Leistungsbilanz USA meckern über deutsche Exportstärke

Die deutsche Exportstärke steht wieder zur Debatte: Nach dem erneuten Exportrekord im vergangenen Jahr wird die Kritik der USA immer stärker. Amerika fordert stattdessen eine Stärkung der Binnennachfrage.
34 Kommentare
Container werden am Hafen in Hamburg verladen. Die USA kritisiert die hohen deutschen Exportzahlen und fordert stattdessen eine erhebliche Stärkung der Binnennachfrage. Quelle: dpa
Deutsche Exportstärke

Container werden am Hafen in Hamburg verladen. Die USA kritisiert die hohen deutschen Exportzahlen und fordert stattdessen eine erhebliche Stärkung der Binnennachfrage.

(Foto: dpa)

WashingtonDen USA ist Deutschlands Exportlastigkeit offenbar weiterhin ein Dorn im Auge. In einem Bericht des Finanzministeriums für den Kongress warnt die US-Regierung die Europäer und damit auch Deutschland davor, sich zu stark auf den schwachen Eurokurs und die Ausfuhren zu verlassen. „Unbedingt notwendig“ wäre eine stärkere Nachfrageentwicklung in Deutschland – der größte europäischen Volkswirtschaft.

Damit drängt die Regierung Deutschland zu einer expansiveren Ausgabenpolitik. In dem Bericht kommt auch eine Besorgnis über jüngste Entwicklungen an den Devisenmärkten zum Ausdruck. Dort gewann der Dollar gegenüber maßgeblichen Währungen wie dem Euro deutlich an Stärke, was die US-Exporte bremst.

Mit seinem am Donnerstag vorgelegten Bericht gibt das US-Finanzministerium einen Hinweis für die Positionen, die es bei dem Frühjahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der nächsten Woche in Washington vertreten wird. Es würdigte den Beitrag, den die Europäischen Zentralbank (EZB) mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft im Euro-Raum geleistet hat – die aber andererseits auch den Eurokurs sinken ließ.

„Eine Ergänzung dieser geldpolitischen Maßnahmen mit unterstützenden nationalen finanzpolitischen Schritten und angemessenen Strukturreformen würde das Risiko vermeiden, dass das Wachstum zu sehr vom externen Sektor abhängt“, heißt es in dem Bericht. Direkte Kritik an Deutschland wird aber nicht geäußert.

Deutschland hat – unterstützt durch den schwachen Euro – im vergangenen Jahr einen neuen Exportrekord erzielt und damit auch seinen Überschuss im Handel weiter gesteigert. Diese Exportstärke ist seit langem im Zentrum eines Streits zwischen mit den USA, die Deutschland immer wieder vorwirft, zu wenig für die Stärkung der Binnennachfrage zu tun. Die Bundesregierung dagegen verweist auf ihre verstärkten Investitionspläne.

Auch China nimmt das US-Finanzministerium in seinem Bericht ins Visier. Dessen Währung sei „signifikant unterbewertet“, heißt es dort. Allerdings scheint China aktuell weniger aktiv am Devisenmarkt einzugreifen als früher. Südkorea wurde ermahnt, seine Devisenmarktinterventionen zu vermindern.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Leistungsbilanz - USA meckern über deutsche Exportstärke

34 Kommentare zu "Leistungsbilanz: USA meckern über deutsche Exportstärke"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Und wo das ganze schöne Geld hingeht? ...aber JETZT sprudelt das Geld aus den Exporterfolgen in die deutschen Kassen hinein."

    Frau Daniel, da haben Sie wohl etwas nicht verstanden. Kritisiert werden die deutschen Exportüberschüsse, also das Export- minus Importvolumen. Und diese Überschüsse gehen 1:1 in Form von Kapitalexport ins Ausland. Einfach mal bei Wikipedia unter "Zahlungsbilanz" nachlesen.

    "Ich will damit sagen, dass die dt. Überschüsse tatsächlich in Deutschland anzukommen beginnen"

    Pustekuchen. Nichts kommt davon in D an. Das ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit, denn womit soll denn das Ausland die Überschüsse bei uns bezahlen?

    Einfach mal selber nachdenken: Wenn die Welt nur aus 2 Dörfern bestehen würde (Dorf A und B) und Dorf A würde pro Jahr für 100€ exportieren, Dorf B aber nur für 93€ - womit würde Dorf B denn bei Dorf A die Importüberschüsse in Höhe von 7€ bezahlen? Da bleibt doch nur noch entweder ein Kredit in Höhe von 7€ von Dorf A an Dorf B oder Dorf B überschreibt Jahr für Jahr immobile Sachwerte in Höhe von 7€ an Dorf A. Setzen Sie Dorf A = Deutschland und Dorf B = Rest der Welt, dann befinden Sie sich im hier und jetzt.

