Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Preise in Deutschland Inflation steigt – und mit ihr der Druck auf Draghi

Die Preise in Deutschland sind Februar so stark gestiegen wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Die Preise stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent. Damit erhöht sich der Druck auf die EZB.
Update: 01.03.2017 - 14:51 Uhr 39 Kommentare

Inflation drückt auf die Verbraucherstimmung

FrankfurtDa sind sie, die von EZB-Präsident Mario Draghi herbeigesehnten zwei Prozent: Steigende Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation in Deutschland erstmals seit viereinhalb Jahren über die Marke von zwei Prozent getrieben. Im Februar kosteten Waren und Dienstleistungen 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Eine solch hohe Inflationsrate wurde zuletzt im August 2012 gemessen“, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur 2,1 Prozent erwartet, nach 1,9 Prozent im Januar. Die Teuerungsrate liegt nun erstmals seit 2012 über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

Inflationsrate in Deutschland
von April 2016 bis April 2017
(gegenüber Vorjahresmonat)

Energie verteuerte sich mit 7,2 Prozent besonders stark, vor allem Heizöl, Benzin und Diesel. Das Ölkartell Opec hatte sich Ende vorigen Jahres im Kampf gegen eine Überangebot auf eine Förderkürzung geeinigt, was für steigende Preise sorgt. Nahrungsmittel kosteten 4,4 Prozent mehr als im Februar 2016, unter anderem wegen Missernten in südeuropäischen Ländern. Die EU-Kommission sagt Deutschland für 2017 eine durchschnittliche Inflationsrate von 1,9 Prozent voraus, was fast viermal so viel wäre wie 2016.

Nicht nur Energie und Nahrungsmittel, sondern auch viele andere Waren und Dienstleistungen dürften bald teurer werden, erwartet Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. „Grund dafür ist die gute Konjunktur mit steigender Beschäftigung“, sagte er. „Das eröffnet den Unternehmen Spielräume, höhere Kosten – etwa durch steigende Importpreise infolge des abgewerteten Euro - auf die Kunden umzulegen.“

Damit wächst der Druck auf die EZB, die geldpolitische Wende vorzubereiten. Sie hat den Leitzins auf null Prozent gesenkt, um eine Deflation – einen Preisverfall auf breiter Front – zu verhindern. Außerdem pumpt sie über Anleihenkäufe Milliarden in die Wirtschaft.

„Die EZB wird unter starken Druck kommen, ihre ultralockere Geldpolitik zurückzufahren“, sagte Bargel. Sie könne deshalb in diesem Jahr verkünden, die Anleihenkäufe weiter zu drosseln. „Zinserhöhungen sind aber frühestens 2018 zu erwarten.“

Die Inflation in der Euro-Zone könnte nach Einschätzung der Bundesbank dieses Jahr wegen gestiegener Ölpreise weit über den bisherigen Prognosen liegen. Für Deutschland werde eine Revision um etwa einen halben Prozentpunkt nach oben erwartet, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Mittwoch auf einer Veranstaltung in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. „Und dies könnte auch für die Euro-Zone als Ganzes der Fall sein.“

Das gelte unter der Annahme, dass die Ölpreise nicht noch weiter anzögen. Zum Jahresende hin rechnet Weidmann dann mit einer Rückkehr zu etwas geringeren Teuerungsraten. Weidmann ist in vielen Punkten ein Kritiker des laxen Kurses von EZB-Chef Mario Draghi.

Weidmann: Nicht davor zurückschrecken, die Geldpolitik zu straffen

Wofür die Deutschen mehr Geld ausgeben müssen – und wo sie sparen
Tomaten
1 von 20

Auf Platz zehn in der Rangliste der Waren, deren Preis sich erhöhte, landeten Tomaten. Die Paradiesäpfel kosteten die Deutschen 12,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

(Foto: dpa)
Kopfsalat und Eisbergsalat
2 von 20

Der Preis für Kopf- oder Eisbergsalate stieg im Jahr 2016 um 13,7 Prozent. Somit landet das Lebensmittel auf dem vorletzten Platz unter den Top-Ten.

(Foto: dpa)
Betriebssystem und andere PC-Anwendersoftware
3 von 20

Auf Platz acht, mit 14,6 Prozent Preisanstieg, landeten Betriebssysteme wie Microsoft Windows und Apples macOS.

(Foto: Reuters)
Paprika
4 von 20

Teurer wurde auch eine weitere Gemüsesorte für die Verbraucher: Paprika verzeichnete eine Preiserhöhung um 17,4 Prozent.

(Foto: dpa)
Feldsalat, Lauch und Sellerie
5 von 20

Ebenso Lauchgemüse. Fast 21 Prozent mussten die Deutschen im Vergleich zu 2015 mehr an der Kasse bezahlen.

