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Bauarbeiter in Brandenburg

Die deutsche Wirtschaft schrumpft auch im dritten Quartal.

(Foto: dpa)

Konjunkturprognosen Wie tief rutscht Deutschland in die Rezession?

Die Konjunkturforscher erwarten einhellig, dass die Wirtschaft auch im dritten Quartal schrumpft. Sie rechnen mit einer schnellen Erholung, aber nur unter einer Bedingung.
3 Kommentare

Berlin Noch formulieren sie in Worten, die nur Wahrscheinlichkeiten ausdrücken. Doch die Einhelligkeit der Herbst-Konjunkturprognosen, die in dieser Woche von den Wirtschaftsforschungsinstituten veröffentlicht wurden, zeigt eindeutig: Deutschland ist in diesem Sommer in die Rezession gerutscht.

„Der deutschen Wirtschaft droht eine Rezession“, sagte an diesem Donnerstag Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die Schwäche der Industrie breitet sich wie ein Ölfleck nach und nach in andere Wirtschaftszweige aus.“ Er nennt die Logistikbranche als erste der betroffenen Dienstleistungsbranchen.

Nach DIW, IfW und RWI am Mittwoch senkten an diesem Donnerstag auch das Ifo- und das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) ihre Prognosen für 2019 und 2020: das Ifo auf 0,5 Prozent, das HWWI auf 0,6 Prozent für das Gesamtjahr. Sie bestätigten damit die Erwartungen der Bundesregierung: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte die offizielle Prognose für 2019 bereits im April auf 0,5 Prozent gesenkt, als sich der Wachstumsrückgang im zweiten Quartal erstmals abzeichnete.

Weitere Korrekturen nach unten sind dabei keinesfalls auszuschließen: Denn noch immer kalkulieren die Konjunkturforscher damit, dass sich die von US-Präsident Donald Trump ausgelösten weltweiten Handelskonflikte nicht ausweiten und ein harter Brexit vor dem 31. Oktober noch verhindert wird.

In diesem Sommer also ist die Rezession offensichtlich da: Alle Institute erwarten, dass die Wirtschaft auch im laufenden Jahr schrumpft – wie bereits im zweiten Quartal, als das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent kleiner war als im 1. Quartal. Die Schätzungen der Institute reichen für das dritte Quartal von minus 0,1 Prozent (Ifo) bis minus 0,3 Prozent (IfW, DIW).

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Alarm schlägt auch das Rezessionsbarometer des gewerkschaftsnahen IMK: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten eine Rezession erlebt, ist in den letzten Wochen drastisch gestiegen“, so dessen Chef Sebastian Dullien. Die IMK-Rezessionsampel steht nun auf Rot.“

„Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen“

Ausgehend von der Industrie – und den besonders stark betroffenen Auto-Herstellern – sind Produktion und Auftragseingänge in immer mehr Branchen rückläufig. „Die Konjunkturschwäche hat ihre Spuren mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen“, sagte Wollmershäuser.

Auch Dienstleister und Bauindustrie hätten ihren Personalaufbau weitgehend gestoppt. Zwar wachse die Zahl der Beschäftigten wohl auch 2019 und 2020 weiter, aber nur noch sehr langsam, während die Arbeitslosigkeit ebenfalls seit den vergangenen vier Monaten wieder leicht zunimmt.

Weil das eine leichte Verschlechterung ist und keinesfalls ein Einbruch am Arbeitsmarkt, schreiben die Konjunkturforscher dem Binnenmarkt weiterhin unisono eine wachstumsstützende Wirkung zu. Offen ist allerdings die Frage, wie tief die Rezession ausfällt – und wie lange sie dauern wird.

Noch erwarten die Forscher, dass sich die Wirtschaft im vierten Quartal wieder fangen und leicht wachsen wird. Für 2020 liegen ihre neuen Prognosen deshalb zwischen 0,9 und 1,4 Prozent – auch dank einer im Vergleich zu 2019 höheren Zahl an Arbeitstagen.

„Insgesamt droht sich die globale Konjunktur weiter einzutrüben“, schreibt das HWWI. Sollten sich Handelskonflikte verschärfen, der Brexit chaotisch werden, dann dürften die positiven Aussichten nicht mehr sein als eine Momentaufnahme – und im Dezember weitere Prognose-Korrekturen nach unten folgen.

Mehr: Bundesregierung will mehr für den Klimaschutz tun – trotz Rezession.

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3 Kommentare zu "Konjunkturprognosen: Wie tief rutscht Deutschland in die Rezession?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Sie rechnen mit einer schnellen Erholung, aber nur unter einer Bedingung." Habe ich etwas überlesen? Was ist denn nun die Bedingung für eine schnelle Erholung? Im Artikel finde ich nichts.

  • Gut, dass die Regierung bereits viele Maßnahmen getroffen hat, um auf die Abschwächung der Konjunktur zu reagieren.

  • Ich bin mit einigen selbstständigen Handwerkern befreundet; dort würde man weiterhin geeignetes Personal einstellen, wenn es denn zu bekommen wäre.

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