut den Wirtschaftsforschern an der Härte des Winter-Lockdowns. 
10.12.2020 - 10:30 Uhr Kommentieren
Wenn es härtere Lockdowns geben sollte als die November-Einschränkungen und sich diese bis ins Frühjahr ziehen sollten, werde die Wirtschaft hierzulande wohl nur um 3,8 Prozent wachsen, so das DIW. Quelle: dpa
Containerterminal in Hamburg

Wenn es härtere Lockdowns geben sollte als die November-Einschränkungen und sich diese bis ins Frühjahr ziehen sollten, werde die Wirtschaft hierzulande wohl nur um 3,8 Prozent wachsen, so das DIW.

(Foto: dpa)

Berlin Mit einer Achterbahnfahrt vergleicht Marcel Fratzscher das Wirtschaftsgeschehen 2020. Das heftige Auf und Ab wird sich wohl mindestens bis in die erste Hälfte 2021 fortsetzen, so der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Die Hoffnung auf eine moderate zweite Corona-Welle hat sich längst zerschlagen“, sagte Fratzscher bei der Vorstellung der Winterprognose.

DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen hat zwar noch die Chance auf ein kräftiges Wachstum von 5,3 Prozent im Jahr 2021 errechnet. Jedoch: Wenn es härtere Lockdowns geben sollte als die November-Einschränkungen und sich diese bis ins Frühjahr ziehen sollten, werde die Wirtschaft hierzulande wohl nur um 3,8 Prozent wachsen.

Es ist seit dieser Woche das wahrscheinlichere Szenario: „Ein vorübergehender harter Lockdown ist unausweichlich. Das Allerwichtigste ist eine möglichst schnelle Kontrolle der zweiten Infektionswelle in Deutschland und Europa, sowohl für die Gesundheit der Menschen als auch für die Wirtschaft“, sagte Fratzscher.

Jedenfalls: Die deutsche Wirtschaft ist von der Corona-Pandemie gerade erneut ausgebremst worden. Die Achterbahnfahrt beschreibt Michelsen so: Nach der tiefen Rezession im ersten Halbjahr gab es im dritten Quartal mit einem Plus von 8,5 Prozent einen unerwartet starken Wiederaufschwung, die Konjunkturkurve sah aus wie ein V.

Doch der Aufschwung sei erst einmal gestoppt: Im vierten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent schrumpfen. Allerdings nicht so stark wie im Frühjahr, weil sich Unternehmen und Verbraucher auf die Lage eingestellt haben. Die Konjunkturkurve werde wahrscheinlich von Anfang 2020 bis Ende 2021 aussehen wie ein W, so Michelsen.

„Die Hoffnung auf eine moderate zweite Corona-Welle hat sich längst zerschlagen.“ Quelle: dpa
DIW-Chef Marcel Fratzscher

„Die Hoffnung auf eine moderate zweite Corona-Welle hat sich längst zerschlagen.“

(Foto: dpa)

Wenn es nicht gelingen sollte, das Virus in Europa einzudämmen, und die Frühjahrserholung ausbleibt, dann könnten viele Unternehmen und nach ihnen auch Banken in Schieflage geraten, warnt Michelsen.

Es kann allerdings auch besser kommen: Wenn die Winter-Lockdowns in Europa wirken und es gelingt, schnell Millionen Menschen zu impfen, dann könnte bis Ende 2021 das BIP wieder auf Vorkrisenhöhe liegen.

Konjunkturpakete mildern den Absturz

In diesem Jahr haben die Konjunkturpakete der Bundesregierung den Absturz gemildert: Die Wirtschaftsleistung werde 2020 „nur“ um 5,1 Prozent schrumpfen. Ohne Konjunkturpakete wäre der Absturz um 1,3 Prozentpunkte tiefer ausgefallen. Im nächsten Jahr dürften die staatlichen Hilfen 1,5 Prozentpunkte zum Wachstum beitragen.

Sehr geholfen hat die Kurzarbeit: Nach den Rechnungen von Michelsen hat sie in diesem Jahr zwei Millionen Jobs gerettet. Umso richtiger sei es aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht, sie bis Ende 2021 fortzuführen. 

