Rückkehr der Inflation Mario Draghis neue Probleme

Die Preise in Deutschland sind im Oktober so stark gestiegen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Damit kommt die EZB ihrem Inflationsziel näher. Doch für Mario Draghi wird die Arbeit damit nicht unbedingt leichter.
Update: 28.10.2016 - 16:31 Uhr 6 Kommentare
Mario Draghi: Die EZB kommt ihrem Inflationsziel näher. Das macht ihre Entscheidungen jedoch nicht leichter. Quelle: dpa
Mario Draghi

Mario Draghi: Die EZB kommt ihrem Inflationsziel näher. Das macht ihre Entscheidungen jedoch nicht leichter.

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Jahrelang hat sich EZB-Chef Mario Draghi besorgt über die niedrige Inflation gezeigt. Sinkende Preise könnten eine Abwärtsspirale aus sinkenden Löhnen, höheren Schulden und wirtschaftlichem Niedergang in Gang setzen, so seine Befürchtung. Diese Gefahr scheint nun gebannt.

Die Preise in Deutschland sind im Oktober um 0,8 Prozent gestiegen - der höchste Zuwachs seit zwei Jahren. Im September lag die Jahresteuerung noch bei 0,7 Prozent. Auch die Zahlen für die Euro-Zone, die das europäische Statistikamt am Montag vorstellt, werden diesen Aufwärtstrend wohl bestätigen. Im September 2016 hatte die Preissteigerungsrate noch 0,7 Prozent betragen nach 0,4 Prozent im August.

Dies liegt vor allem am sogenannten Basiseffekt beim Ölpreis. Zu Jahresbeginn war der Ölpreis unter 30 Dollar pro Barrel gerutscht – inzwischen notiert er bei über 50 US-Dollar. Da der Ölpreis zu Jahresbeginn 2016 so niedrig war, könnten die Preise im Vergleich dazu wieder stärker zulegen. Einige Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflation im Euroraum im März 2017 bereits 1,7 Prozent erreichen könnte.

Damit nähert sich die Preissteigerung dem mittelfristigen EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Dies könnte allerdings die EZB in Deutschland vor neue Probleme stellen. Denn dadurch dürften die Rufe nach einem baldigen Ende ihrer unkonventionellen Geldpolitik lauter werden. „Die heutigen Inflationsdaten machen für die EZB das Leben nicht leichter“, sagt ING-Diba Chefvolkswirt, Carsten Brzeski. „Fallende Realzinsen werden die öffentliche Unterstützung für den Kurs der EZB kaum verbessern.“ Gemeint ist: Wenn die Preise stärker steigen und die Zinsen auf ihrem Niveau bleiben, sinkt die Rendite der Sparer. Von ihren Erträgen können sie sich weniger kaufen. Historisch gesehen ist es keine Seltenheit in Deutschland, dass Bankkunden auf ihre Spareinlagen keine inflationsausgleichende Verzinsung erhalten. Die Deutsche Bundesbank kommt zum Beispiel in einer Studie zu dem Ergebnis, dass negative Realzinsen in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland „eher die Regel als die Ausnahme“ gewesen seien. Dennoch dürften sie die Akzeptanz der ultralockeren Geldpolitik weiter erschweren.

Geldpolitik weiter locker

„Die Energiepreise werden auch in den kommenden Monaten die treibende Kraft sein und die Inflationsraten in Deutschland sowie im gesamten Euro-Raum weiter kräftig nach oben schieben“, sagte Commerzbank-Experte Marco Wagner. KfW-Chefökonom Jörg Zeuner geht davon aus, dass es in Deutschland im Januar auf bis zu zwei Prozent hochgeht. Die Verbraucher bekommen dies bereits beim Tanken zu spüren. So stiegen allein in Baden-Württemberg die Preise für Benzin und Diesel erstmals seit Februar 2013 im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Aus Sicht von Carsten Brzeski könnte die steigende Inflation die Debatte über ein Herunterfahren der Anleihekäufe (Tapering) befeuern. Aktuell kauft die EZB für monatlich 80 Milliarden Euro vor allem Staatsanleihen der Euro-Länder.

Die Käufe sind bis März 2017 terminiert. Im September und Oktober hat die Notenbank noch keine Entscheidung getroffen, wie es mit den Käufen weitergeht. Fast alle Ökonomen gehen davon aus, dass die EZB sie im Dezember verlängert. Die Frage ist allerdings, ob sie das monatliche Kaufvolumen beibehält und ob sie bereits eine Ausstiegsstrategie ankündigt. Carsten Brzeski glaubt: „Im Dezember ist nicht nur der wahrscheinlichste, sondern möglicherweise der letztmögliche Moment, um Unterstützung für eine Verlängerung innerhalb des EZB-Rates zu bekommen.“

In einer Rede am Freitag signalisierte EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré, dass die Notenbank ihre lockere Geldpolitik fortsetzen wird. Sie werde so lange beibehalten „bis die Inflation sich nachhaltig unserem Ziel annähert“, so Coeure.

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6 Kommentare zu "Rückkehr der Inflation: Mario Draghis neue Probleme"

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  • Heute fehlen die unqualifizierte Äußerungen zum größten
    eurapäischen Ökonomen Herrn Draghi. Fortschritte selbst in diesem Forum.
    Unglaublich, wie schaffen das,

  • "Lieber Gott, lass' mich um Ausreden nie verlegen sein."

    Die Einstellung teilt Draghi offenbar mit unzähligen anderen.

  • Klasse Mann der Herr Draghi, der gibt dem Investor was dem Investors ist.
    Chistliche lebensweisheien sind fast so wichtig wie Dividenden.

  • Sorry, vergessen: Der Feuerwehrmann war natürlich Benedict Coeur. Der hat immer gerade zufällig im richtigen Augenblick ein Mikro zur Hand, in das er dann seine Sprüche reinquaken kann....

  • Keine Sorge, als vorhin die Renditen weiter anzogen, stand Feuerwehrmann wieder mal zufällig irgendwo am Mikro und schwafelte, man würde auch weiterhin am Anleihekaufprogramm festhalten. Der Drucker wird weiter drucken (müssen). Gründe wird man schon erfinden. Zur Not erhöht man das Inflationsziel eben auf 4%. Die aktiven Markteingriffe (Marktmanipulationen) der Notenbanken weltweit werden bis zum Tag der Marktexplosion unvermindert anhalten.

  • Zitat:
    „Jenseits der Energiegüter sieht die Preisentwicklung zunehmend stabiler aus. Es gibt eine Chance, die Geldpolitik bald langsam zu normalisieren.“

    Jep, und falls tatsächlich die Öl- und Energiepreise im nächsten Jahr auch noch steigen sollten, stände tatsächlich einer Normalisierung des Zinsniveaus doch nichts entgegen, oder? Und wenn die Normalisierung dann doch nicht passiert und man sich notenbankseitig allerlei Begründungen überlegt, warum denn eine weitere lockere Geldpolitik angebracht sei, darf man getrost die Motivationen der Geldpolitiker mal hinterfragen. Denn es wäre mehr als verwunderlich, würde das Ankaufen von Staatsanleihen auch bei höheren Inflationsraten und nach Erreichen des Inflationsziels lustig so weiter betrieben wie in den letzten Jahren. Dann wäre es nämlich nur der Not geschuldet.

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