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Preisentwicklung Trotz Warenknappheit ist keine Inflation in Sicht – zumindest kurzfristig

Auch wenn einige Güter derzeit knapp und teuer sind: Ökonomen sehen keine große Inflation nahen. Mittelfristig könnten die Preise aber wieder steigen.
11.02.2021 - 18:56 Uhr Kommentieren
Kurzfristig könnten die Preise durch die Knappheit von bestimmten Gütern infolge von Corona steigen – aber wohl nur vorübergehend. Quelle: dpa
Containerschiff in Antwerpen

Kurzfristig könnten die Preise durch die Knappheit von bestimmten Gütern infolge von Corona steigen – aber wohl nur vorübergehend.

(Foto: dpa)

Berlin Lange Zeit schien Inflation wie verflogen. Egal, wie sehr Notenbanken die Geldschleusen auch öffneten, wie sehr sich Staaten für große Rettungsprogramme verschuldeten und wie sehr Ökonomen deshalb vor einer Preissteigerung warnten – die Zeit hoher Preissteigerungen schien vorbei.

In der Annahme, die globale Arbeitsteilung habe die Inflation verschwinden lassen, haben sich die Industriestaaten in einer Niedrigzinswelt eingerichtet. Viele Ökonomen glauben, dass diese noch Jahrzehnte anhalten wird.

Doch seit einigen Monaten wird wieder verstärkt über ein Comeback der Inflation debattiert. Das hat verschiedene Gründe: So könnte der erwartete starke Aufschwung nach der Pandemie die Preise nach oben treiben, ebenso das riesige Corona-Rettungspaket der US-Regierung, so Experten.

Das erweiterte Mandat vieler Notenbanken wie der US Federal Reserve, stärker auf Beschäftigung und etwas weniger auf die Preisentwicklung zu schauen, spielt auch eine Rolle, ebenso strukturelle Veränderungen in der Weltwirtschaft.

So könnte die Demografie und der mit ihr einhergehende Fachkräftemangel in den Industriestaaten die Inflation wieder ansteigen lassen, weil Arbeitnehmer bei Lohnverhandlungen in einer guten Verhandlungsposition sind.

Erste Experten warnen sogar schon, Geld- und Finanzpolitik dürften wegen steigender Preise nicht vorschnell auf die Bremse treten, um den zarten Aufschwung nach der Coronakrise nicht abzuwürgen.

Preisdruck hat zugenommen

„Zuletzt gab es tatsächlich einige Hinweise, dass sich wieder mehr Inflationsdruck aufbaut“, sagt Ökonom Dirk Schumacher von der Bank Natixis. So ist etwa die Inflationsrate in Deutschland zuletzt wieder auf ein Prozent gesprungen.

Auch die Renditen auf US-Staatsanleihen legten zu, was ebenfalls als ein Indikator für mögliche höhere Preise in der Zukunft ist, ebenso die Produzentenpreise im Euro-Raum. „Dennoch lässt sich aus all dem jedenfalls für Europa keine größere Inflations-Story stricken“, sagt Ökonom Schumacher.

Kurzfristig könnten die Preise durch die Knappheit von bestimmten Gütern infolge von Corona zwar steigen. „Höhere Transportkosten können die Inflation um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte nach oben treiben“, sagt Ökonom Holger Schmieding von der Berenberg Bank. „Aber das ist kurzfristig.“ Die Knappheit von Containern etwa dürfte sich binnen eines halben Jahres entspannen.

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Das Gleiche gilt für den erwarteten Anstieg der Nachfrage. Weil viele Menschen nach dem Ende des Lockdowns verstärkt auf Shopping-Tour oder in Restaurants gehen, könnte auch dies die Preise nach oben treiben. Aber auch dieser Effekt wird zeitlich begrenzt sein. Und höhere Preissteigerungen sind derzeit in Europa sogar willkommen, weil der Euro-Raum eher fürchten muss, in eine Deflation zu geraten.

In den vergangenen 20 Jahren war zudem ein interessanter Effekt zu beobachten: Höheres Wachstum hatte einen immer geringeren Effekt auf die Inflation.

Ära fallender Inflationsraten vorbei

Selbst wenn man unterstellt, dass sich dies ändert und ein stärkeres Wachstum wieder mit höheren Preissprüngen einhergeht, werde die Inflation in Europa bis Ende 2022 kaum über 1,5 Prozent steigen, so Ökonom Schumacher. Fast alle Ökonomen sehen das ähnlich.

Umstrittener ist inzwischen dagegen, wie sich die Inflation mittelfristig entwickeln wird. Viele Ökonomen glauben nach wie vor, die Zinsen werden noch lange niedrig sein, vielleicht sogar bis 2050.

Es gibt aber auch einige, die das inzwischen anders sehen. Schmieding erwartet etwa, die vier Jahrzehnte andauernde Ära fallender Inflationsraten sei wegen des absehbaren Fachkräftemangels, höherer Staatsausgaben, einer Restrukturierung globaler Wertschöpfungsketten und einer höheren Nachfrage nach arbeitsintensiven Dienstleistungen wie Medizinprodukten und Pflege vorbei – und Europa werde in diesem Jahrzehnt wieder Inflationsraten von zwei Prozent sehen.

Mehr: Die schlafende Inflation

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