Ökonomen warnen vor Konjunktur-Euphorie Das sind die Risiken für die deutsche Wirtschaft

Die Prognosen von Forschungsinstituten und IWF sagen: Deutschland bleibt auf Wachstumskurs. Doch Experten warnen: Die glänzende Fassade der deutschen Wirtschaft ist trügerisch. Wie lange hält der Deutschland-Boom?
Update: 06.10.2015 - 16:27 Uhr 14 Kommentare
Der deutschen Wirtschaft geht es bestens - zurzeit. Aber unter der glänzenden Fassade erodieren auf breiter Front viele ihrer Vorteile, warnen Experten. Quelle: ap
Deutschlandfahne.

Der deutschen Wirtschaft geht es bestens - zurzeit. Aber unter der glänzenden Fassade erodieren auf breiter Front viele ihrer Vorteile, warnen Experten.

(Foto: ap)

BerlinDen einen gilt Deutschland noch immer als starker Mann Europas. Die anderen glauben, dass die Marke „Made in Germany“ der größten Volkswirtschaft Europas wegen des VW-Abgasskandals derart stark gelitten hat, dass der deutschen Wirtschaft eine unsichere Zukunft bevorsteht. So prognostizierte der Internationale Währungsfonds (IWF) am Dienstag mit 1,5 Prozent im laufenden und 1,6 Prozent im nächsten Jahr ein leicht schwächeres Wachstum für Deutschland als bisher.

Düstere Szenarien wollen Experten aber nicht zeichnen – noch nicht. Denn ihrer Einschätzung nach wird die deutsche Wirtschaft angefacht durch niedrige Zinsen noch ein paar Jahre ordentlich wachsen. Allerdings halten sie es auch für falsch, jetzt in Konjunktur-Euphorie zu verfallen. „Es ist eine Illusion zu glauben, es gebe einen Deutschland-Boom“, rückt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, den Eindruck einer wie geschmiert laufenden Wirtschaft zurecht. Die Volkswirtschaft in Deutschland sei seit dem Jahr 2000 um drei Prozent weniger gewachsen als in Frankreich und 10 Prozent weniger als in Spanien. „Wir erleben zurzeit lediglich einen Aufholprozess dessen, was wir in den 2000er Jahren verpasst haben“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt.

Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), bremst ebenfalls. „Die wirtschaftliche Fassade Deutschlands ist nicht glänzend, aber solide“, sagte Horn dem Handelsblatt. Diese Solidität rühre aus der im Vergleich zu früheren Aufschwüngen stärkeren binnenwirtschaftlichen Dynamik. „Die relativ kräftigen Lohnsteigerungen lassen, unterstützt von der Einführung des Mindestlohns, die Kaufkraft der privaten Haushalte spürbar steigen“, erläuterte der Ökonom. Dies führe zu einer „merklichen Ausweitung des Konsums“.

„Aus diesem Grund“, analysiert Horn weiter, „können die unbestreitbar vorhandenen außenwirtschaftlichen Risiken derzeit noch relativ gut verkraftet werden.“ Ohnehin dürfe nicht übersehen werden, dass die global bedeutsamste Volkswirtschaft USA sich in einem soliden Aufschwung befinde, was die Exporte aus Deutschland trotz der Schwierigkeiten in China beflügle, fügte der IMK-Chef hinzu. Hinzu kämen leichte Erholungstendenzen im Euro-Raum. „Kein Aufschwung ist jedoch sicher“, warnte Horn. „So würde ein Wiederaufflammen der Krise des Euro-Raums auch den Aufschwung in Deutschland schnell wieder zum Erliegen bringen.“ 

Der Chefvolkswirt der DZ Bank führt die aktuelle Robustheit der Wirtschaft darauf zurück, dass Deutschland sich vor Jahren schon einen strukturellen Vorsprung erarbeitet hat, der immer noch trage. „In den letzten Jahren wird dieser Vorsprung aber zunehmend aufgezehrt“, gibt Bielmeier im Gespräch mit dem Handelsblatt zu bedenken. „Insbesondere die letzten Entscheidungen, wie die Einführung des Mindestlohnes, sind sicherlich vom Gefühl der wirtschaftlichen Stärke geprägt worden.“