(Foto: dpa)
Leichtes Heizöl
6 von 20

Auch im Rohstoffsektor wurden Teuerungen festgestellt. Leichtes Heizöl verzeichnete einen Preisanstieg von 21,9 Prozent.

(Foto: dpa)
Kürbisse, Auberginen und Mais
7 von 20

Laut Verbraucherpreisindex sind Kürbisse, Auberginen oder Mais ordentlich im Preis gestiegen: um 22,1 Prozent auf Jahressicht.

(Foto: dpa)

Viele Experten sind der Meinung, dass die Inflation im Februar vorerst ihren Höhepunkt erreicht hat. Der Inflationsanstieg hängt vor allem mit dem Basiseffekt bei Energiepreisen zusammen. Anfang 2016 war der Ölpreis drastisch gefallen. Im Vergleich zu den niedrigen Werten ist er nun deutlich gestiegen. Viele Ökonomen erwarten, dass die Inflation in den nächsten Monaten wieder fällt, wenn der Ölpreis auf dem bisherigen Niveau bleibt.

Lange Zeit hatte Energie den Anstieg der Teuerung gedämpft. Seit Mitte 2014 war Rohöl vor allem infolge der weltweiten Überproduktion deutlich günstiger geworden. Ende 2016 drehte der Trend endgültig. Die höheren Benzin- und Heizölpreise zehren an den Einkommen der Verbraucher und engen den Spielraum für andere Anschaffungen ein. Volkswirte gehen jedoch von einem vorübergehenden Phänomen aus: Ein kräftiger Ölpreisanstieg in den nächsten Monaten gilt etwa wegen hoher Lagerbestände als unwahrscheinlich, damit dürfte der Preistreiber Energie wieder etwas an Durchschlagskraft verlieren.

Die EZB geht für die Euro-Zone bislang von 1,3 Prozent Preissteigerung in diesem Jahr aus, die Bundesbank für Deutschland von 1,4 Prozent. Im Januar war die Inflation in der Euro-Zone mit 1,8 Prozent bereits nahe an die EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent herangerückt, die als optimaler Wert für die Wirtschaft anstrebt wird. Das hatte die Diskussion über einen Ausstieg aus der seit Jahren ultra-lockeren Geldpolitik befeuert.

Für Februar erwarten Ökonomen eine Inflationsrate von zwei Prozent in der Euro-Zone. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird auf ihrer Ratssitzung am 9. März neue Inflations- und Konjunkturprognosen vorlegen.

„Der robuste wirtschaftliche Aufschwung und eine steigende Kapazitätsauslastung im Euro-Raum werden ebenfalls den Preisdruck allmählich hochtreiben“, sagte Weidmann weiter. Er sieht die Wirtschaft insgesamt in recht guter Verfassung. „Der Aufschwung hat sich stabilisiert.“ Weidmann bekräftigte zudem, die EZB dürfe nicht davor zurückschrecken, ihre Geldpolitik zu straffen, sobald die Zeit dafür gekommen sei.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • jam
  • rtr
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Preise in Deutschland - Inflation steigt – und mit ihr der Druck auf Draghi

39 Kommentare zu "Preise in Deutschland: Inflation steigt – und mit ihr der Druck auf Draghi"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zum Glück haben wir ja jetzt Martin Schulz. Der kommt direkt aus der Brutstätte Europas und hat sicherlich Erfahrung, wie man den Italiener Draghi zukünftig daran hindern kann, wie er mit dem Geld der Deutschen den Lebensstandard Italiens am laufen hält.

  • Jetzt wird es ernst. Die Inflation beschleunigt sich weiter. Das ist für Sparer eine sehr bittere Nachricht. Viele von ihnen werden jetzt Tag für Tag ärmer. Ihre Altersvorsorge schmilzt wie Schnee in der Sonne. Politische Verwerfungen drohen am Horizont. In dieser Situation sollte die EZB eigentlich die Zinsen anheben. Tut sie aber nicht. Muss sie auch nicht. Denn die Politik hat ihr so etwas wie einen Freibrief gegeben. Deshalb ist jetzt die Politik selbst in der Verantwortung. Sie sollte die Einbußen der Kleinsparer durch Zulagen ausgleichen. Haushaltsüberschüsse machen das möglich. Außerdem sind diese Überschüsse auch ein Ergebnis der Nullzinspolitik. Die EZB ist unabhängig. Aber die Politik, die diese Unabhängigkeit gewährt hat, ist vom Wähler abhängig. Man darf sehr gespannt sein, ob der Wähler rechtzeitig ein politisches Signal der Hoffnung empfangen wird.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Mit Schulden Geld verdienen darum geht es und Herr Draghi ermöglicht es.
    Herr Draghi ist ein Genie, ich werde vorschlagen, ihn in den Adelsstand zu erheben,
    für das Schaffen von Arbeitsplätzen für den Mob und meine Dividenden. So geht das,
    Geld für mich, Arbeit für die Fleißigen. Ha Ha Ha

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote