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PreisstabilitätIWF warnt vor „deutlich höherer Inflation“

Probleme in den Lieferketten, steigende Immobilienpreise und unsichere Inflationserwartungen schrecken den Internationalen Währungsfonds auf. Er fordert eine bessere Kommunikation.Julian Olk 06.10.2021 - 16:05 Uhr Artikel anhören

Es brauche einen gut kommunizierten Plan für einen möglichen schrittweisen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik.

Foto: Reuters

Berlin. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält es für unwahrscheinlich, dass von den aktuell steigenden Preisen eine direkte Gefahr für einer länger anhaltende Inflation ausgeht. Die Organisation warnt allerdings vor diversen Unsicherheiten. Der IWF skizziert daher in einem am Mittwoch veröffentlichen Auszug seines „World Economic Outlook“ (WEO) die Gefahr von „deutlich höherer Inflation“.

Seit mehreren Monaten steigen die Preise in den meisten Industrienationen. In Deutschland legte die Inflationsrate zuletzt im September auf 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Gegenüber August stagnierte das Preisniveau. In den USA lag die Teuerungsrate bei 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat respektive 0,3 Prozent gegenüber Juli.

Die steigenden Preise sind vor allem durch vorübergehende Effekte auf der Angebotsseite getrieben. Nachwehen der Coronapandemie sorgen für Probleme in den internationalen Lieferketten. Die Energiepreise sind auf Rekordhöhen. Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent liegt auf einem Dreijahreshoch.

Gleichzeitig bauen die Verbraucher teilweise ihre während der Pandemie angestauten Ersparnisse ab und konsumieren verstärkt. In Deutschland kommt ein Basiseffekt durch die Normalisierung der Mehrwertsteuersätze Anfang des Jahres hinzu.

Laut IWF-Prognose gelangen die Inflationsraten Ende des Jahres auf ihren Höhepunkt, bis Mitte 2022 würden wieder Raten wie vor der Krise erreicht. Im Basisszenario rechnet der IWF in den letzten Monaten dieses Jahres mit einer Inflationsrate von 3,6 Prozent in den entwickelten Volkswirtschaften. Für Mitte 2022 liegt die Schätzung nur noch bei zwei Prozent. In einem Extremszenario wären an die drei Prozent denkbar.

Inflationserwartungen als selbsterfüllende Prophezeiung

Die Aussichten für die Schwellen- und Entwicklungsländer deuten auf eine Rückkehr zur Trendinflation von etwa vier Prozent bis Mitte 2022 hin. Allerdings gebe es für beide Ländergruppen „nach oben tendierende Risiken“.

„Anhaltende Angebotsunterbrechungen, Rohstoff- und Immobilienpreisschocks, längerfristige Ausgabenverpflichtungen und eine Entankerung der Inflationserwartungen könnten zu einer deutlich höheren Inflation führen als im Basisszenario vorhergesagt“, heißt es.

Während die Probleme auf der Angebotsseite sowie die Preisschock größtenteils vorübergehender Natur sein dürften, bereiten insbesondere die Inflationserwartungen Sorge. Laut WEO-Prognose tendieren diese für die Entwicklung des Preisniveaus in den entwickelten Volkswirtschaften zwar auch in Richtung zwei Prozent.

Aber die allgemeine Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Preisniveaus ist ausgeprägt, weil nicht klar ist, wann die vorübergehenden Effekte denn dann tatsächlich verschwinden und gleichzeitig die erhöhte Konsumlaune anhält: „Diese Ungewissheiten schüren die Sorge, dass die Inflation dauerhaft über die Ziele der Zentralbank hinausschießt, Erwartungen entschärft und so zu einer sich selbst erfüllenden Inflationsspirale führen könnte.“

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Der Grund: Höhere Inflationserwartungen machen gemeinhin das Sparen unattraktiver, stattdessen wird mehr konsumiert, was sich in erhöhter Inflation niederschlägt. Der IWF bezeichnet seine eigene Prognose daher als „mit erheblichen Unsicherheiten verbunden“.

Der IWF fordert daher eine „klare Kommunikation“, um Inflationsängste zu verhindern. Es brauche einen gut kommunizierten Plan für einen möglichen schrittweisen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. Die Federal Reserve (FED) in den USA und die Bank of England haben bereits in dieser Art kommuniziert. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist in dieser Hinsicht bislang kaum von ihrem Kurs abgerückt. Allein EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel deutete in ihrer viel beachteten Rede in Baden-Baden vor wenigen Wochen an, „endlich den Weg aus dem Niedrigzinsumfeld zu ebnen“.

Die politischen Entscheidungsträger müssten eine Gratwanderung vollziehen, schreibt der IWF. Sie müssten geduldig bleiben, um die konjunkturelle Erholung weiter zu unterstützen. Gleichzeitig müssten sie sich darauf vorbereiten, schnell zu handeln, wenn die Inflationserwartungen anziehen.

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