    Das Ganze geht aber noch weiter. Nehmen wir mal an, das läuft so über 10 Jahre. Dann hat Dorf A in Dorf B 70 € angespart. Nun will Dorf A das Geld zurück (z.B. um seine überalterte Bevölkerung zu alimentieren). Raten Sie mal wie das dann läuft - wie oben, nur andersrum. Das geht nur dadurch, dass Dorf A jetzt Importüberschüsse in Höhe von 70€ ggü. Dorf B einfährt!. Nix mehr mit den wunderbaren Exportüberschüssen!

    Makroökonomie ist gar nicht so schwer. Aber "dass die dt. Überschüsse tatsächlich in Deutschland anzukommen beginnen" ist schlicht Unsinn.

  • ... ja Stabilität anno 1967.
    Schauen Sie sich die Geldmengenentwicklungen an. Dann sehen Sie wie obsolet das ist.
    Die 6% Grenze für Überschüsse (welcher denn überhaupt, hier geht es um Exportüberschüsse, nicht Leistungsbilanz und erst Recht nicht um das staatl. Haushaltsdefizit): wo kommt die denn her? Ist das auf EU-Ebene vereinbart genau so wie die Defizitgrenze? ... Danke für die Klärung.

  • Ich denke nicht, dass die Euroschwäche darin begründet ist, dass die Märkte das baldige Ende des Euro antizipieren. Es gibt (und gab) Investoren/Fonds etc., die auf das Ende des Euro wetten, immer schon. Eine Währungsabwertung ist aber an sich noch nie ein Merkmal der Qualität einer Währung gewesen. Der Dollar war auch schon mal sehr schwach, und keiner hat das baldige Ende der US-Währung prognostiziert, NUR wegen dieses Wechselkurses (sieht mit langfristigen Angriffsstrategien z. B. aus Asien anders aus!). Die DM ist von der Bundesbank mehrfach abgewertet worden, wenn sie den Export behinderte, und galt weiter als vertrauenswürdig. Vor ein paar Monaten war es u. a. Die Welt, die meldete, Draghi prügele den Euro nach unten. Es war also Absicht der EZB, nicht der Märkte. Wie seinerzeit die Maßnahmen der Bundesbank führte dies zu einer Stärkung des dt. und einer Schwächung des US-Exports. Alles schon öfter passiert. Zwar führen die niedrigen Leitzinsen zu deutlichen Verlusten für die dt. Sparer, dies kurbelt aber andererseits Binnennachfrage + DAX an. Mit anderen Worten: Gewinner + Verlierer werden neu verteilt, ohne dass die Währung an sich automatisch davon betroffen wäre. Die Währung selbst leidet erst, wenn man das zu oft, zu lange, und bei stark steigenden Importpreisen immer weiter macht. So lange die Energie- und Rohstoffkosten nicht zu stark steigen, verkraftet D. einen niedrigen € besser als die USA einen gestiegenen Dollar. Gleichzeitig leiden aber die €-Staaten mit Handelsbilanzdefiziten unter einem schwachen €, z. B. Griechenland.

  • USA "meckern", aha. Qualitätsjournalismus halt ;)

    Die USA äußern eine berechtigte Kritik.

    Das deutsche Stabilitätsgesetz von 1967 sieht "außenwirtschaftliches Gleichgewicht" als einen von vier Bestandteilen zum Erreichen des Staatsziels "gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht" vor. Hiergegen wird seit Jahren verstoßen. Auch auf EU-Ebene sind 7,5% Exportüberschuss zu hoch (6% ist die Grenze für Überschüsse) und müsste ein Verfahren zur Folge haben (bestraft werden aber nur kleine Länder, wissen wir ja).
    Zudem ist diese Politik in einer Währungsunion der Export von Arbeitslosigkeit in die "Partnerländer".

    Die Kritik der USA ist hochgradig berechtigt und klug formuliert. Niemand will einen Abbau der Exportstärke, aber ein Handelsüberschuss muss dann über vermehrte Importe ausgeglichen werden. Mehr Importe erreicht man über Wachstum im Binnenmarkt, das wiederum praktisch nur mit Reallohnerhöhungen erreicht werden kann.