Auch die kräftigen Lohnsteigerungen in den vergangenen Jahren seien möglich geworden durch die starke wirtschaftliche Entwicklung, sagte Bielmeier weiter. Diese Entwicklungen stärkten zurzeit die Binnenwirtschaft, was sicherlich „eine willkommene Entwicklung“ sei. „Bislang“, so Bielmeier,  „machen sich diese Entwicklungen auch noch nicht negativ bemerkbar, da mögliche negative Auswirkungen kompensiert werden durch die demographische Entwicklung und den noch vorhandenen Wettbewerbsvorteil.“

„Deutschlands gute Wachstumszahlen werden nicht von Dauer sein“
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14 Kommentare zu "Ökonomen warnen vor Konjunktur-Euphorie: Das sind die Risiken für die deutsche Wirtschaft"

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  • Deutschland hat NUR einige Risiken. Das sind Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie kaum 200 Handelspartner.. das größte Risiko für die Deutsche Wirtschaft ist aber Deutschland selbst, weil sein Binnenmarkt so sehr schwach ist, dass 250 Mrd. Euro Güter als Exportüberschuss das Land verlassen, ohne auch nur ein einziges Bedürfnis der einheimischen Bevölkerung zu befriedigen. Haben das alle Ökonomen verstanden? Na dann ist ja gut!

  • Hm, meine Frage ist, in wie weit Wirtschaftsprognosen überhaupt sinnvoll sind? Gibt es nicht viel zu viele Unsicherheiten und zeigt die Vergangenheit nicht, dass es sich mit Prognosen wie mit Wettervorhersagen verhält? Je weiter in die Zukunft, desto geringer die Trefferquote?

    Wir führen genau dazu aktuelle leine Umfrage durch und ich lade Sie herzlich ein, teilzunehmen. Unsere Studie erkundet, in wieweit Wirtschaftsprognosen (Ifo-Institut, DIW, IfW, Sachverständigenrat etc.) die beruflichen und die privaten Entscheidungen in Deutschland beeinflussen und als wie zuverlässig sie eingeschätzt werden. http://www.scopar.de/news-termine/detail/studie-wirtschaftsprognosen/ Im Rahmen eines Hochschulprojekts werden parallel die Trefferquoten der letzten 10 Jahre eruiert.. mal sehen, was dabei rauskommt..

    Und zum Thema Innovation: Innovation ist eine Führungsaufgabe – so schreibt Prof. Günther H. Schust und skizziert sechs Maßnahmen und Tipps für mehr Innovationskraft im Unternehmen: http://www.scopar.de/news-termine/detail/schust-innovation-fuehrung/

    Voraussetzung ist jedoch, dass die Menschen endlich als der kritische Erfolgsfaktor in Deutschland gesehen werden: http://www.amazon.de/Kaleidoskop-Scherben-Ein-ungewöhnlicher-Wirtschaftsthriller/dp/3981656504

  • Der Forist Meier schrieb: Deutschland hat sich schon vor Jahrzehnten dazu entschieden sich technologisch nicht mehr weiter zu entwickeln.
    Das ist leider richtig und das ist das Hauptproblem. Wenn man in die Abschlußjahrgänge der Gymnasien hineingehört, wollen viel zu wenige technische oder naturwissenschaftliche Fachrichtungen studieren. Da liegt das Problem. Nur unser Ingenieurgeist sichert uns den aktuellen Wohlstand. Wenn wir so weitermachen, dann landen wir 2030 auf einer Stufe mit Portugal. Das ist ein sehr schönes Land, aber eben mit weitaus geringerem Wohlstand. Ob das dann wirklich schlecht ist, lassen wir mal offen. Wenn wir bis dahin endlich die von der Politik versprochene Erderwärmung haben, liegen wir ja unter Palmen.

  • Selbst wenn Ingenieure nachkommen, Ingenieursleistungen werden international ausgeschrieben und billigst eingekauft. Seien wir doch ehrlich, Deutschland hat bis zum heutigen Tag von den Innovationen die während des WW2 entstanden sind gezehrt. Deutschland hat sich schon vor Jahrzehnten dazu entschieden sich technologisch nicht mehr weiter zu entwickeln. Ok, ich weiss, die Automobilindustrie... 35% Wertschöpfung im Heimatland enttarnen dieses Zugpferd als lahmen Gaul.

  • Sie liegen mal wieder vollkommen daneben, mein lieber Herr Hofmann.

