Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

OECD-Prognose Die Weltwirtschaft schrumpft doch nicht so schlimm wie befürchtet

Die Konjunktur in China, den USA und Europa erholt sich schneller als erwartet. Dennoch büßt die Welt wegen der Corona-Pandemie bis Ende 2021 sieben Billionen Dollar an Wohlstand ein.
16.09.2020 - 11:24 Uhr Kommentieren
OECD: Weltwirtschaft schrumpft nicht so schlimm wie befürchtet Quelle: Bloomberg
Containerterminal in Auckland

Durch die Corona-Pandemie fallen viele Industrienationen in die Rezession. Doch der Absturz fällt nicht so tief aus wie befürchtet, sagt die OECD.

(Foto: Bloomberg)

Berlin Vor drei Monaten hatte sie für 2020 die düsterste Prognose von allen abgegeben: Damals sagte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Deutschland einen Einbruch der Wirtschaftskraft zwischen 6,6 und 8,8 Prozent voraus. Die Weltwirtschaft würde um ebenfalls nie da gewesene sechs Prozent schrumpfen, hieß es aus der Pariser Denkfabrik der Industrieländer.

Ganz so schlimm wird dieses Jahr nun wohl doch nicht enden. Chefvolkswirtin Laurence Boone korrigierte die Prognose für Deutschland auf minus 5,4 Prozent. Damit ist die OECD jetzt sogar etwas optimistischer als die Bundesregierung, die mit einem Einbruch von 5,8 Prozent kalkuliert. Die Weltwirtschaft wird demnach um 4,5 Prozent schrumpfen.

Mit geringeren Verlusten beim Bruttoinlandsprodukt kommen auch die USA und die Euro-Staaten davon. Noch besser soll China durch die Krise kommen. Statt zu schrumpfen, soll die Wirtschaft in diesem Jahr sogar um 1,8 Prozent zulegen.

„Auch wenn die Aussichten etwas besser sind: Wir zeichnen überhaupt kein gutes Bild“, sagt Boone allerdings im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir bleiben bei unserer Revision sehr vorsichtig, weil es sehr große Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Erholung gibt.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Aber immerhin: Der Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal war nicht ganz so tief wie befürchtet. „Und in einigen Ländern gibt es eine gewisse Erholung seit dem Ende des zweiten Quartals, parallel zu China“, begründet sie die leichte Besserung.

    Ärmere Länder besonders betroffen

    Tiefer in die Rezession rutschen dagegen ärmere Länder wie Südafrika, Indonesien, Indien, Mexiko und Argentinien, deren BIP nach dieser Prognose jeweils um mehr als zehn Prozent schrumpfen wird. Auch Italien und Großbritannien verlieren demnach 2020 mehr als zehn Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts.

    Die OECD erwartet jedenfalls nicht, dass das BIP weltweit, auch nicht in den Euro-Ländern oder den USA, bereits im kommenden Jahr wieder so hoch sein wird wie Ende 2019. Die Weltwirtschaft wird dann immer noch um zwei bis drei Prozent kleiner sein als vor der Krise. Gegenüber den Erwartungen von Ende 2019 vor Corona summiert sich der Verlust des Welt-BIPs bis Ende 2021 dann auf sieben Billionen US-Dollar.

    Die massiven Hilfsprogramme der Regierungen für Firmen und Arbeitnehmer haben laut OECD jedenfalls geholfen; ohne sie wäre die Weltrezession sehr viel tiefer ausgefallen. Doch auch so betrug der BIP-Verlust im zweiten Quartal oftmals zwischen zehn und 20 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2019.

    Im Ländervergleich zeigt sich, dass diejenigen Staaten mit einem langen und alle Branchen umfassenden Lockdown im zweiten Quartal am tiefsten in die Krise rutschten. Länder mit geringeren Einschränkungen des Wirtschaftslebens – wie Deutschland, Japan und Südkorea – verzeichneten deutlich geringere BIP-Verluste.

    Sobald die Beschränkungen des öffentlichen Lebens gelockert wurden, setzte im jeweiligen Land sofort die Erholung ein. Und sie war in jedem Land mit verbesserter OECD-Prognose deutlich kräftiger als erwartet. Aber: Am Ende des Sommers hat die Erholung an Schwung verloren; und zwar ebenfalls in allen Ländern mit Wiederaufschwung, auch in Deutschland.