Das DIW warnt eindringlich davor, die Hilfen zu früh zu beenden. Die Wirtschaft brauche 2021 Unterstützung, weil viele wichtige Handelspartner, vor allem in der EU, in erheblich größeren Schwierigkeiten steckten. Die Exportaussichten für deutsche Firmen sind deshalb nicht allzu rosig. Bereits im Oktober nahmen die Exporte gegenüber dem Vormonat nur noch um 0,8 Prozent zu, und mit einem Volumen von 112 Milliarden Euro lagen sie um 6,5 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

„Lediglich die USA, China und Japan sorgen für kleine Lichtblicke im Auslandsgeschäft“, so Michelsen. Wobei auch in den USA die Pandemie nicht unter Kontrolle ist.

Umso wichtiger seien öffentliche Investitionen. Gerade in Krisenzeiten könnten sie private Investitionen nach sich ziehen, vor allem wenn der Staat kräftig in Forschung, Bildung und Infrastruktur investiert. Wenn der Staat zu früh auf Sparpolitik umschalte, würde dies der Erholung jeden Schwung nehmen, warnt das DIW. Geringeres Wachstum bedeutet geringere Steuereinnahmen und mehr Ausgaben für Arbeitslose und damit ebenfalls eine Schieflage der öffentlichen Haushalte.

Die Bundesregierung müsse sehr genau abwägen, wann sie die harten Regeln der Schuldenbremse wieder in Kraft setze. Eine längere Zeit mit höherer Neuverschuldung für Investitionen wäre für die Wirtschaft die bessere Variante – zumal die Zinsen mit minus 0,57 Prozent niedrig sind. Fratzscher erwartet daher für den Bund einen Gewinn aus der Neuverschuldung des nächsten Jahres von einer Milliarde Euro. 

Bund macht mit Schulden Milliardengewinn

Seitdem Anfang November der Lockdown light in Kraft getreten ist, zeigt sich die wirtschaftliche Entwicklung noch gespaltener als in den Vormonaten: Das Wachstum setzte sich in der Industrie zunächst stärker als erwartet fort. Für die Dienstleister verschlechtern sich dagegen die Aussichten zunehmend. Nicht nur das DIW, auch andere Konjunkturbeobachter sind hin- und hergerissen zwischen Lockdown-Verzweiflung und Impfhoffnung.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) etwa setzt für 2021 auf einen Aufschwung um vier Prozent, nach einem Einbruch von 5,25 Prozent 2020. „Die Entwicklung mehrerer Impfstoffe macht Hoffnung“, sagte IW-Konjunkturchef Michael Grömling.

Vorsichtiger hatten sich zuvor die Wirtschaftsweisen geäußert. Ihr Vorsitzender Lars Feld erwartet bisher, dass in diesem Jahr die Schließung von Restaurants, Hotels und die Stilllegung der Veranstaltungsbranche die Wirtschaft im vierten Quartal nicht zwangsläufig erneut ins Minus drücken werden.

Für 2020 rechnen die Wirtschaftsweisen wie das DIW mit einem Minus von 5,1 Prozent. Für 2021 erwarten sie mit Blick auf das Infektionsgeschehen im Winter nur ein schwaches Wachstum von 3,7 Prozent.

Einzelhändler zittern, Industrie hofft

Die Einzelhändler jedenfalls fürchten um ihr Weihnachtsgeschäft, seit mit zunehmender Lockdown-Dauer sich die Konsumentenstimmung deutlich verschlechtert hat, wie das Barometer ihres Verbandes HDE zeigte.

In der Industrie wiederum zeigte sich der Maschinenbau zu Monatsbeginn äußerst zuversichtlich „Wir rechnen jetzt mit einem realen Produktionszuwachs von vier Prozent, statt der bisher erwarteten plus zwei Prozent“, sagte VDMA-Präsident Karl Haeusgen.

Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), wies am Mittwoch darauf hin, dass die Auftragseingänge das Vorkrisenniveau schon überschritten haben, während die Lieferungen noch knapp sieben Prozent darunter liegen. „Das spricht für weiteres Aufholpotenzial“, sagte er.

Ende November hatte Deutschlands wichtigster Frühindikator, der Ifo-Geschäftsklimaindex, bereits signalisiert, dass die zweite Corona-Welle die wirtschaftliche Erholung des Sommers vorerst beendet hat. Er war zum zweiten Mal in Folge gefallen, nach fünf Monaten Erholung. Eine zweite tiefe Rezession wie im Frühjahr droht aber auch nach diesem Indikator bisher nicht.  

Mehr: OECD fordert: Deutschland muss Regeln gegen Steuerhinterziehung nachbessern.

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