  • @ Herr Michael Rensler:

    Die US-Amerikaner haben eine andere Mentalität als wir Deutschen. Sie ist schlichtweg risikoreicher. Aussprüche wie "hire and fire" oder "MY way or Highway" sind nur einige wenige Beispiele dafür.

    In Deutschland sehnen sich die Menschen eben mehr nach Sicherheit und ich finde diese Denkweise keineswegs schlecht.

    Die USA hingegen sind DAS Paradebeispiel dafür, dass die Schere zwischen arm und reich immer groß war und groß bleibt. Auf der einen Seite unvorstellbarer Reichtum und auf der anderen Seite die allergrößte Armut. So etwas wie gesunden Mittelstand, das kennt die USA nicht. Und genau hier bestehen meiner Ansicht nach auch die größten Gefahren, die ich in Deutschland nicht haben möchte, obgleich wir hier schon leichte Ansätze zu spüren bekommen.

    Solange Reichtum in den USA als höchstes Gut im Leben betrachtet wird, nach dem Motto "Hast du was, bist du was, hast du nichts bist du nichts." wird es immer nur darum gehen, nur reich zu sein... egal mit welchen Mitteln. Und leider finden immer mehr Europäer gefallen an dieser Denkweise.

    Die USA als selbsterwählte "Weltpolizei" und "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" und was weiß ich noch wie sie sich selbst loben, haben erkannt was für eine Macht sie erlangt haben. Und das nur durch die schiere Masse. Nur die Masse in allen belangen (aber nicht die Klasse) hat ihnen geholfen den Weltmarkt zu fluten. Und diese Macht werden sie, wie bereits diverse Kommentatoren es bereits richtig erkannt haben, mit allen Mitteln (in erster Linie militärisch, dann wirtschaftlich) zu halten versuchen.

    Ich kann Ihre Einstellung zu den USA nicht teilen.

    Und Einwanderer werden den von Ihnen erwähnten "Mut" ganz bestimmt nicht einführen...

  • @ Herrn Weise

    Im letzten Jahr betrug der Aussenbeitrag zum BIP bei uns 7,5 %. Das sind Leistungsbilanzüberschüsse und dokumentiert anschaulich die deutschen Handelsungleichgewichte.

    Empirische makroökonomische Daten sind immer höchst ungenau und erfüllen den Anspruch der Wissenschaftlichkeit nicht. Das hängt mit den Problemen der Inflationsberechnung zusammen (hier BIP-Deflator genannt) und mündet in ein falsches BIP in das überdies eurolandeinheitlich seit letztem Jahr vermehrt Schätzwerte Einlass finden. Wir sind in einer Situation in dem wir nicht genau sagen können ob wir uns schon in einer Rezession befinden oder noch ein Wachstum von sagen wir mal 2 % aufweisen. Von den getürkten offiziellen Arbeitslosenzahlen brauchen wir gar nicht zu reden.

    Im Vergleich dazu ist die Zahlungsbilanz ein Hort der Zuverlässigkeit, auch wenn es dort (geringe) Unsicherheitspositionen gibt. Es fliessen dort nur fakturierte Beträge ein (Handelsbilanz). Ob wir nun einen ganzen Airbus in Rechnung stellen, obwohl nur Teile geliefert werden, weiss ich nicht, dürfte aber in den Bereich Märchen gehen.

  • Herr Christoph Weise schrieb: "Die in den letzten Jahren magere Entwicklung des BSP in Deutschland scheint nicht so richtig die angebliche Exportstärke zu untermauern." Ich denke, so kann man hier nicht rechnen, obwohl der Gedanke eigentlich zwingend scheint. Volkswirtschaften, die mit erheblichen Kreditvolumina spielen, solche, die erhebliche (Finanz-)dienstleistungsanteile in ihrem BSP haben (z. B. die USA mit einem DL-Anteil von 80 %) und solche, die erheblichen Nachholbedarf relativ kurzfristig decken (etwa China in der Vergangenheit) haben immer höhere Wachstumsraten für gewisse Perioden als eine gewachsene, verfestigte Volkswirtschaft mit hohem Produktions-/Warenanteil. U. a. weil hohe Kredite schnell Geld in den Finanzmarkt "pumpen" können, was dort zu hohen Wachstumszahlen führt. Diese Form des Wirtschaftens ist insg. schnelllebiger, hat aber das Problem, dass der "Gewinn" aus dem so erzeugten Wachstum ja durch die Kreditfinanzierung ausgegeben wurde, BEVOR der Kredit das Wachstum überhaupt erzeugte. Deutschlands industrielastige Wirtschaftsform hat längere Schwäche- und längere Stärkephasen. Da wir unsere Verschuldung z.Zt. abbauen, kommt das Wachstum nicht aus der Erwartung künftiger Erfolge, die wir durch Schuldenaufnahme vorwegnehmen, sondern nur aus dem, was "real" jetzt produziert und verkauft werden kann. Da wir wenig Massen- und viel Hightechnischenproduktion anbieten, ist das Wachstum, so lange die andern Geld haben + wir unsere Marktanteile halten/ausdehnen können, zwar langsamer, aber auch stabiler, und es fließt nicht zur Deckung der Schulden gleich wieder ab (s. Griechenland, das von einer Reformrendite, so es sie denn gibt, selber gar nichts hat, sondern seine Verdienste gleich wieder an seine Gläubiger verliert. Dieses relativ einfache Problem steht hinter der ganzen Schuldenschnittdebatte.)

