Konjunktursorgen BIZ-Chef warnt vor Negativspirale

Mehrfach hat in diesem Jahr bereits China die Märkte geschockt. Doch es könnte noch schlimmer werden. Der Direktor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt vor ausufernder Verschuldung in Schwellenländern.
Der Direktor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: „Ölförderer und Schwellenländer haben sich massiv in Dollar verschuldet.“ Quelle: ap
Jaime Caruana

Der Direktor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: „Ölförderer und Schwellenländer haben sich massiv in Dollar verschuldet.“

(Foto: ap)

ZürichSeit Jahren tritt sie als Mahner auf: Während die Notenbanken bis vor kurzem die Geldschleusen immer nur weiter öffneten, hörte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nicht auf, vor dem Folgen einer ausufernden Verschuldung zu warnen. In einer Rede sieht sich BIZ-Chef Jaime Caruana durch die jüngsten Turbulenzen bestätigt.

Denn der BIZ-Direktor sieht erste Anzeichen dafür, dass der Kredit-Zyklus in den Schwellenländern seinen Höhepunkt nun überschritten hat. Laut den Daten der BIZ summierten sich die Dollar-Schulden von Nicht-Banken in Schwellenländern wie Brasilien oder China im dritten Quartal 2015 auf 3,3 Billionen Dollar – das Volumen ist seit Ende Juni unverändert. „Das ist das erste Mal seit 2009, das dieser Wert nicht weiter anwächst“, erklärte Caruana in einer Rede vor der London School of Economics. Die grenzüberschreitende Kreditvergabe in Dollar an die fünf größten Ökonomien von Schwellenländern war im dritten Quartal sogar bereits rückläufig; und zwar um 38 Milliarden Dollar und erreichte 824 Milliarden Dollar.

Die schwärzesten Tage der Börsengeschichte
19. Oktober 1987 – der „Schwarze Montag”
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Am „Schwarzen Montag” brach der US-Standardwerte-Index Dow Jones um 22,6 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seiner Geschichte. Die Panikverkäufe breiteten sich schnell auf alle wichtigen internationalen Handelsplätze aus. Der Tokioter Leitindex Nikkei rauschte nach dem Crash an den US-Börsen um knapp 15 Prozent in die Tiefe. Der Londoner Auswahlindex FTSE verbuchte mit knapp elf Prozent lediglich den zweitgrößten Tagesverlust seiner Geschichte. Tags darauf beschleunigte er jedoch seine Talfahrt und verlor gut zwölf Prozent.

16. Oktober 1989 – der Dax-Absturz
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Der deutsche Leitindex Dax, der erst 1988 aus der Taufe gehoben wurde, fiel um rund 13 Prozent und folgte damit der Wall Street, wo Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten. Für den Dax ist das der erste und der größte Crash seiner Geschichte.

23. Mai 1995 – die Asien-Krise
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Nicht nur die Jahre 2015 und 2016 machten China für Aktienabstürze bekannt. Den ersten größeren Crash gab es vor rund 11 Jahren: Die Furcht vor Eingriffen der Regierung in den chinesischen Aktienmarkt ließ den Shanghai-Composite Index um 16,4 Prozent abstürzen.

6. Oktober 2008 – das Lehman-Beben
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Kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wurde die Unsicherheit an den Aktienmärkten immer größer. Der italienische Leitindex verbuchte mit einem Abschlag von mehr als acht Prozent seinen größten Tagesverlust, der Leitindex der portugiesischen Börse gab knapp zehn Prozent nach. Der EuroStoxx50 fiel um acht Prozent. An der Wall Street ging es ebenfalls bergab, allerdings nicht ganz so stark: Der Dow-Jones-Index gab 3,6 Prozent nach. Auch für den Dax ging es kräftig bergab. Der Dax schloss mit einem Minus von 7,1 Prozent auf 5387 Punkten.

3. August 2015 – die griechische Tragödie
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Die Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern haben im Sommer 2015 für ein Kursbeben an der Börse des Landes gesorgt. Zuvor wurden die Märkte geschlossen, um Kapitalmarkt-Turbulenzen zu verhindern. Allerdings blieb der Erfolg überschaubar: Am ersten Tag nach der fünfwöchigen Zwangspause stürzte die Athener Börse ins Bodenlose. Der Leitindex verbuchte mit einem Minus von 16 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte.

24. August 2015 – ein neuer China-Crash
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Bereits im Sommer 2015 sorgte China für Panik unter den Anlegern weltweit. Angesichts der Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in der Volksrepublik rutschten die Börsen rund um den Globus immer weiter ab. Der Shanghai Composite Index brach um 8,5 Prozent ein. Der Dax verlor in der Spitze 7,8 Prozent auf 9338 Punkte. An der Wall Street stürzt der Dow-Jones-Index zeitweise um 6,6 Prozent und der Nasdaq-Composite sogar um bis zu 8,8 Prozent ab.

07. Januar 2016 – und wieder ein Drachen-Kursbeben
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Die neuerliche Abwertung der chinesischen Landeswährung lässt die Aktienbörsen in der Volksrepublik wanken. Am 7. Januar wurde der Handel an der chinesischen Börse das zweite Mal binnen weniger Tage per Notbremse gestoppt, nachdem die Leitindizes um sieben Prozent absackten. Die Sitzung dauerte weniger als eine halbe Stunde und war damit der kürzeste Börsentag in Chinas Geschichte. Der Dax rauscht das erste Mal seit Oktober wieder unter die 10.000-Punkte-Marke und gibt zeitweise knapp vier Prozent nach.

Im Klartext: Der Kreditboom ist zu Ende, nun droht eine Negativ-Spirale. Denn in Erwartung steigender Zinsen in den USA hat der Dollar zuletzt gegenüber den meisten Währung aufgewertet. Das ist ein Riesenproblem für Unternehmen aus Schwellenländern, die das Niedrigzins-Niveau im Dollarraum weidlich genutzt haben, um sich billig mit Krediten einzudecken. Schließlich wächst durch den steigenden Dollar der Wert der Schulden gerechnet in der Heimatrechnung.

Entsprechend bauen die Unternehmen Schulden ab, kürzen Investitionen und verkaufen Vermögenswerte – alles Faktoren, die auf dem Wachstum lasten. Das geringere Wachstum, etwa in China, bremst die Nachfrage nach Rohstoffen und drückt den Wert der Schwellenländer-Währungen weiter. „Dieser Rückkoppelungs-Effekt zwischen Schuldenabbau und der Abwertung der Währungen von Schwellenländern stellt eine Herausforderung dar und sollte nicht unterschätzt werden“, warnt Caruana.

„Gelpolitik wurde schon zu lange überlastet“
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