    Schwierige zweite Phase

    Die OECD-Volkswirte rechnen nun in den nächsten 18 Monaten mit einer schrittweisen eher langsamen Erholung in den meisten Industriestaaten – allerdings unter der Voraussetzung, dass es nur noch lokale Corona-Ausbrüche gibt, die keine kompletten Lockdowns mehr erfordern.

    „Wir müssen mit dem Virus leben, solange es keinen Impfstoff gibt“, sagt Boone. Diese zweite Pandemie-Phase sei „herausfordernd“, denn: „Man kann das Virus nur mit physischer Distanz, mit Tests und Isolation eindämmen.“ Die unweigerlichen Nebeneffekte seien, dass sich alle Sektoren, die auf den Kontakt zwischen Menschen angewiesen sind, nicht vollständig werden erholen können: Veranstaltungen, Reisen, Restaurantbesuche und Hotelübernachtungen können also das Vorkrisenniveau für längere Zeit nicht erreichen. „Diese Sektoren stehen für bis zu 20 Prozent der Beschäftigten in den OECD-Ländern“, so Boone.  

    Je länger sich der Aufschwung hinzieht, desto mehr Firmen werden in die Pleite rutschen, und desto mehr Jobs werden verloren gehen. Die Sparquote, die bereits jetzt in vielen Ländern um bis zu 20 Prozentpunkte höher liegt als vor Corona, wird dann hoch bleiben, und auch die Firmen werden ihr Geld zusammenhalten und weiterhin wenig investieren.

    Die Wirtschaft wird daher nach Auffassung der OECD auch 2021 und 2022 noch auf Unterstützung der Staaten angewiesen bleiben. Die OECD warnt wegen der anhaltenden Unsicherheiten die Regierungen dringend davor, zu früh auf einen Sparkurs einzuschwenken: Das könnte dem Aufschwung den Garaus machen.

    Kurzarbeit mit Nebenwirkungen

    Allerdings warnt Boone auch davor, alle Notfallhilfen unverändert bestehen zu lassen: Die Kurzarbeitsregeln sollten nach und nach wieder verschärft werden. Denn Kurzarbeit tauge, bestehende Jobs zu erhalten, die jetzt notwendige Anpassung an neue Gegebenheiten würde sie aber bremsen, so Boone. Ähnliches gelte, wenn zu lange Insolvenzen vermieden würden:

    Die Regierungen sollten daher weniger für Kurzarbeitergeld, aber mehr für Arbeitslosengeld, verknüpft mit Qualifizierungsprogrammen, ausgeben. Digitalisierung der Wirtschaft und Investitionen in Klimaschutz müssten jetzt Priorität bekommen.

    Notwendig seien weiterhin hohe Gesundheitsausgaben: Tests und Krankenhausbetten müssten ausreichend weiterhin bereitstehen, ebenso Schutzausrüstungen und Masken.

    Weil die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie so hoch ist, hat die OECD auch zwei Alternativ-Szenarios berechnet: Wenn es schneller einen Impfstoff oder Medikamente gäbe, dann könnte das Welt-BIP 2021 um sieben statt um fünf Prozent zulegen. Dann würde auch die deutsche Wirtschaft um über sechs statt um 4,6 Prozent wachsen.  

    Eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit als das bessere Szenario hat aus OECD-Sicht aber nach dem Sommer der Neuansteckungen das schlechtere Szenario: In ihm kommt es zu zweiten Corona-Wellen und harten Lockdowns. Die Weltwirtschaft würde dann um bis zu drei Prozentpunkte weniger wachsen als in der neuen Prognose. Dann hätte sich die düstere OECD-Prognose aus dem Juni doch noch bewahrheitet.

    Mehr: Lesen Sie hier das vollständige Gespräch mit der OECD-Chefvolkswirtin

    Startseite
    Mehr zu: OECD-Prognose - Die Weltwirtschaft schrumpft doch nicht so schlimm wie befürchtet
    0 Kommentare zu "OECD-Prognose: Die Weltwirtschaft schrumpft doch nicht so schlimm wie befürchtet"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%