  • @ Herrn Zanker

    Hätte Deutschland noch die DM dann bräuchten wir die Diskussion nicht führen. Dann würde der freie Wechselkurs die Leistungsbilanz ausgleichen. Und wenn nicht: Nicht unser Problem

    Nun sind wir aber in einem Gemeinschaftswährungsraum in dem Spielregeln einzuhalten sind. Will man das nicht, dann hätte man dem Euro nicht beitreten und sich dies vor allem _vorher_ überlegen sollen.

  • Herr Michael Rensler schrieb: "Wo ist eigentlich das ganze Geld aus den tollen Überschüssen? Holt sich das Ausland die Exportgewinne über Dividendenzahlungen zurück?"
    Soweit ausländisches Kapital in deutschen Firmen steckt, wird es wohl auch Dividende beziehen (müssen/dürfen). Deutsches Geld in ausländischen Firmen bezieht ja auch Dividende. Der Exportüberschuss kommt aber en gros uns selbst zu Gute. Z. B. machte Deutschland im Außenhandel mit Griechenland in 2014 einen Überschuss von rd. 2 Mrd. Euro. Und wo das ganze schöne Geld hingeht? Kann man selbst als kritischer + bösgläubiger Mensch meiner Sorte mittlerweile nicht mehr übersehen: Die Zunahme der Erwerbstätigkeit in Deutschland geht darauf zurück (korrespondierend die Abnahme von Arbeitslosenzahlen nicht mehr nur durch Rente o.Fortbildung). Die Steuereinnahmen sprudeln, die Neuverschuldung des Bundes ist auf 0, + wir haben schöne neue Sozialleistungen wie Betreuungsgeld + Mütterrente. Sicher geht einiges davon zu Lasten künftiger Generationen (sprich: Rentenversicherung), aber JETZT sprudelt das Geld aus den Exporterfolgen in die deutschen Kassen hinein. Selbst die Gesamtverschuldung der öff. Hände in D. sinkt, während sie in den USA trotz insg. höheren Wirtschaftswachstums zunimmt, weil hinter einigen Teilen dieses Wirtschaftswachstums der US-Staat mit kreditfinanzierten Aktionen steckt. Damit will ich nicht sagen, dass staatliche Ankurbelung in schlechten Zeiten verkehrt wäre. Ich will damit sagen, dass die dt. Überschüsse tatsächlich in Deutschland anzukommen beginnen. Nicht mal ich ungläubiger Thomas kann das noch bestreiten. Es wird nicht ewig so gut weitergehen, aber im Moment läuft es wirklich gut. Nur geht's auf anderer Leute Kosten. Auch das ist eine schlichte Tatsache.

  • Das ist nur wieder Neidgelaber aus Übersee. Unser Export ist im Grunde, was für andere Länder Rohstoffe, Erze, Öl usw. sind. Ohne florierenden Export, denn der sorgt zeitversetzt und nachhaltig für Arbeitsplätze direkt oder indirekt durch Modernisierung oder Ausbau der Produktion auch nachgelagert für eine starke Binnenlandnachfrage. andersherum genau so, der Export schwächelt und zeitversetzt die Binnennachfrage, denn wer kauft noch groß in unsicheren Zeiten.
    Wie um alles in der Welt soll denn nach Meinung der Schwätzer die Export - und Schwerindustrie durch Binnennachfrage erhalten oder ausgebaut werden? Soll sich jetzt jeder Inländer pro Jahr einen LKW, Bagger, Radlader oder eine Landschaft zerstörende Windmühle usw. kaufen?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%