    Unter Merkel hat Deutschland Substanz aufgebaut. Mehr als Rot-Grün. Schröder hat mit Hartz den Grundstein dafür gelegt. Ich gebe Ihnen allerdings Recht, dass es so nicht mit Deutschland weitergehen kann. Auch haben Sie Recht, das Deutschland sich nur durch einen politischen Mix weiterentwickelt wird. Dabei klar, dass die am ehesten mit demokratischen Parteien möglich ist. Insofern wird grüner Sozialismus dabei eine große Rolle spielen. Merkel hat dies erkannt.

  • "Die Große Koalition muss zur Bewältigung der Flüchtlingskrise nicht nur viel Geld in die Hand nehmen, sondern möglicherweise auch einen hohen politischen Preis zahlen."
    Was soll das?
    -Nicht die große Koalition muss viel Geld in die Hand nehmen: DER BÜRGER ZAHLT!
    -einen hohen politischen Preis zahlen: Selbst in der Opposition lebt es sich für die Politiker vorzüglich. Die Diäten laufen weiter. Bis zu ihrem Tot.

    Die Presse traut sich gar nicht mehr die Wahrheit zu schreiben. Von einem Grenzübergang wird berichtet. 10tsd kamen bei Passau am Sonntag über die Grenze. Warum werden die anderen Grenzübergänge verschwiegen?

    Man kommt sich vor wie im Jahre 44. Alles ok. Alles im grünen Bereich.
    Das Ende ist bekannt.

    Ungerecht nur das es keinen weiteren Nürnberger Prozess, nebst damals verhängten Strafen, geben wird.

  • geht nicht, fahr schon einen Porsche.

  • „Die Große Koalition muss zur Bewältigung der Flüchtlingskrise nicht nur viel Geld in die Hand nehmen, sondern möglicherweise auch einen hohen politischen Preis zahlen.“

    … viel Geld, …. möglicherweise ……

    Was denn jetzt genau? Wieviel Geld - und möglicherweise welcher Preis? Geht es denn auch mal konkret?

    Gibt es von Seiten der Regierung eigentlich eine Informationsquelle im Internet, wo der Bürger sich informieren kann, wieviel Flüchtlinge dieses Jahr bereits in Deutschland eingetroffen sind, wieviel Flüchtlinge jetzt täglich nach Deutschland kommen, aus welchen Ländern welche Anzahl von Flüchtlingen kommen, wieviel Flüchtlinge auf welche Städte verteilt werden sollen, wo die Flüchtlinge untergebracht werden, wieviel Asylanträge gestellt wurden, wieviel Asylanträge zugestimmt und abgelehnt wurden, wieviel Flüchtlinge bereits abgeschoben wurden, Was ein Flüchtling an kostenlosen Sozialleistungen erhält, was ein Flüchtling an Taschengeld bekommt und was es dem Steuerzahler insgesamt dieses Jahr kosten wird, bzw., was ein Flüchtling dem Steuerzahler pro Jahr kostet?

    Oder wird Herr Altmeier sich jetzt darum kümmern?

  • Eins der größten Risiken ist meinem bescheidenen Meinung nach, dass bei weitem nicht so viele fähige Ingenieure nachkommen, wie in den Ruhestand gehen, nicht einmal ansatzweise.

    Der Unterschied zwischen dem was kommt und dem was geht ist zu eklatant und auf Dauer kaum zu kompensieren.

    Das liegt auch daran, dass der zunehmend kommunistische deutsche Ausbeuterstaat seine Ingenieure, von den das Land durch und durch abhängig ist, nur noch als Bezahlnutztiere betrachtet und misshandelt und sie damit demotiviert. Soll ich mich daheim hinsetzen und mich privat weiterbilden, nur damit der Ausbeuterstaat mich noch effektiver ausziehen kann oder was?

    Wer als Junging. etwas in der Birne und sich möglicherweise noch international gefragtes Spezialistenwissen angeeignet hat, geht ins Ausland, weil die Bedingungen in den vergleichbar entwickelten Wirtschaftsräumen praktisch durchgängig besser bis viel besser sind, das geht von der Bezahlung bis zum Ansehen.

    Deutschland geht auch vom Kopf her zugrunde, das Einzige was hier noch blüht und zulegt, ist der Sozialstaat. Nichts gegen den Sozialstaat aber wenn man diesem alles andere unterordnet, sind wir in spätestens 20 Jahren komplett erledigt und da wo heute Albanien steht und darunter!

  • Die ganzen neuen Facharbeiter werden Deutschland in bluehende Landschaften verwandeln, aehnlich ihrer Herkunftslaender.

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