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Statistisches Bundesamt BIP schrumpft um 2,2 Prozent – Zweites Quartal droht deutlich schlimmer zu werden

Der BIP-Rückgang um 2,2 Prozent zu Jahresbeginn im ersten Quartal ist erst der Anfang: Volkswirte prognostizieren fürs zweite Quartal einen Einbruch von mindestens zehn Prozent.
15.05.2020 Update: 15.05.2020 - 12:50 Uhr Kommentieren
Die deutsche Wirtschaft leidet unter den Auswirkungen der Coronakrise. Quelle: dpa
Hafen in Hamburg

Die deutsche Wirtschaft leidet unter den Auswirkungen der Coronakrise.

(Foto: dpa)

Frankfurt/Berlin Die dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie haben das Statistische Bundesamt motiviert, schneller als üblich aussagekräftige Daten zusammenzustellen. So ist aus einem Frühindikator zur Konjunktur fast ein Indikator in Echtzeit geworden: „Der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex ist fast ein Nowcast“, berichtet der für Verkehrsleistungen zuständige Abteilungsleiter Peter Schmidt stolz.

Im April ist dieser Index um elf Prozent gegenüber dem Vormonat eingebrochen, im März waren es 5,9 Prozent gewesen. Dieser schnellste Konjunkturindikator der amtlichen Statistik zeigt, dass die Rezession im zweiten Quartal sehr tief ausfallen wird.

Das Statistische Bundesamt hat an diesem Freitag auch die ersten Zahlen für das erste Quartal 2020 präsentiert: Um 2,2 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem letzten Vierteljahr 2019 abgerutscht. Der Einbruch, der das ganze Quartal ins Minus drückte, fand dabei exakt ab Mitte März statt, wie der Chefökonom für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Albert Braakmann, während einer Presskonferenz erläuterte.

Der harte Shutdown Mitte März schlug sich bei Aufträgen und Produktion in der Industrie nieder, während gleichzeitig Dienstleistungen untersagt und Konsummöglichkeiten eingeschränkt wurden.

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    Einzig Investitionen in Bauten und der Staatskonsum wirkten im März noch stabilisierend auf die Konjunktur. Einen düsteren Ausblick aufs zweite Quartal zeigen etwa die Auftragseingänge der Industrie: Sie brachen im März um 15 Prozent ein, aus dem Ausland gar um 16 Prozent.

    Auch wenn Chefökonom Braakmann betonte, dass das Statistische Bundesamt „Diagnosen erstelle und keine Prognosen“, zeigen der Lkw-Maut-Indikator und die Auftragseingänge, dass die Volkswirte von Instituten und Banken mit ihren Prognosen wohl nicht zu pessimistisch sind: Sie erwarten für das erst halb abgelaufene zweite Quartal ein Minus zwischen zehn und 14 Prozent des BIP.

    So zeigen denn auch fast alle Diagnose-Zahlen des Bundesamts seit Mitte März steil bergab. Wie auch die meisten Preise. Der Rohölpreis fiel im April auf ein Drittel, Tanken war so günstig wie seit vier Jahren nicht mehr.

    Selbst ohne Energiepreise sanken die Erzeugerpreise im Schnitt um 0,1 Prozent. Der Druck auf die Preise bleibt, auch wenn im April die Preise für frisches Obst und Gemüse deutlich stiegen, für Paprika gar um 30 Prozent – weil Lieferungen aus Spanien und Italien, den wichtigsten Lieferantenländern, Corona-bedingt schwieriger wurden. Selbst der Klopapierpreis legte nur um ein Prozent zu.

    Rezession abhängig von Lockerungen

    Wie tief die Rezession im zweiten Quartal ausfallen wird, hängt laut Braakmann davon ab, wie die Lockerungen in Deutschland und anderen EU-Staaten weitergehen, und auch davon, wie dies konkret umgesetzt wird.

    Zum Beispiel: Gehen die Leute trotz Hygienevorschriften wieder mehr einkaufen als bisher? Wesentlich werde auch sein, welche neuen Stützungsmaßnahmen die Politik noch für die Wirtschaft beschließen wird.

    Damit alle Interessierten die Wirtschaftsentwicklung etwas schneller als bisher einordnen können, führt das Statistische Bundesamt ab sofort einen Krisenmonitor, der den Verlauf der Coronakrise mit dem der Finanzmarktkrise vergleicht. Das erste Coronakrisen-Quartal ist dabei das erste 2020, das erste Finanzmarktkrisenquartal das zweite Quartal 2008.

    Schon jetzt zeigt sich: Die Finanzmarktkrise wirkte sich schleichend auf die Realwirtschaft aus, die Coronakrise ist ein harter und steiler Einbruch. Das zeigt nun auch das von der Hans-Böckler-Stiftung geführte Rezessionsbarometer, das die Rezessionswahrscheinlichkeit misst: Sie beträgt aktuell 100 Prozent.

    Ein wenig Hoffnung allerdings bietet in den letzten Tagen der Lkw-Maut-Index: Er zeigt inzwischen an, dass im Mai die Lkw-Fahrten wieder zunehmen. Auch wenn also der April wohl ein Monat des Desasters war: Im Mai geht’s aufwärts, wenn auch erst ein wenig.

    Mehr: Das große Schuldenexperiment – Retten wir uns zu Tode?

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