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Preise in der Euro-Zone EZB-Geld kurbelt Inflation nicht an

Die Notenbank ist meilenweit von ihrem Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent entfernt. In der Euro-Zone sanken die Preise zuletzt wieder: um 0,1 Prozent. Ein Faktor drückt die Kosten besonders.
30.09.2015 - 12:13 Uhr
Viele Euros, aber keine Inflation. Quelle: dpa
Euro-Banknoten

Viele Euros, aber keine Inflation.

(Foto: dpa)

Brüssel Trotz der großen Geldflut der EZB fallen die Preise in der Euro-Zone. Sie sanken im September um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Europäische Statistikamt am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Von Reuters befragte Fachleute hatten mit stagnierenden Preisen gerechnet. Im August lag die Teuerungsrate in den 19 Euro-Ländern bei 0,1 Prozent.

Insbesondere die um 8,9 Prozent gesunkenen Energiekosten drückten die Inflationsrate im September weiter in den Keller. Der Sinkflug der Preise in der Euro-Zone liefert Befürwortern größerer Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) Argumente an die Hand. Denn die Notenbank ist meilenweit von ihrem Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent entfernt.

So hilft die EZB den Schuldenmachern
Italien profitiert
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Die EZB hat Anfang März ihr neues Anti-Krisen-Programm gestartet. Sie „druckt“ frisches Geld und kauft damit Wertpapiere. Fachleute nennen dies quantitative Lockerung oder schlicht „QE“ („Quantitative Easing“). EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Märkte seit Monaten darauf vorbereitet. Im Januar gab der EZB-Rat mit breiter Mehrheit grünes Licht – gegen den Widerstand etwa von Bundesbankpräsident Jens Weidmann und dem deutschen EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger. Seitdem preisen die Märkte das „QE“. Die Rendite für italienische zweijährige Staatsanleihen ist seit Jahresbeginn deutlich gefallen.

Rendite (Jahresbeginn): 0,53 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,29 Prozent
Quelle: Bloomberg

Langfristig günstiger
2 von 9

Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen ist ebenfalls zurückgegangen. Italien kann sich damit deutlich günstiger Geld am Markt leihen. Das Land fiel während der Krise 2012 nicht nur wegen seiner Schulden, sondern auch wegen politischer Querelen auf. Die Zinsen lagen dementsprechend 2011/2012 bei fast sieben Prozent. Rund drei Jahre später sind die heutigen Zinsen für das Land deutlich niedriger.

Rendite (Jahresbeginn): 1,89 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,37 Prozent
Quelle: Bloomberg

Starkes Portugal
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Am stärksten profitierten in der ersten Woche der EZB-Geldflut portugiesische Staatsanleihen. Die Rendite der 30-jährigen Anleihen aus Portugal fiel die sechste Woche in Folge und erreichte Mitte März ein Rekordtief. Auch für zweijährige Staatsanleihen ging es bei der Rendite deutlich abwärts. Zu Krisenzeiten lag die Rendite hier noch über 20 Prozent. Heute liegt sie nahe Null.

Rendite (Jahresbeginn): 0,42 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,11 Prozent
Quelle: Bloomberg

Rendite auf Vorkrisenniveau
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Auch bei der Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen ging es nach unten. Die Differenz zur Rendite der  Bundesanleihen sank auf 130 Basispunkte – die kleinste Differenz seit April 2010. Die Renditen zeigen auch sehr deutlich, warum am Aktienmarkt Kauflaune herrscht: Mit Staatsanleihen kann man kaum noch Rendite erwirtschaften. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 zahlte Portugal für seine zehnjährigen Anleihen mehr als 17 Prozent Zinsen.

Rendite (Jahresbeginn): 2,69 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,75 Prozent
Quelle: Bloomberg

Spanien kommt günstiger an Geld
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Auch Spaniens Staatsanleihen sind seit Jahresbeginn beliebter. Die steigende Nachfrage ließ die Rendite konstant fallen. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 forderten Anleger am Markt noch fast sieben Prozent Rendite für zweijährige spanische Staatspapiere.

Rendite (Jahresbeginn): 0,4 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,16 Prozent
Quelle: Bloomberg

Renditen weit unter Krisenniveau
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Im Sommer 2012 zahlte Spanien mehr als sieben Prozent Zinsen für seine zehnjährigen Staatsanleihen. Im Sommer 2012 kam dann Draghis Versprechen „alles zu tun, was nötig sei“, um den Euro zu retten. Seitdem ging es bei den Renditen der Staatsanleihen konstant abwärts. Anfang 2015 betrugen die Zinsen nur noch 1,6 Prozent und fielen als Folge des „QE“ der EZB noch weiter.

Rendite (Jahresbeginn): 1,6 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,34 Prozent
Quelle: Bloomberg

Deutschland: Geld leihen und dafür zahlen
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Eine besondere Situation zeigt sich bei den Bundesanleihen. Bei zweijährigen Staatspapieren der Bundesrepublik bekamen Anleger zu Jahresbeginn eine negative Rendite. Sprich: Investoren zahlen Geld, um Deutschland ihr Geld zu leihen. Durch die Staatsanleihekäufe der EZB ist die Rendite sogar noch weiter ins Minus gerutscht.

Rendite (Jahresbeginn): - 0,1 Prozent
Rendite (18.03.2015): - 0,23 Prozent
Quelle: Bloomberg

Dieser Wert gilt als ideal für die Entwicklung der Wirtschaft. Negative Inflationsraten lassen hingegen die Alarmglocken bei vielen Währungshütern schrillen: Sie wollen auf jeden Fall einen Preisrutsch auf breiter Front verhindern, der eine Wirtschaft lähmen kann. Verbraucher halten sich dabei in Erwartung immer weiter sinkender Preise zurück, Löhne sinken und Investitionen geraten ins Stocken.

Die EZB will es nicht soweit kommen lassen und pumpt seit März massiv Geld in das Finanzsystem. Das bis September 2016 laufende Programm zum Ankauf von Staatsanleihen und weiteren Wertpapieren soll einen Umfang von 1,14 Billionen Euro haben. Viele Fachleute rechnen angesichts der Preisentwicklung damit, dass EZB-Chef Mario Draghi die Dosis der monatlichen Geldspritzen binnen sechs Monaten von derzeit 60 auf bis zu 80 Milliarden Euro erhöhen wird.

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    Die Chefvolkswirte der privaten Banken erwarten in diesem und im nächsten Jahr für Deutschland indessen ein Wirtschaftswachstum von je 1,7 Prozent. Dabei sollte der Export mit einem Plus von 5,6 Prozent (2015) und 4,6 Prozent (2016) die Triebfeder sein, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturprognose hervorgeht. „Die Perspektiven für die Weltwirtschaft sind in den letzten Wochen vor allem mit Blick auf die Schwellenländer spürbar unsicherer geworden“, sagte das Hauptgeschäftsführungsmitglied des Bankenverbandes, Hans-Joachim Massenberg.

    Die Verbraucherpreise dürften nach Einschätzung der Banken-Volkswirte im kommenden Jahr wieder stärker steigen – um 1,7 Prozent nach 0,4 Prozent in diesem Jahr. Der dämpfende Effekt des stark gesunkenen Ölpreises sollte dann wieder nachlassen, hieß es.

    • rtr
    • dpa
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